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Biss-Vorfall

Politiker streunt im Wolfskostüm durch den Landtag – das ist der Grund

Schwerin / Lesedauer: 3 min

Es sind ungewöhnliche Bilder, die aktuell von einem der prominentesten Politiker der Mecklenburgischen Seenplatte zu sehen sind. Aber sie haben einen ernsten Hintergrund.
Veröffentlicht:25.06.2023, 16:09

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Ein Mann steht im Wolfskostüm vor dem Schweriner Schloss, dem Sitz des Landtages von Mecklenburg–Vorpommern. Er gehe um einen vermeintlichen Wolfsbiss im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte an der Grenze zu Brandenburg, sagt er, man habe versucht, dazu Informationen zu sammeln und Fragen unter anderem im Agrarausschuss des Landtages zu stellen. Der zuständige Minister Till Backhaus (SPD) sei nicht bereit gewesen, diese Fragen zu beantworten, er habe sie „Unterstellungen“ und „Unverschämtheiten“ genannt, berichtet der „Wolf“ vor dem Schloss.

Stellt sich die Frage: War es ein Wolf?

Unter dem Kostüm verbirgt sich der CDU-Landtagsabgeordnete Thomas Diener, und seine Aktion hat einen ernsteren Hintergrund, als es sein Aufzug zunächst vermuten lässt. Es geht um einen Vorfall, der sich am 19. April südwestlich von Röbel nahe der A19 in Grabow-Below an der Grenze zu Brandenburg zugetragen hatte. Damals war ein Mann angefallen und ins Bein gebissen worden.

Es stellte sich die Frage: War es ein Wolf? „Es hat keinen Wolfsangriff auf einen Menschen in unserem Land gegeben. Wer das behauptet, verbreitet Fake News“, reagierte Landwirtschaftsminister Till Backhaus damals. Das landeseigene Wolfsmanagement hätte den Fall untersucht und dabei zwei DNS-Proben sowie Speichel und Tierhaare überprüft. Die Analyse schloss einen Wolf als Übeltäter aus – laut Befund war es ein Haushund.

Man hat den Eindruck dass hier nicht alles so gelaufen ist, wie es sollte, weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

Thomas Diener, CDU

Laut Thomas Diener – Landwirt, Amtsvorsteher im Amt Penzliner Land und Bürgermeister der Gemeinde Möllenhagen – gibt es in dem Fall allerdings einige Ungereimtheiten. Wer steckt beispielsweise hinter der Firma, die die Wolfsspuren untersucht hat? Wie das Internetportal „Wir sind Müritzer“ berichtet, habe die entsprechende Firma „Schuchardt Umweltplanung GmbH“ laut Diener erst Tage später Kotproben am Tatort entnommen, die dann analysiert wurden.

"Wolf" lunscht hinter Snackautomaten

Doch der Ort, wo der Jäger gebissen wurde, sei demnach eine beliebte Auslaufstrecke für Hunde aus dem naheliegenden Ort. Auch beim Betroffenen seien erst Tage später Proben von dessen Kleidung genommen worden. Dieners Fazit: „Man hat den Eindruck dass hier nicht alles so gelaufen ist, wie es sollte, weil nicht sein kann, was nicht sein darf.“

Thomas Diener hat Till Backhaus einige brisante Fragen zu dem Angriff geschickt. Und so lange er auf eine Antwort warten muss, rührt Diener die Medientrommel für das Thema "Wolf" – eben auch im Wolfskostüm im Schweriner Schloss. "Dann kommen wir einfach her und stellen die Fragen erneut und versuchen, uns hier einige Antworten im Schloss zu ergattern", sagt "Wolf" Diener und geht durch die Schloss-Eingangspforte, fährt mit dem Fahrstuhl, lunscht hinter einen Snackautomaten und sitzt schließlich an seinem Bürotisch.

Dass der Politiker Spaß an Verkleidungen und unterhaltsamen Video-Auftritten hat, ist hingegen nichts Neues. Seit drei Jahren schlüpft Thomas Diener regelmäßig zur Osterzeit in das Kostüm eines rosa Hasen, der den Zuschauern frohe Ostern wünscht und dazu ein paar aktuelle Themen anschneidet.