StartseiteRegionalMecklenburgische Schweiz▶ Arztpraxen erhalten nicht ausreichend Impfstoff

Covid-19

▶ Arztpraxen erhalten nicht ausreichend Impfstoff

Malchin / Lesedauer: 3 min

Zuweilen stehen die Menschen vor Impfzentren in der Kälte Schlange. Hier ist ausreichend Impfstoff da. Haus- und Fachärzte indes werden mit immer weniger Impfstoff beliefert.
Veröffentlicht:30.12.2021, 09:20

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Impfen, impfen, impfen. So tönt es jeden Tag aus der Politik. Anders wäre das Corona-Virus nicht zu stoppen. Haus- und Fachärzte sind offiziell dazu angehalten, bei dieser Kampagne mitzumachen. Doch Mediziner in Malchin fühlen sich langsam veralbert. „Wir bekommen immer weniger Impfstoff“, sagt Dr. Dirk Steinbrink und spricht da auch für andere Kollegen in der Stadt. Seit April setzt der Malchiner Orthopäde in seiner Praxis den Piks gegen Covid-19. Das werde sehr gut angenommen. Nur kommt er jetzt immer häufiger in die missliche Lage, dass er Impfwillige vertrösten muss. Von zuletzt sechs bestellten Fläschchen mit Impfstoff habe er nur eine bekommen. Statt 36 Menschen kann er nun nur sechs impfen, muss Patienten anrufen und ihre Termine verschieben. Das frustriere.

Keine Zeit für Zusammenarbeit mit Kreis

Mit einem Vorlauf von 14 Tagen ordere er bei der Apotheke seine Impfdosen. Doch wisse er nie, wie viel er davon erhält. „Politiker reden davon, dass auch Tierärzte und Apotheker jetzt impfen sollen, schaffen es aber nicht mal, dass die Haus- und Fachärzte ausreichend mit Impfstoff beliefert werden“, meint Steinbrink. Auf der anderen Seite seien bei den Impfzentren des Landkreises, wie in der Petersilienstraße, die Kühlschränke voll, hier müssen die Menschen stundenlang Schlange stehen bei dieser Kälte. „Was für ein Schwachsinn.“ Irgendetwas laufe bei der Verteilung gehörig schief.

Beim Impfen auch mit dem Kreis zusammenzuarbeiten, sei für ihn keine Option. Das könnten nur Ärzte, die Zeit haben und sich im Ruhestand bereiterklären, denn der Kreis gebe die Zeiten vor. Anfang des Jahres habe er das an den Wochenenden mal getan und in Altenheimen zum Beispiel gepikst. „Aber das ständig zu machen, geht nicht.“ Dann müsste er als einziger Orthopäde in Malchin seine Praxis zuschließen. Er bestelle nur die Menge an Impfstoff, wie er Termine an die Patienten vergeben kann. Auch die Apotheker wissen, dass nur die Impfzentren ausreichend mit Impfstoff beliefert werden. Für Praxen seien hingegen die Kontingente heruntergekürzt worden. Das sei nicht nachvollziehbar. Das Problem hätten alle Apotheken, sagt Jenny Peters von der Malchiner Schwanen-Apotheke. Sie würden nach Bedarf so viel Impfstoff wie möglich beim Großhandel bestellen, hauptsächlich Biontech und Moderna. Manchmal komme nicht mal die Hälfte an.

Keinen Einfluss auf die Lieferungen

Mit acht bis zehn Ärzten in Malchin arbeite die Schwanen-Apotheke zusammen. Wenn nächste Woche von 45 bestellten Fläschchen nur fünf kommen, könnten sie nicht mal jede Arztpraxis beliefern. Einfluss hätten sie darauf nicht. „Wir können nichts dafür“, beteuert Peters. Das bestätigt auch ihre Pharmazie-Kollegin Ines Behnke in der Neuen Apotheke. Selten bekämen sie die Menge, die die Ärzte haben wollen, sagt sie. Das sei ein allgemeines Problem. Warum das so sei, wisse sie nicht. Eine Antwort hat vielleicht das Gesundheitsministerium Mecklenburg-Vorpommern. „Ein Problem fehlender Impfstoffe bei den Ärzten könnte sein, dass diese nur Biontech bestellt haben und verwenden wollen. Da es zu wenig Biontech gibt, kommt es zu diesen Engpässen“, erklärte Jan Farclas, Persönlicher Referent von Gesundheitsministerin Stefanie Drese (SPD). Die Ressortchefin bitte daher dringend darum, dass auch Hausärzte Moderna verwenden.

Zudem stellte Farclas klar, dass bei der Verteilung der Impfstoffe keine Unterschiede gemacht werden. „Ärzte und Impfstützpunkte bestellen und werden über den Apotheken-Großhandel beliefert.“ Dabei würden Ärzte vom Land bei Biontech sogar bevorteilt, weil Ministerin Drese im November angeordnet habe, den knappen Biontech-Impfstoff an die niedergelassenen Ärzte zu geben und nur geringe Mengen für U 30 an die Impfstützpunkte. Biontech-Delle habe der Bund zu verantworten, dies habe im November noch der ehemalige Bundesgesundheitsminister kurzfristig den Ländern mitgeteilt.