StartseiteRegionalMecklenburg-VorpommernWerftenpleite in MV kostet dreistelligen Millionenbetrag

Insolvenz

Werftenpleite in MV kostet dreistelligen Millionenbetrag

Schwerin / Lesedauer: 2 min

Die Pleite der MV Werften liegt elf Monate zurück – immer noch machen wilde Spekulationen über die Höhe des verlorenen Steuergeldes die Runde. Der Wirtschaftsminister schafft ein wenig Klarheit.
Veröffentlicht:21.11.2022, 06:00

Artikel teilen:

Simone Oldenburg, seit Jahren führende Politikerin der Linken, hatte das Dauer-Dilemma der Werften in Mecklenburg-Vorpommern einmal ketzerisch so beschrieben: „Die Werften retten wir seit 30 Jahren.” Auch diesmal hatte die Landesregierung – zunächst unter der Regie von Rot-Schwarz später dann unter Rot-Rot – versucht, mit hohen dreistelligen Millionenbeträgen die MV Werften mit den Standorten Wismar, Rostock und Stralsund irgendwie ans rettende Ufer zu schleppen. Am Ende aber vergebens – das Unternehmen unter Führung des asiatischen Genting-Konzerns meldete Anfang Januar diesen Jahres Insolvenz an.

Mittlerweile ist fast ein Jahr ins Land gegangen – die Fragen nach womöglich verbranntem Geld, das die MV-Regierung in das Unternehmen gepumpt hatte, um das vermeintlich Schlimmste zu vermeiden, werden drängender. Beispielsweise vom Bund der Steuerzahler Mecklenburg-Vorpommern. „Wir haben frühzeitig vor der hohen Kreditvergabe, den Bürgschaften und den Maßnahmen aus dem MV-Schutzfonds zur Werftenrettung gewarnt und die mangelnde Transparenz kritisiert”, sagte die stellvertretende Landesvorsitzende Diana Behr.

Nach dem Motto „Koste es, was es wolle”, sei sehr viel Steuergeld eingesetzt worden. Risiko und Wirtschaftlichkeit spielten offenbar keine Rolle. Auch jetzt beim Verkauf der Global Dream an die Reederei von Disney werde wieder vertuscht und nicht darüber gesprochen, auf welchen Kosten das Land letztlich sitzen bleibe.

Stillschweigen über Verkaufspreis

Nun, das betonte MV-Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD), am Sonntag im Gespräch mit dem Nordkurier, mit dem Insolvenzverwalter sei über den Verkaufspreis der Global One Stillschweigen vereinbart worden – und das sollte man respektieren. Aber, und das stellte der SPD-Politiker für die Landesregierung erstmals in dieser Deutlichkeit klar: „Das Worst-Case-Szenario wären 301 Millionen Euro, die beim Land hängenbleiben würden.” Dies also wäre jener Fall, der das Land am meisten finanziell schädigen würde.

Meyer betonte aber, dass er von diesen 301 Millionen Euro nicht ausgehe. Der Wirtschaftsminister rechnet eher mit einem „nennenswerten dreistelligen Millionenbetrag”, der unter den 301 Millionen Euro liegen würde. So oder so: Viel Geld, das beim Rettungsversuch der MV Werften auf Kosten der Steuerzahler verloren gegangen ist.

Die endgültigen Summen dürften im übrigen erst nach Abschluss des kompletten Insolvenzverfahren feststehen. Nach Einschätzung Meyers könnte das Verfahren Jahre dauern – schließlich geht es nicht nur um den Verkauf der Global One, sondern auch um die Abwicklung des gesamten Werftkonzerns mit all seinen Verflechtungen.