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Versteigerung

Darum kommt Kino-Gebäude in Malchin unter den Hammer

Malchin / Lesedauer: 3 min

Der Eigentümer wollte den Filmbetrieb eigentlich wieder aufnehmen. Doch nun ist auch das Bistro geschlossen und die alte „Filmbühne“ soll versteigert werden. Was ist passiert?
Veröffentlicht:03.11.2023, 05:53

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Vor dem Eingang sind noch einmal frische Herbstblumen gepflanzt. Hinter dem Glas der Tür preist eine Tafel in kaum noch lesbarer Schrift das Cordon bleu mit Pommes für acht Euro an. Deutlicher zu erkennen ist daneben das Schild „Geschlossen“. Das Bistro in der alten „Filmbühne“ hat schon seit Anfang Oktober keine Gäste mehr gesehen. Schon viel länger verwaist ist der Schaukasten am Nebeneingang, der zu den beiden Kinosälen führt.

Eigentümer kündigte Wiedereröffnung an

Nachdem Thomas Braasch vor drei Jahren das Gebäude erworben und sich von den Kinobetreibern getrennt hatte, hatte er immer wieder die Hoffnung geweckt, dass auf der Leinwand wieder Filme zu sehen sein werden. Zuletzt hatte der Eigentümer des Gebäudes im April die Wiedereröffnung des Kinos für den Herbst in Aussicht gestellt ‐ mit Vorführtechnik in Form von Hochleistungs-Laser-Beamer. 

Eigentümer Thomas Braasch vor dem Kino. Seine einstigen Pläne muss er nun ändern.
Eigentümer Thomas Braasch vor dem Kino. Seine einstigen Pläne muss er nun ändern. (Foto: Thomas Koch)

Doch nun die überraschende Wende: Malchins Kinogebäude wird versteigert – am 30. November in Rostock. Mindestgebot 468 000 Euro, wie die Norddeutsche Grundstücksauktion AG am Donnerstag mitteilte. Was ist passiert?

Krankheit bremst aus

„Mir bleibt nichts weiter übrig, als alles zu veräußern. Wir werden alle unsere Immobilien verkaufen“, erklärte Thomas Braasch gegenüber dem Nordkurier. Grund sei seine Krebserkrankung. „Es geht einfach nicht mehr. Da kann man nichts machen.“ Dabei habe er mit seinem „Kiek in“ – wie er seine Immobilie nannte ‐ schwarze Zahlen geschrieben. Tatsächlich war das Bistro im Erdgeschoss mit der Mittagsversorgung recht beliebt in Malchin.

Versteigert werde das Kinogebäude jetzt zu einem recht kleinen Preis, viel weniger als er hier hineingesteckt habe, sagt Braasch. Er sei sich sicher: Wenn er weiter gemacht hätte, wären alle seine Pläne auch aufgegangen. „Es wäre sehr schön, wenn sich jemand findet, der all das weiterführt. Ich habe nicht mehr die Kraft dafür“, sagt der 65-Jährige.

„Sofortige Inbetriebnahme möglich“

Im Auktionskatalog werden alle Sanierungsmaßnahmen aufgezählt, die Thomas Braasch in den vergangenen drei Jahren viel Geld gekostet haben. So hatte er die Kinositze erneuert, eine Bühne eingebaut und ein Clubkino in einem der Säle eingerichtet. Aus der ehemaligen Gaststube „Filmriss“ machte er eine Lounge, in der sich auch Vereine trafen. Im Erdgeschoss lud das Bistro mit zwei Küchen zum Mittagstisch ein. „Weitere Flächen sind für den Ausbau von Ferienwohnungen oder andere Vorhaben geeignet“, heißt es weiter in dem Katalog. Und: „Das neuwertige, komplette Inventar verbleibt im Objekt und ermöglicht die sofortige Inbetriebnahme.“

Prognostiziert werden jährliche Einnahmen von 180 000 Euro. Doch dafür müsste sich für Malchins ehemalige „Filmbühne“ nicht nur ein neuer Eigentümer, sondern für Gastronomie und Kino auch ein Betreiber finden. Ob sich auf das Abenteuer eines Kinobetriebes in einer Kleinstadt wie Malchin noch einmal jemand einlässt, dürfte allerdings eher fraglich sein.