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Fachkräftemangel

Vietnamesen kommen als Gastro-Azubis nach Usedom

Zempin / Lesedauer: 2 min

Die Klagen über den Fachkräftemangel in der Hotel- und Gastro-Branche wachsen. Auf Usedom sollen es jetzt Arbeitskräfte aus Vietnam richten.
Veröffentlicht:01.03.2018, 14:29
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Weil sich immer weniger deutsche Schulabgänger für eine Ausbildung im Hotel- und Gastronomiebereich entscheiden, werden auf der Insel Usedom in diesem Jahr erstmals 20 junge Vietnamesen eine Ausbildung beginnen. Dies sei einer von mehreren Bausteinen, um die Lücke zu den vorhandenen Ausbildungsplätzen zu schließen, sagte der Vorsitzende des Dehoga-Regionalverbandes, Krister Hennige, am Donnerstag in Zempin.

Wurden in Vorpommern-Greifswald und der Mecklenburgischen Seenplatte im Jahr 2006 noch 828 Ausbildungsverträge in der Hotel- und Gastro-Branche abgeschlossen, waren es 2016 nur noch 195. Die Fachkräftesituation sei problematisch, sagte der Hauptgeschäftsführer der IHK Neubrandenburg, Torsten Haasch. Einige Unternehmen – vor allem in ländlichen Regionen – seien deshalb in ihrer Existenz bedroht. Andere Unternehmen würden Öffnungszeiten und das Leistungspaket reduzieren.

Die Vineta Hotels GmbH mit Hotels in Zinnowitz und Zempin zahle seinen Auszubildenden inzwischen eine übertarifliche Vergütung. Dazu kämen weitere Vergünstigungen wie eine Jahreskarte für die Usedomer Bäderbahn oder freie Mahlzeiten. Dennoch konnte für 2018 bislang nur ein Bewerber auf neun Ausbildungsplätze gefunden werden, wie Hotelchef Hennige sagte.

Überhang an Arbeitssuchenden im Gastrobereich

„Deutschland braucht internationale Fachkräfte”, sagte IHK-Chef Haasch. Nicht nur die Tourismusbranche habe Probleme, den Fachkräftebedarf zu decken. Haaschs Forderung: Ein von der künftigen CDU/SPD geplantes Fachkräfteeinwanderungsgesetz dürfe sich nicht nur auf Hochqualifizierte beschränken. Zudem müsse ein solches Gesetz den administrativen Prozess schlanker, transparenter und effizienter machen, sagte er.

Die Klage über fehlende Fachkräfte klingt paradox, denn landesweit gibt es einen Überhang an Arbeitssuchenden in der Branche. Nach Angaben der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit sind im Hotel- und Gaststättengewerbe derzeit etwa 3800 Fachkräfte arbeitslos gemeldet. Ihnen stehen etwa 1500 freie Stellen gegenüber. „Unabhängig von der objektiven Zahlenlage stellen wir fest, dass eine fachgerechte Besetzung der gemeldeten Stellen schwierig ist”, sagte Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur

Nicht immer passt die Qualifikation

Nicht immer passe die Qualifikation oder es fehle an Mobilität. Ihr Tipp: Arbeitgeber sollten verstärkt Jugendliche, Quereinsteiger, Berufsrückkehrer und Flüchtlinge in den Blick nehmen sowie innovative Arbeitszeitkonzepte, Personalentwicklungsangebote und differenzierte Bonussysteme entwickeln.

Die jungen Vietnamesen, die mit Unterstützung von IHK und Arbeitsagentur auf die Insel Usedom kommen, werden derzeit in ihrer Heimat von einer Vermittlungsagentur ausgewählt, wie dehoga-Regionalchef Hennige sagte. Sie würden im Juni auf der Insel erwartet und sollen im Herbst ihre duale Ausbildung in sechs Hotels auf der Insel beginnen.