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Studie

Von der Stadt aufs Land ziehen – Dörfer immer begehrter

Deutschland / Lesedauer: 2 min

Raus aufs ruhige Land statt Großstadtlärm: Deutlich mehr Menschen als noch vor zehn Jahren ziehen aus den Metropolen in die Provinz. 
Veröffentlicht:12.09.2023, 17:28

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Ruhe im Grünen statt Großstadtlärm: Deutlich mehr Menschen als noch vor zehn Jahren ziehen von der Stadt aufs Land. Wanderungsgewinne verzeichnen demnach rund zwei von drei Landgemeinden — „ein Jahrzehnt zuvor galt dies nur für rund jede vierte Landgemeinde“, erklärte Frederick Sixtus vom Berlin–Institut am Dienstag in Berlin. Er äußerte sich mit Blick auf eine aktuelle Studie der Einrichtung zusammen mit der Wüstenrot Stiftung. Eine ähnliche Entwicklung erlebten auch Kleinstädte.

"Corona hat Trend nochmal verstärkt"

„Diese Veränderungen im Wanderungsverhalten deuten sich schon länger an, seit 2017 hat die neue Landlust dann an Fahrt aufgenommen. Corona hat diesen Trend noch einmal verstärkt“, so Sixtus.

Es sind demnach vor allem Menschen zwischen 30 und 49 Jahren mit ihren minderjährigen Kindern sowie Berufseinsteiger zwischen 25 und 29 Jahren, die ländliche Regionen für sich entdecken. Erschwinglicher Wohnraum, eine gute Verkehrsanbindung oder eine gute Kinderbetreuung lockten die Menschen in den Ort.

Gute Nachricht aber auch Herausforderung

„Das wachsende Interesse am Landleben ist für die kleinen Gemeinden grundsätzlich eine gute Nachricht“, sagte Institutsdirektorin Catherina Hinz. „Es bietet die Chance, viele demografische Herausforderungen ländlicher Regionen abzumildern.“ Junge Familien mit Kindern sorgten dafür, dass Schule und Kita erhalten blieben; zudem seien sie als Fachkräfte bei ländlichen Mittelständlern sehr begehrt.

Der Zuzug stelle für kleine Gemeinden aber auch eine Herausforderung dar. „Neuzugezogene und Alteingesessene müssen das Zusammenleben aktiv gestalten. Eine funktionierende Dorfgemeinschaft ist kein Selbstläufer“, so Hinz. Wer selbst auf dem Land aufgewachsen sei und nur vorübergehend in der Stadt gelebt habe, wisse in der Regel, was ihn oder sie erwartet. Manche Zugezogene dagegen müssten das Zusammenleben auf dem Dorf erst lernen.

Vereine, Treffpunkte und Gastronomie nötig

Vereine sind hier demnach die zentralen Anlaufstellen für Zugezogene, um im Ort Fuß zu fassen. Für die Belebung der Ortskerne seien aber auch neue Ideen nötig. Vielerorts auf dem Land verschwänden im Ortskern etwa immer mehr Treffpunkte wie Kneipen, Gaststätten oder Bäckereien.

Für die Studie besuchte das Berlin–Institut sechs Gemeinden, die zuletzt viel Zuzug erfahren haben: Sanitz bei Rostock in Mecklenburg–Vorpommern, Allmendingen in Baden–Württemberg, das am Nord–Ostseekanal gelegene Borgstedt in Schleswig–Holstein, Großharthau in Sachsen, Mehlmeisel in Bayern und Wanfried im hessischen Teil des Werratals.