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Vorpommern–Rügen

Umwelthilfe: Hinweise auf Vorarbeiten für LNG–Terminals

Stralsund/Schwerin / Lesedauer: 3 min

Mecklenburg–Vorpommerns Regierungschefin Schwesig ist gegen den Bau von zwei großen Terminals für Flüssiggas nur wenige Kilometer entfernt von Badeorten an der Ostküste Rügens. Doch laufen dort möglicherweise schon die Vorarbeiten dafür.
Veröffentlicht:19.03.2023, 09:13

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Ungeachtet des Vetos von Mecklenburg–Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) haben nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe offenbar erste Vorarbeiten für weitere LNG–Terminals östlich von Rügen begonnen. Schiffsbewegungen im betreffenden Seegebiet ließen darauf schließen, dass ein Spülbagger die Arbeit aufgenommen habe und auch Probebohrungen niedergebracht werden könnten. „Das Muster wiederholt sich. So wurde auch beim Bau des Nordsee–Terminals vor Wilhelmshaven vorgegangen“, sagte am Samstagabend Constantin Zerger, Bereichsleiter für Energie und Klimaschutz bei der Deutschen Umwelthilfe.

Im Tagesverlauf seien die Schiffsbewegungen des Schwimmbaggers „Swarog“ der Bauplattform „JB119“ vor der Südostspitze Rügens registriert und auch bildlich festgehalten worden. Die Umwelthilfe habe vorsorglich Widerspruch beim Bergamt Stralsund eingelegt, bis zum Abend aber keine Antwort erhalten. Zerger verwies darauf, dass „etwaige Baggerarbeiten zum jetzigen Zeitpunkt in die Laichzeit des Herings sowie in die Zeit des Vogelzugs“ fielen. Aus naturschutzfachlicher und rechtlicher Sicht sei somit die Zulassung eines vorzeitigen Baubeginns oder auch nur vorbereitender Arbeiten auszuschließen.

Dem pflichtete auch Umweltminister Till Backhaus (SPD) bei. Das Genehmigungsverfahren laufe, erst am Freitag sei die Frist für Einwendungen gegen das Projekt abgelaufen, sagte Backhaus am Abend. Vorzeitige Maßnahmen seien ihm nicht bekannt und auch nicht angezeigt. Wie Schwesig äußerte auch Backhaus Bedenken gegen den geplanten Standort für zwei weitere Flüssiggas–Terminals, die der Energiekonzern RWE im Auftrag des Bundes nur wenige Kilometer vor den Badeorten Binz und Sellin errichten will. Auch Kommunalpolitiker und Tourismusverbände sind strikt dagegen. RWE war am Abend nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Erst am Freitag hatte Ministerpräsidentin Schwesig ihre Kritik an den bisherigen Plänen des Bundes für zwei Flüssigerdgas–Terminals vor Rügen untermauert und Alternativen gefordert. „Zum Beispiel, dass man sehr, sehr weit rausgeht, wo es überhaupt niemanden stört — und dann vielleicht eine längere Leitung baut“, sagte Schwesig im NDR–Fernsehen. Doch müsse der Bund zunächst die Frage beantworten, ob zusätzliche Terminals vor Rügen überhaupt noch erforderlich seien.

Die Umweltverbände Bund, Nabu und WWF hatten bereits deutlich gemacht, dass sie keinen Bedarf für weitere LNG–Terminals vor Mecklenburg–Vorpommerns Küste sehen. Sie warnten vor dem Bau der Terminals vor Rügen, einer damit verbundenen weiteren Gas–Pipeline durch den Greifswalder Bodden sowie Seetrassen durch die Ostsee. Sowohl der Bau als auch der langjährige Betrieb bedrohten empfindliche und geschützte Lebensräume.

Nach bisherigen Plänen sollen in der Ostsee vor Sellin zwei schwimmende Flüssigerdgas–Terminals installiert werden. Das mit Tankschiffen angelieferte Flüssiggas soll dort wieder in Gas umgewandelt und per Pipeline nach Lubmin auf dem Festland transportiert werden. Lubmin als früherer Anlandepunkt für russisches Erdgas aus der Ostsee–Pipeline Nord Stream 1 ist bereits an das europäische Verteilnetz angebunden. Dort betreibt die Deutsche Regas seit Mitte Januar bereits ein LNG–Terminal.