StartseiteRegionalMecklenburg-VorpommernTatort Wald – hier wird gewildert und geklaut

Kriminalität

Tatort Wald – hier wird gewildert und geklaut

Greifswald / Lesedauer: 4 min

Für Kriminelle ist auch der Forst ein Ort, um sich zu bereichern. Der Nordkurier hat Straftaten in Waldgebieten in Mecklenburg-Vorpommern ins Auge genommen.
Veröffentlicht:01.12.2023, 06:06

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Gut 23,5 Prozent der Landesfläche Mecklenburg-Vorpommerns ist bewaldet. Ein Spaziergang durch den Wald gilt oft als pure Erholung. Doch für manche ist der Wald auch Angst einflößend, andere sehen ihn als mystisch an. Für Kriminelle ist er eher ein Ort, um sich zu bereichern. Der Wald wird dann zum Tatort: Holzdiebstähle, Wilderei und Sprit-Klau. Der Nordkurier will dieses Dickicht zu lüften.

Holzklau in den letzten Jahren angestiegen

Beim Landesforst kostet der Raummeter Buchenholz derzeit mindestens 40 Euro netto. Das Brennholz muss selbst klein geschnitten und gehackt werden. In der Energiekrise nahm der Preis für Holz zu – und das weckte wohl Begehrlichkeiten.

Denn der Landesforstanstalt wurden in diesem Jahr bereits 18 Holzdiebstähle gemeldet. In diesem Jahr sei „insgesamt ein Anstieg der Diebstähle zu beobachten“, teilt eine Landesforstsprecherin dem Nordkurier mit. „Der 10-jährige Durchschnitt liegt bei 11 Fällen, der 5-jährige Durchschnitt bei 4 Fällen“, hieß es weiter.

In diesem Jahr seien schon rund 158 Festmeter ohne Rinde weggekommen, der Schaden liegt bei etwas mehr als 9000 Euro. Im Jahr zuvor gab es fünf Diebstähle, die bekannt wurden, damals kamen rund 42,6 Festmeter für knapp 2400 Euro weg. 2021 kam es hingegen nur zu einem bekannten Holz-Klau, der Schaden lag damals 28,91 Euro. Allerdings betont die Landesforstanstalt auch, dass Holzdiebstähle „eine untergeordnete Rolle“ bei einem Gesamteinschlag von ca. einer Million Festmeter Holz spielen würden.  

Auch zu Holzdiebstählen kommt es in diesem Jahr vermehrt.
Auch zu Holzdiebstählen kommt es in diesem Jahr vermehrt. (Foto: Stefan Sauer)

Im Raum Neubrandenburg hat sich die Zahl der Holzdiebstähle in diesem Jahr zu 2021 fast vervierfacht. 2021 erfasste die Polizei vier Anzeigen rund um den Klau von Kamin- und Feuerholz, in diesem Jahr sind es bereits 15 Anzeigen. Hinzu kommt, dass nicht jeder Klau bemerkt oder angezeigt wird. 

Zum Schutz vor Dieben werde beim Landesforst MV daher auf die schnelle Holzabfuhr gesetzt. Auch die verstärkte Präsenz in betroffenen Revieren, Öffentlichkeitsarbeit und die Markierung von Poltern mit Sendern zählt dazu. Gute Schrankanlagen können helfen, ergänzt der Greifswalder Universitätsforstmeister Wolfgang von Diest (62). 

Übrigens: Wer Holz aus dem Staatswald mitnimmt, macht sich nicht immer strafbar. Nach dem Landeswaldgesetz „ist es erlaubt, Holz im Staatswald für den eigenen Bedarf zu sammeln, wenn es sich um zu Boden gefallenes, dürres oder angefaultes Holz unter zehn Zentimeter Durchmesser handelt, solange eine ordnungsgemäße Forstwirtschaft hierdurch nicht gefährdet wird“, so der Landesforst. Es darf aber nicht für den Verkauf durch den Forst vorgesehen sein, von Sammlern weiterverkauft werden oder frisch sein. Außerdem ist die Nutzung nur privat erlaubt.  

 Illegale Jagd auf Wild

Doch im Wald gibt es nicht nur Holz, sondern auch Wild. Plötzlich tauchen Scheinwerfer auf. Schüsse knallen durch die Luft, obwohl sie nicht fallen dürfen. Ein Bogenschütze in Camouflage huscht durch den Wald. Wilderer sind auch in den hiesigen Wäldern unterwegs. 

Das LKA teilt dem Nordkurier auf Anfrage mit, dass zum jetzigen Zeitpunkt davon auszugehen sei, „dass die Zahlen im Vergleich zum Vorjahr ansteigen.“ 2022 wurden insgesamt 50 Fälle der Jagdwilderei registriert. Die meisten davon gab es in den Landkreisen Ludwigslust-Parchim (13) und in Nordwestmecklenburg (11). Jeweils sieben Straftaten wurden in den Kreisen Mecklenburgische Seenplatte, Vorpommern-Rügen und Vorpommern-Greifswald durch die Polizei registriert. Im Landkreis Rostock kam es zu fünf Fällen. In Schwerin und Rostock kam es 2022 zu keiner Jagdwilderei. 2021 gab es landesweit 68 Fälle, die meisten davon in Ludwigslust-Parchim (17). Platz zwei belegte damals der Landkreis Vorpommern-Greifswald (13). 2020 waren es noch 48 Fälle landesweit.

„Es kann lebensgefährlich sein, ein Wilderer zu stellen. Denn solche Menschen sind bewaffnet. Es ist viel sicherer, die Polizei zu rufen, wenn man einen entdeckt“, warnt Wolfgang von Diest.  „Wilderei kommt immer mal wieder vor, aber wir können keine höheren illegalen Wildentnahmen in den Beständen erkennen“, sagt der Universitätsförster weiter. Wer dabei erwischt wird, dem droht eine saftige Strafe. Denn Jagdwilderei kann bis zu drei Jahre Haft bedeuten. In besonders schweren Fällen, wie zum Beispiel gewerbsmäßig, nachts, in der Schonzeit oder der Jagd mit Schlingen, sind bis zu fünf Jahre drin. 

Und der Diesel-Klau?

Auch wenn Mecklenburg-Vorpommern eher zu den waldarmen Ländern in Deutschland zählt, ist die halbe Million Hektar Wald eine riesige Fläche. Zum Vergleich: Der Wald hierzulande ist so groß wie der Bodensee. Der Flughafen in Frankfurt würde 25,2 Platz finden. Der Nordkurier fragte auch das LKA und die Landesforstanstalt zum Thema Kraftstoff-Klau in den Wäldern an. Aus den Behörden hieß es dazu, dass keine Statistiken gebe. Universitätsförster Wolfgang von Diest erklärt: „Es ist in den Wäldern schon zu merken, wenn die Dieselpreise neue Höchststände erreichen. Dann werden vermehrt Tanks aufgeknackt. Das betrifft oft die Unternehmen, die für uns im Wald arbeiten.“ 

Auch im Wald schlagen Kriminelle also zu. Doch Spuren hinterlassen sie immer. Jetzt, wo Schnee im Wald liegt, werden sie noch schwerer zu verwischen sein.