StartseiteRegionalMecklenburg-Vorpommern▶ Wolf als Überträger von Tierseuchen – kann das sein?

Vogelgrippe, ASP und Co.

▶ Wolf als Überträger von Tierseuchen – kann das sein?

Prora / Lesedauer: 3 min

Erst kam der Wolf, dann brach auf der Insel Rügen die Vogelgrippe aus. Kann der Wolf Tierseuchen einschleppen? Dies spricht dafür – und dagegen.
Veröffentlicht:16.01.2024, 05:00

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Der Wolf treibt sich wohl auch Rügen umher. Nun grassiert dort die Vogelgrippe. Und so kommen mit dem Wolf auch immer neue Fragen auf. Eine davon: Verschleppt oder übertragt der Wolf etwa die Tierseuchen im Land? Denn auf der Insel Rügen gab es im September laut Landwirtschaftsministerium eine erste bestätigte Wolfs-Sichtung. Im Nationalpark Jasmund konnte „durch das Monitoring zum ersten Mal ein Rüde genetisch nachgewiesen werden“, so das Ministerium.

Dann brach die Vogelgrippe aus

Der September-Wolf soll sich danach zwar von der Insel verzogen haben und Richtung Niedersachsen gewandert sein. Aber Aufnahmen einer Wärmebildkamera gaben zudem den Hinweis auf eine Wölfin auf Rügen.

Im November sorgte dann ein Video für Aufsehen, in dem ein Wolf im Raum Prora zu sehen war. Das Tier rannte während einer Drückjagd durch den verschneiten Wald. Dies „bestätigt die Anwesenheit zumindest eines Wolfes auf Rügen“, schrieb das Ministerium im Dezember dem Nordkurier danach.

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Anfang Januar brach dann die Vogelgrippe auf der Insel aus. Mehr als 30.000 Hennen auf der Insel mussten getötet werden. Die Vogelgrippe hatte sich in einer Legehennenhaltung und in einer Kleinsttierhaltung in Stralsund breitgemacht.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Thomas Diener, der sich dem Thema Wolf verschrieben hat und auch im Wolfs-Kostüm durch den Landtag gewandelt ist, hat nun in einer kleinen Anfrage das Backhaus-Ministerium gefragt: „Inwieweit gibt es neue Erkenntnisse darüber, dass die Geflügelpest, ASP oder die 'Wild-Rinderseuche' durch Wölfe übertragen wurden?“ ASP ist die Abkürzung für Afrikanische Schweinepest. 

Verschleppung nicht ausgeschlossen

Das Ministerium antwortet zur Geflügelpest, dass es laut Friedrich-Loeffler-Institut „weltweit einige Berichte über Infektionen bei Säugetieren“ gebe. In einem Übersichtsbericht der Europäischen Kommission sei über den Nachweis bei 24 Arten von Fleischfressern berichtet worden. „Wölfe wurden in diesem Kontext jeweils nicht genannt“, heißt es weiter.

Allerdings betont das Ministerium auch: „Eine Verschleppung von infizierter, gerissener Beute, Beuteteilen oder Aas durch verschiedene Tierarten kann nicht ausgeschlossen werden.“

Während einer Drückjagd bei Prora wurde der Wolf aufgenommen.
Während einer Drückjagd bei Prora wurde der Wolf aufgenommen. (Foto: Parkhotel Rügen, NK-Screenshot)

Die ASP könne laut Ministerium nicht auf den Wolf übertragen werden, aber auch hier sei eine Verschleppung nicht ausgeschlossen. Bei der Wild- und Rinderseuche deute nichts darauf hin, dass Wölfe hierbei ein besonderes Gefährdungspotenzial darstellen.

Zehn tote Wöfe

Laut der Antwort des Ministeriums werden tote Wölfe aus Mecklenburg-Vorpommern zum Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin verbracht. Von Mai 2022 bis Ende April 2023 hätte dies zehn Tiere betroffen. Diener wirft auch die Frage auf, ob die Wölfe auf Erreger wie Geflügelpest, ASP oder „Wild-Rinderseuche“ untersucht worden sein. Das Ministerium erklärte dazu, dass es keine rechtliche Vorgabe dafür gebe.

Gegenüber dem Nordkurier erklärt der CDU-Politiker, selbst Landwirt und Diplom-Agraringenieur, seine Anfrage: „Tierseuchen bergen für landwirtschaftliche Betriebe ein gewaltiges wirtschaftliches Risiko. Um die Ausbreitung von Seuchen einzudämmen, muss schnell und vor allem beherzt gehandelt werden.“ Allein in 2023 hatte die Vogelgrippe für Millionen-Ausgaben in MV gesorgt.

Thomas Diener
Thomas Diener (Foto: CDU)

Unglückliche Kommunikation

Der Politiker aus dem Landkreis Mecklenburgische Seenplatte kritisiert dabei auch das Landwirtschaftsministerium. Es kommuniziere „von sich aus mitunter etwas unglücklich, Kleine Anfragen sorgen deshalb für die nötige Transparenz.“ Den Abgeordneten besorge, „dass durch die Ausbreitung des Wolfes auch die Ausbreitung von Tierseuchen begünstigt werden könnte - wissenschaftlich wird das Thema gerade kontrovers diskutiert“.

Noch mindestens bis 5. Februar beschäftigt der aktuelle Vogelgrippe-Fall den Landkreis Vorpommern-Rügen. Wenn bis dahin keine neuen Fälle der Tierseuche auftauchen, sollen die Regeln fallen. Auf Nachfrage erklärte das Landratsamt, dass bisher keine weiteren Fälle hinzugekommen seien.

Und in der Seenplatte soll sich der Wolf wieder herumtreiben. Ein Video aus der Nähe von Wesenberg sorgte am Montag dort für Aufsehen.