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Energiekrise

Wirtschaft in MV befürchtet extremen Wohlstandsverlust

Schwerin / Lesedauer: 2 min

Angesichts der explodierenden Energiepreise stehen viele Unternehmen in MV vor dem Aus. Deshalb fordern Industrie- und Handelskammern von der Politik einen verlässlichen Krisenplan.
Veröffentlicht:12.09.2022, 12:31

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Die Industrie- und Handelskammern in MV sehen die aktuellen Entwicklungen mit großer Sorge. „Eine Vielzahl an zusätzlichen Belastungen treiben viele Unternehmen in eine unverschuldete und existenzbedrohende Situation. Neben der Energiekrise, dem Fachkräftemangel, Lieferengpässen, der Anhebung des Mindestlohns und damit der Neuordnung des gesamten Lohngefüges und einem zusätzlichen Feiertag in MV wirken gut zwei Jahre der Pandemie und der damit einhergehenden tiefen Einschnitte auf die Wirtschaft”, hieß es am Montag in einer gemeinsamen Pressekonferenz der Industrie- und Handelskammern Rostock, Schwerin und Neubrandenburg.

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Energie sei der Treibstoff, ohne den die Wirtschaft nicht laufen könne. Gerade deshalb seien die stark gestiegenen Energiepreise eine existenzbedrohende Belastung für immer mehr Betriebe. Geschäftsaufgaben im Bereich Handel und Dienstleistungen wegen unbezahlbarer Energiepreise seien bereits bittere Realität.

Schon jetzt betrage der Verlust an Wertschöpfung allein in der Industrie unmittelbar rund 20 Milliarden Euro, so die Kammern. „Jeden Monat, in dem die Preise hoch bleiben, werden mehr Betriebe schließen. Wohlstandsverluste in bislang unvorstellbarem Ausmaß wären die Konsequenz.”

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Scharfe Kritik äußern die IHKs am dritten Entlastungspaket der Bundesregierung. Dieses Paket gehe mit Wucht an der Wirtschaft vorbei. Die Bundesregierung verkenne die Rolle der Unternehmen, bei denen die dringend benötigte Wertschöpfung stattfände, die unser aller Einkommen sichere.

Die rund 85.000 Mitgliedsunternehmen der drei Industrie- und Handelskammern in MV mit ihren etwa 500.000 Mitarbeitenden seien eine der tragenden Säulen des Wohlstandes in unserem Land. „Gegenwärtig befinden wir uns alle in einer existenziell bedrohlichen Krise”, betonten die Wirtschaftsvertreter.

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Vor diesem Hintergrund haben die Industrie- und Handelskammern in Mecklenburg-Vorpommern ein Forderungspapier verabschiedet. Hier die acht Forderungen im Einzelnen:

1. Aktivierung und Nutzung sämtlicher Fazilitäten zur Energieerzeugung und -versorgung

2. Tragfähige Deckelung der Energiepreise auf deutscher/europäischer Ebene (inklusive Strom- und Energiesteuersenkung)

3. Entlastung der Unternehmen/Konsumenten/Arbeitnehmer durch generelle Steuer- und Abgabensenkung sowie Senkung der Lohnnebenkosten

4. Entkoppelung des Strompreises vom Gaspreis

5. Stärkung des Wettbewerbs in der Energiewirtschaft – beispielsweise durch stringente Umsetzung des Kartellrechts

6. Ergreifung aller erforderlichen Maßnahmen zur Verhinderung einer Abschaltung der Energieversorgung

7. Gezielte Entschädigung für Unternehmen (KMU-Schutzschirm, KUG, Überbrückungshilfen)

8. Unverzügliche Erstellung eines verlässlichen und transparenten Krisenplans für alle Wirtschaftsbereiche in MV angesichts der sich dramatisch verschärfenden Energiekrise