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Corona-Pandemie

Viele Corona-Infektionen an Schulen bei niedriger Impfquote

Schwerin / Lesedauer: 4 min

Laut Ärzteverband kann es auch bei Jugendlichen zu schweren Krankeheitsverläufen nach einer Corona-Infektion kommen.
Veröffentlicht:05.11.2021, 19:16
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Unter den Schülerinnen und Schülern im Nordosten gibt es ein Missverhältnis zwischen hohen Corona-Inzidenzzahlen und einer niedrigen Impfquote. Laut dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGuS) liegen die landesweiten Sieben-Tage-Inzidenzen in den Altersgruppen 5-9 Jahre, 10-14 Jahre und 15-19 Jahre zwischen 200 und rund 350. Das LAGuS weist dabei darauf hin, „dass aus dem Landkreis Ludwigslust-Parchim die Daten derzeit nicht auf dem elektronischen Meldeweg an das LAGuS übermittelt werden können”.

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Blickt man auf die landesweite Impfquote unter den 12-17-Jährigen, so liegt diese nur bei etwa einem Drittel – für Jüngere ist ohnehin noch kein Impfstoff zugelassen.

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Aus Sicht des Landesverbands der Kinder und Jugendärzte liegt die niedrige Impfquote unter Jugendlichen in MV weder daran, dass von den Ärzten zu wenig geimpft werde, noch an einem Mangel an Impfstoff. Es seien vielmehr die lange Zeit niedrigen Infektionszahlen im Nordosten, die Eltern und Jugendliche jetzt abwarten lassen, sagte Steffen Büchner, Pressesprecher und selbst Arzt.

Doch die Vorteile der Impfung gegenüber der Erkrankung überwiegen aus seiner Sicht – und der der Ständigen Impfkommission (Stiko) – auch bei Jugendlichen. Auch in dieser Altersgruppe habe er bereits schwere Verläufe erlebt.

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Büchner wies darauf hin, dass es bei einer neuerlichen Mutation des Virus nicht dabei bleiben muss, das Kinder- und Jugendliche in der Mehrheit mildere Verläufe erleben. Daneben macht dem Mediziner auch die aktuelle Häufung an anderen Viruserkrankungen sorgen, die die Atemwege betreffenden.

Es sei ungewiss, wie ein bereits durch ein anderes Virus geschwächtes Immunsystem auf eine Corona-Infektion reagieren werde. Vor dem Hintergrund der aktuell bundesweit steigenden Fallzahlen unter Kindern- und Jugendlichen appellierte er daher an Eltern und Jugendliche, das Impfangebot zu nutzen.

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Wegen der hohen Inzidenzen unter Schülerinnen und Schülern wieder in den Distanzunterricht zurückkehren zu müssen, wäre aus Sicht des Vorsitzenden des Landeselternrats MV, Kay Czerwinski, „eine absolute Katastrophe”. Die bereits entstandenen Lernlücken würden Eltern und Kinder noch Monate begleiten. Er bezog sich hierbei auch auf die sozialen Fähigkeiten besonders der jüngeren Schülerinnen und Schüler.

Aus seiner Sicht sind die Jugendlichen nicht für die aktuelle Infektionslage verantwortlich – sie dürften daher auch nicht hierfür in Haft genommen werden. Czerwinski verwies hierbei auch auf LAGuS-Angaben, wonach es kein oder nur ein geringes Infektionsgeschehen an den Schulen gebe. Die dortigen Zahlen stützen die Aussage: Zwar gibt es Infektionen an Schulen, sowohl bei Lehrern als auch Schülern, jedoch hält sich die Zahl der daraus entstandenen Folgefälle aktuell in Grenzen.

Was die niedrige Impfquote betrifft, richtete Elternvertreter Czerwinski seine Kritik vor allem an die Politik: Es sei kontraproduktiv gewesen, die Ständige Impfkommission (Stiko) bei der Empfehlung der Impfung für Jugendliche unter Druck zu setzten. Für die Eltern sei am Ende nicht mehr klar gewesen, ob die Empfehlung nun aufgrund von wissenschaftlicher Expertise oder wegen des politischen Drucks erfolgt sei.

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Unterstützung bekommen die Eltern dabei auch von den Schülerinnen und Schülern: Aus Sicht des Landesschülerrates MV haben die „vergangenen 20 Monate gezeigt, dass die digitalen Strukturen für einen effektiven Distanzunterricht immer noch fehlen”. Die Schülervertreter wollen die Schulen daher ebenfalls offen halten, um den bestmöglichen Lernerfolg zu ermöglichen. Damit eine Schließung der Schulen in jedem Fall verhindert werden kann, müsse die Politik auch für andere Bereiche strengere Maßnahmen durchsetzen.

Das Bildungsministerium steht derweil – trotz der aktuellen Entwicklung – zu den Kabinettsbeschlüssen aus dem Juli 2021: Ziel sei es, weiterhin präventive Schulschließungen auch bei steigenden Infektionszahlen zu verhindern. Stattdessen sei es Aufgabe der zuständigen Gesundheitsämter, entsprechend der Corona-Lage Schutzmaßnahmen einzuleiten. Um die Impfquote in der Altersgruppe zu steigern, gab und gebe es zudem Impfaktionen durch mobile Impfteams an Schulen, hieß es von einem Sprecher.