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"Anschlag"

Vermummte bedrohen Chef von Greifswalder Wohnungs-Gesellschaft

Greifswald / Lesedauer: 4 min

In Greifswald wurde der Chef einer Wohnungsgesellschaft von Vermummten bedroht. Der Bürgermeister spricht von einem „Anschlag“. Hintergrund ist ein Streit mit einem Pflegedienst.
Veröffentlicht:23.10.2023, 14:09

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In Greifswald ermittelt die Polizei nach der Bedrohung des Geschäftsführers der Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft (WVG) am 18. Oktober. WVG-Chef Klaus-Peter Adomeit soll auf dem Heimweg von Unbekannten erst mit einem Auto mit verdeckten Kennzeichen verfolgt worden sein. Die mit Sturmhauben vermummten Täter sollen dem WVG-Chef dann den Weg abgeschnitten und ihn auf offener Straße bedroht haben. 

Konflikt um Pflegedienste

Adomeit erstattete Anzeige. Er sei vorher schon körperlich, verbal und durch Drohbriefe angegangen worden. Hintergrund des Überfalls soll ein auslaufender Vertrag mit einem örtlichen Pflegedienst und der WVG sein. „Wir sind entsetzt und fassungslos über die Vorkommnisse. Dass Menschen in unserer Stadt, in unserem Land von Vermummten bedroht werden, ist ein Anschlag auf das gesellschaftliche Miteinander und nicht tolerierbar. Dem muss der Rechtsstaat mit allen Mitteln entgegentreten“, teilte Alexander Krüger, Aufsichtsratsvorsitzender der WVG, mit.

Die Polizei bestätigte den Eingang der Strafanzeige auf Nordkurier-Anfrage. Man stehe noch am Beginn der Ermittlungen und prüfe den Vorfall sowie mögliche Vernehmungen und Zeugenaufrufe, hieß es am Montag von der Polizei.

OB Fassbinder: „Feige Bedrohung auf offener Straße“

Auch Greifswalds Oberbürgermeister Dr. Stefan Fassbinder (B'90/Grüne) sieht den Überfall am Donnerstag gegen den WVG-Geschäftsführer im Zusammenhang mit der „Debatte“ zwischen einem Greifswalder Pflegedienst und der WVG. Fassbinder verurteilte den „Anschlag“ und sprach seine volle Solidarität mit dem WVG-Chef und seiner Familie aus. „Eine feige Bedrohung durch Vermummte auf offener Straße, die damit Druck auf einen Unternehmenschef ausüben wollen ‐ das ist eine ganz neue Dimension von Gewalt, die wir aufs Schärfste verurteilen und nicht hinnehmen werden“, so Fassbinder am Montag in einer Mitteilung.

Der Pflegedienst "Heinrich & Heinrich“ muss seine seit Jahren genutzte Gebäude mit mehreren Wohnungen in der Thälmannstraße zum Ende des Jahres verlassen. Die WVG als Eigentümerin des Gebäudes will den seit 2004 bestehenden Mietvertrag mit dem Pflegedienst nicht mehr verlängern, berichtete die Ostsee-Zeitung. Demnach soll ein neuer Pflegedienst ab 2024 in das Gebäude ziehen, bei dem es sich um eine Tochtergesellschaft der WVG handelt. Das sorgt für Unruhe und Sorgen bei den zu pflegenden Bewohnern und Unverständnis bei dem bisherigen Pflegedienst.

Laut WVG-Chef Adomeit war der Vertrag von Anfang an befristet und schon länger bekannt, dass dieser ausläuft. Auch habe es bis vor wenigen Wochen keinen Widerspruch dazu gegeben. Laut dem Geschäftsführer entstehe der Eindruck, dass „mit der Angst und der Hilflosigkeit bedürftiger Menschen gespielt“ werde.

Oberbürgermeister fordert schnelle Aufklärung

Laut Fassbinder sei der Vorfall nicht nur ein „ungerechtfertigter Anschlag“ auf Klaus-Peter Adomeit und seine Familie, sondern auf die „gesamte Gesellschaft“. Alle Greifswalder sollen jedem Versuch, „politische oder unternehmerische Entscheidungen durch Gewalt zu beeinflussen“, entschieden entgegenstehen. Der Oberbürgermeister forderte, dass Polizei und Staatsanwaltschaft jetzt mit Hochdruck an der Aufklärung arbeiten müssen, „damit die Täter und mögliche Auftraggeber rasch gefasst und zur Verantwortung gezogen werden können“.

Die Polizei und Staatsanwaltschaft sind in Fassbinders Hansestadt gerade stark gefordert, sie ermitteln in einem weiteren Fall von schwerer Kriminalität: Der Fund einer zerstückelten Leiche in Greifswald und die Festnahmen von zwei mutmaßlichen Tätern sorgten nicht nur in der Stadt für Entsetzen. 

+++ Update - 24.10.2023 - 18:00 Uhr +++

Pflegedienst verurteilt Drohungen

Mit Entsetzen habe der Pflegedienst "Heinrich & Heinrich" auf die Nachricht über den persönlichen Angriff auf den WVG-Chef reagiert. Der Vorfall sei erschreckend und die polizeilichen Ermittlungen werden sicher zur Aufklärung beitragen, so das Pflegeunternehmen auf Nordkurier-Anfrage.

Die Diskussionen rund um Verträge und Partnerschaft mit der WVG "gehören in der Demokratie dazu." Man habe als Unternehmen die eigenen Ansichten zum Ausdruck gebracht und sich an die politisch zuständigen Gremien und die WVG selbst gewandt. "Wir distanzieren uns ausdrücklich von jeglicher Gewalt und verurteilen ein solches Vorgehen aufs Schärfste", betonte der Greifswalder Pflegedienst am Dienstag.

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