StartseiteRegionalMecklenburg-VorpommernWochenlang kein Regen – Trockenheits-Rekorde in MV gebrochen

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Wochenlang kein Regen – Trockenheits-Rekorde in MV gebrochen

Neubrandenburg / Lesedauer: 3 min

Als Mitte Juni endlich wieder Regen fiel, hatte es vielerorts im Nordosten wochenlang nicht geregnet. Mancherorts wurden gar historische Rekorde gebrochen.
Veröffentlicht:23.06.2023, 06:02

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Die jüngste Dürreperiode im Mai und Juni hat nicht nur Rasenflächen im gesamten Land gelb gefärbt und Landwirte um ihre diesjährige Ernte bangen lassen. Auch einige meteorologische Rekorde sind gebrochen worden, auch wenn sich das positiver anhört, als es das für die meisten Menschen letztendlich ist.

39 Tage lang überhaupt nicht geregnet

Am 14. Juni waren in vielen Orten in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg die ersten Regentropfen seit langer Zeit gefallen. Zuvor hatte es im Nordosten das letzte Mal am 23. Mai geregnet, mancherorts nennenswert sogar seit dem 6. Mai (Rostock, Schwerin) oder gar dem 28. April (Feldberger Seenlandschaft) nicht mehr. Das haben Recherchen des des privaten Wetterportals „MV-Wetter“ ergeben. In Rostock seien bis Mitte Juni im Sommerhalbjahr, also seit 1. April, nur etwa knapp 37 Liter pro Quadratmeter Regen gefallen – normal nach dem Klimamittel wären rund 115 Liter.

Legt man einen strengen Maßstab an (gar kein Niederschlag), gab es in den meisten Regionen in MV demnach 22 Tage in Folge keinen Regen. Im kleinen Örtchen Bernitt im Landkreis Rostock waren es sogar 39 Tage: Dort existiert eine Messreihe seit 1888, der bisherige Rekord von 37 Tagen aus dem Jahr 1943 sei damit überboten worden. In Schwinkendorf bei Teterow sowie in Kratzeburg bei Neustrelitz blieb es vom 16. Mai bis 14. Juni trocken, das sind jeweils 30 Tage.

Noch deutlicher wird das Szenario, wenn Niederschläge bis 1 Liter pro Quadratmeter und Tag nicht gezählt werden. Hintergrund ist laut MV-Wetter, dass ein kurzer Schauer oder etwas Sprühregen mit geringen Niederschlagsmengen „quasi keinen Effekt für Erdboden und Wasserhaushalt haben und somit kaum etwas gegen sich einstellende oder bestehende Trockenheit bewirken, da das Wasser überhaupt nicht relevant in den Boden eindringt.“ Dafür seien ergiebigere und vor allem länger anhaltende Niederschläge notwendig.

Hier hat es im Frühjahr und Frühsommer in der Region um Feldberg am längsten nicht nennenswert geregnet. Seit dem 29. April — und damit 47 Tage — habe man dort auf einen ordentlichen Regenguss warten müssen. Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1899 dauerte dort die bislang längste Trockenperiode 44 Tage, vom 24. März bis 6. Mai 2007. Auch in den größeren Städten wie Rostock und Schwerin sei die Serie auf 39 beziehungsweise 40 Tage angewachsen.

Vielerorts seien die Dürre–Rekorde allerdings nicht gebrochen worden. So habe es zum Beispiel 1992 von etwa Mitte Mai bis Ende Juni in weiten Teilen Nordvorpommerns bis zu 49 Tage komplett ohne messbaren Regen gegeben. In Ostvorpommern regnete es zwei Jahre später längere Zeit gar nicht, in Anklam beispielsweise 42 Tage lang vom 30. Juni bis 10. August 1994. Deutlich länger her sind die Rekordwerte im Süden und Südwesten Mecklenburgs, wo es laut MV–Wetter 1920 im Oktober und November für 44 Tage gar nicht regnete. Lege man das Kriterium  „kein Regen über 1 Liter pro Tag und Quadratmeter“ an, sei die Spätsommer– und Herbst–Trockenheit im Jahr 1959 mit einer Länge von bis zu 53 Tagen erwähnenswert.

Der meteorologische Hintergrund der langen Trockenheitsphase: Hochdruckgebiete über dem Nordatlantik, Skandinavien und dem Baltikum. Ein kleines Höhentief aus Osteuropa habe schließlich Abhilfe geschaffen: Es führte zum 14. und 15. Juni schauerartige Regenfälle über die Ostsee nach Mecklenburg–Vorpommern und die Uckermark.  

Für die Erstellung seiner Extremwertkarten und Rekordlisten prüft MV–Wetter alle Datenreihen aller Stationen des Deutschen Wetterdienstes und seiner Vorgängerorganisationen. Die Daten werden für das Gebiet des heutigen Mecklenburg–Vorpommern ausgewertet und alle Rekordwerte auf Plausibilität geprüft.