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Saftige Preise in der Gastronomie: Liegt es an der höheren Mehrwertsteuer? 

Neubrandenburg / Lesedauer: 4 min

Alles ist teurer geworden. Da muss auch die Gastro-Branche die Preise saftig erhöhen. Ein Steak kostet jetzt schon mal satte 50 Euro. Müssen sich Restaurantbesucher daran gewöhnen?
Veröffentlicht:10.02.2024, 15:34

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Es ist überall zu spüren seit Jahresbeginn: Für den Inlandsurlaub müssen Gäste deutlich tiefer in die Taschen greifen. Vor allem die Erhöhung der Mehrwertsteuer von sieben auf 19 Prozent müssen Gastronomen und Hoteliers offenbar auf die Besucher umlegen. So sind selbst auf dem „flachen Land“, irgendwo zwischen Güstrow und Teterow, kaum mehr normale Ferienwohnungen für unter 100 Euro zu haben. Ein umgebautes 55-Quadratmeter-Feuerwehrhaus in Rensow bei Gnoien schlägt auf dem Buchungsportal Booking.com sogar mit mehr als 500 Euro zu Buche - für vier Nächte allerdings wohlgemerkt.

Kostensteigerungen bei Einkauf, Energie und Personal

Auch in manch einem Restaurant bleibt diesem oder jenem Gast dieser Tage beim Blick in die Menükarte der Mund offen stehen: Im Farmer-Steakhouse Basedow beispielsweise muss der Gast für ein argentinisches 250-Gramm-Steak satte 49 Euro zahlen. Beilagen inklusive, trotzdem ein saftiger Preis.

Einkaufspreise, Personal- und Energiekosten sowie die Erhöhung der Mehrwertsteuer machen den Wirten zu schaffen. Im Falle der neuen Steakkarte sei die höhere Mehrwertsteuer noch nicht einmal berücksichtigt worden, sagt Steakhouse-Inhaber Daniel Witt.  Das habe mit den Lieferanten zu tun, die wiederum andere, weitaus höhere Preise verlangen würden. Und an der Qualität möchte Witt nicht sparen. Man bemühe sich aber um andere Einkäufe, so der Restaurantbetreiber. Irgendwo müsse ja auch eine Grenze für den Gast sein.

Kritik am deutschen Steuerdschungel

In der Warener Altstadt haben im Winter viele Restaurants geschlossen. Axel Rösing, Inhaber der Fischgaststätte Dock 10 am Hafen, will sich das aber nicht erlauben und lädt weiterhin ein. Doch auch er musste die Preise erhöhen. „Alles ist teurer geworden, selbst der Lieferant schlägt die seit Januar geltende Klein-LKW-Maut auf die ausgelieferte Ware. Das eigentliche Problem aber ist, dass wir für sieben Prozent Mehrwertsteuer einkaufen und im Verkauf jetzt 19 Prozent abführen müssen. Außer Haus wiederum sind es nur sieben Prozent. Es ist alles durcheinander“, kritisiert der Gastronom den deutschen „Steuerdschungel“.

Tobias Woitendorf, Geschäftsführer des Tourismusverbandes MV, bestätigt, dass viele Gastronomen seit der Rückkehr zur 19-prozentigen Mehrwertsteuer bei Restaurantdienstleistungen die Preise anheben mussten, um auskömmlich wirtschaften zu können. Mit weiteren exorbitanten Preissteigerungen in diesem Jahre rechnet er aber nicht, bereits in den vergangenen Krisenjahren seien die Preise angepasst worden.

Tourismusverband sieht Entwicklung mit Sorge

Auch auf dem Sektor der Ferienwohnungen habe es Preissteigerungen gegeben, die vor allem auf die Zeit ab und nach Corona zurückzuführen seien, so der Tourismus-Experte. Gestiegene Lebensmittel,- Personal- und Energiekosten hätten dies vielerorts nötig gemacht. Damit liege MV auch im Bundestrend.

Kann sich angesichts dieser Entwicklungen denn überhaupt noch jeder einen Urlaub in Deutschland leisten? Tobias Woitendorf denkt, dass eine Auszeit vom Alltag für die meisten nach wie vor Priorität habe. Leider werde aber nun aber möglicherweise an der Anzahl der Reisen gespart.„ Bei manch einem fällt jetzt der Herbst- oder Winterurlaub weg, dabei haben wir gerade an der Saisonverlängerung gearbeitet“, bedauert der Tourismusexperte. Auch an Ausgaben innerhalb des Urlaubs werde gespart. Der abendliche Gang ins Restaurant oder ein bisschen mehr Kultur in den Ferien falle dann eben weg und die Anzahl der Selbstversorger nehme zu.

Das kostet weitere Existenzen

Die erneute Erhöhung - zusätzlich zu verdoppelten Lohn- und Energiekosten, Lebensmittelpreisen sowie Dienstleistungen - gehe zu Lasten der Betreiber, sagt der Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in MV, Lars Schwarz. „Es wird spannend, wie lange sie das durchhalten und bestimmt wieder einige Existenzen kosten“, fürchtet der Touristiker. Gerade im Binnenland zeige sich, dass Restaurantbetreiber die drastische, fast 100-prozentige Erhöhung auf wieder 19 Prozent Mehrwertsteuer mehrheitlich nicht an die Gäste weitergeben könnten und wollten. Wie das die Küsten-Gastronomen halten, werde sich zu Saisonbeginn zeigen.

Dehoga-Chef Lars Schwarz will weiter für eine dauerhaft abgesenkte Mehrwertsteuer in der Gastronomie kämpfen.
Dehoga-Chef Lars Schwarz will weiter für eine dauerhaft abgesenkte Mehrwertsteuer in der Gastronomie kämpfen. (Foto: Eberhard Rogmann)

Zudem könne es nicht sein, dass die Erhöhung für Kitas, Schulen und Horte wieder zurückgenommen werde, damit die Kinder bezahlbares Essen erhalten, aber Familien am Wochenende dann nicht mehr ins Restaurant könnten, weil es dort zu teuer bleibt. „Damit dividiert man eine ganze Branche auseinander“, findet Schwarz. „Sieben Prozent Mehrwertsteuer müssen für alle gelten.“

Daher bleibe der Kampf gegen die Probleme der Branche eine Daueraufgabe, so Schwarz. Er sprach von einem geschlossen gesetzten Zeichen gegen die Sparpläne der Ampelregierung während der großen Montagsdemo der Bauern in Berlin, bei der sich etliche Touristiker beteiligt hatten. Mit Bussen und in Privat-Pkw waren Hoteliers und Restaurantbetreiber von MV in die Hauptstadt gereist, um ihren Unmut vor allem gegen die Rücknahme der Mehrwertsteuersenkung von sieben auf jetzt wieder 19 Prozent kundzutun. „Das war eine beeindruckende Veranstaltung“, so der Dehoga-Chef. Ob die Politik dieses Zeichen aber auch wirklich verstanden habe, bleibt für ihn fraglich.