Forschungsprojekt

Bodenradar und Drohnen sollen Geschichte von Gutshäusern offenlegen

Prebberede / Lesedauer: 3 min

Wie das Areal um das Herrenhaus in Prebberede einst ausgesehen hat, ist heute fast nicht mehr bekannt. Ein Forschungsprojekt soll das ändern.
Veröffentlicht:15.12.2022, 07:56
Aktualisiert:

Von:
  • Author ImageNadine Schuldt
Artikel teilen:

Im Herrenhaus Prebberede geht es momentan alles andere als ruhig zu. Das herrschaftliche Gebäude ist eines von fünf Forschungsobjekten aus Mecklenburg-Vorpommern, die Bestandteil des „Herrenhauszentrums des Ostseeraumes“ der Uni Greifswald sind. Dahinter verbirgt sich ein Projekt, das sich mit der Erforschung nachmittelalterlicher Herrenhäuser im Ostseeraum beschäftigt.

Lesen Sie auch:  Gutshaus wird zu Schnäppchen-Preis angeboten

Starker Austausch im Ostseeraum

Aktuell konzentrieren sich die Forschungen auf 20 ausgewählte Objekte aus dem 18. Jahrhundert. Kein Wunder, gilt dieser Zeitraum doch als Blütezeit der Herrenhäuser und Gutsanlagen im Ostseeraum. Denn schon zu dieser Zeit herrschte nicht nur politisch und diplomatisch ein starker Austausch zwischen den Ostseeanrainern, sondern auch kulturell und wirtschaftlich. Das spiegelt sich auch im Aufbau von Herrenhäusern wieder.

Mehr lesen: Gutshaus-Guru will Bürgermeister in Rostock werden

Größte Vollblutgestüt in Mecklenburg

Und da fällt dem Besucher zunächst der große Wirtschaftshof ins Auge. Wie beim Gut Prebberede, das vom 14. Jahrhundert bis 1945 der Familie von Bassewitz gehörte, waren auch andere Herrenhäuser von großen Stallungen flankiert. Gegenüber dieses Wirtschaftshofes habe sich dann in Prebberede der Reithof mit den Marställen sowie der Reithalle befunden. „Vom 18. bis hinein ins 19. Jahrhundert hat es hier das größte Vollblutgestüt Mecklenburgs gegeben“, weiß Dr. Ulrike Gawlick aus historischen Quellen. Die Reithalle wurde jedoch nach 1945 abgerissen.

Kurios: Mittelpunkt von Mecklenburg-Vorpommern liegt unterm Mist

Barock-Garten verschwunden

Auch von dem Barock-Garten hinter dem herrschaftlichen Haus, der auf einem Plan von 1764 auftaucht, ist nichts mehr zu sehen. Stattdessen entstand dort ab 1810 ein englischer Landschaftspark.

Mit modernsten Mess-Methoden wie einem Bodenradar, das von Wissenschaftlern der Uni Wien betrieben wird, soll nun nach den alten Garten-Strukturen geforscht werden. Darüber hinaus soll mit einem Drohnenflug die einstige siedlungsplanerische Situation dargestellt werden. „Sie ist dann unter anderem vergleichbar mit Anlagen in Skandinavien und dem Baltikum, aber auch mit dem Haus Plüschow oder der Anlage Pronstorf in Schleswig-Holstein“, erklärt Gawlick.

Rokokosaal als Glanzstück

Nicht nur das Gelände, auch das Herrenhaus wird bei dem Projekt unter die Lupe genommen. Waren im Erdgeschoss unter anderem die Küche und im Dachgeschoss die Kammern für das Personal vorhanden, war das erste Obergeschoss der Wohnbereich der Familie von Bassewitz. Herzstück dieses Bereiches ist der mit viel Liebe zum Detail gestaltete Rokokosaal. In dem Saal werden zudem die kulturell-architektonischen Einflüsse der damaligen Zeit deutlich, so Gawlick. So seien laut historischer Quellen an den Wänden Instrumente aus der Barockzeit einigen südeuropäischen Originalen nachempfunden.

Moderne Technik für 3-D- Modell

Mit einem speziellen Scan-Gerät sollen dieser sowie weitere ausgewählte Räume untersucht werden. Nach den Untersuchungen soll dann sowohl vom Innenraum als auch vom Außengelände ein 3-D-Modell erstellt werden. Angestrebt sei, dass ein Webportal entsteht, das von Wissenschaftlern und ganz normalen Interessenten genutzt werden könne. „Auf diesem Webportal können die Porträts der 20 Häuser nachgelesen und verglichen werden“, erklärt sie.