StartseiteRegionalMecklenburgische SchweizEntsorgungsfirma entwickelt Verfahren für grünen Treibstoff

Klärschlammlverbrennung

Entsorgungsfirma entwickelt Verfahren für grünen Treibstoff

Stavenhagen / Lesedauer: 3 min

Im September geht die Klärschlamm–Verbrennung in Stavenhagen in den Probebetrieb. Doch die Firma EEW stellte jetzt seine visionären Pläne zu Umweltproblemen vor.
Veröffentlicht:24.08.2023, 18:01

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Eines wurde beim Besuch des Wirtschaftsministers bei EEW Energy from Waste am Donnerstag (24. August) in Stavenhagen deutlich: Genehmigungsverfahren dürfen nicht mehr so lange dauern, um innovative Projekte umsetzen zu können. Das Entsorgungsunternehmen will den Standort Stavenhagen (Mecklenburgische Seenplatte) weiterentwickeln und hoffte dafür auf Unterstützung von Minister Reinhard Meyer (SPD). Denn mit dem Bau der Klärschlamm–Verbrennungsanlage sollen zwei weitere Anlagen angeschlossen werden — eine für die Rückgewinnung von Phosphor, die andere für die Produktion von Methanol als Grundlage für grünen Treibstoff. Bei letzterer wären die Stavenhagener die ersten.

Kalte Inbetriebsetzung bereits begonnen

Im September soll die Klärschlamm–Verbrennung in den Probebetrieb gehen. Die so genannte kalte Inbetriebsetzung hat bereits begonnen. Am 13. des Monats werde der erste Klärschlamm angeliefert. Anfang nächsten Jahres geht die Anlage dann in den Regelbetrieb, sagte Morten Holpert, technischer Geschäftsführer von EEW. Die Abwärme soll ins Fernwärmenetz der Stadt eingespeist werden.

Geplant ist, aus der phosphorhaltigen Verbrennungsasche Phosphor für die Düngemittel–Herstellung zu recyceln. Zudem gibt es die Idee, aus biogenem Kohlendioxid und Wasserstoff Methanol als Treibstoff herzustellen. „Wir hätten dieses Gedankenspiel nie gemacht, wenn nicht die CO 2–Steuer gekommen wäre“, sagte Entwickler Matthias Elfers. Das CO 2, das in den Verbrennungsanlagen entsteht, sei zur Hälfte biogenen, zur anderen fossilen Ursprungs, wie Kunststoffschnipsel im Müll. 

Lieferung für Abfall–Lieferanten teurer

Ab 2024 müsse dafür eine Abgabe gezahlt werden, das bedeute, dass EEW mit 80 bis 90 Millionen Euro im Jahr zusätzlich belastet werde. Für die Abfall–Lieferanten werde die Abnahme damit teurer und am Ende müssten die Bürger für die Entsorgung des Hausmülls mehr bezahlen.

Wenn das Unternehmen die Kosten aus der CO 2–Steuer nicht auffangen könne, werde es zwölf Monate dauern, bis die Türen im Werk zugemacht werden müssten. Elfers spitzte das Szenario zu, um die Situation aufzuzeigen, welche Folgen nationale politische Entscheidungen haben.

Das bei der Verbrennung erzeugte CO 2 soll nun zu Methanol weiterverarbeitet werden. Hierfür werde Wasserstoff als Schlüsselkomponente verwendet, der aus erneuerbarem Strom aus Wind– und Solarparks in der Nähe von Stavenhagen gewonnen werden soll.

Zusammenarbeit mit der Stadt gelobt

Das Verfahren hat EEW entwickelt und will sich dieses patentieren lassen. „Es wäre die erste Anlage dieser Art“, so Elfers. Bis 2027 soll der Bau dieser Pilotanlage realisiert werden, wenn alles gut läuft. Dazu zählt auch, dass es mit der Erarbeitung des Bebauungsplan der Stadt für beide Anlagen vorangeht.

Wie Bürgermeister Stefan Guzu zusicherte, werde der B–Plan in der nächsten Stadtvertretersitzung am 14. September den Abgeordneten vorliegen. „Ich sehe EEW als Partner der Stadt“, sagte er. Auch Morten Holpert lobte die Zusammenarbeit. Der B–Plan sehe auch eine Bahnanbindung vor.

Minister Meyer würdigte die ehrgeizigen Pläne von EEW. „Es zeigt deutlich, wie innovative Ansätze nicht nur Umweltprobleme angehen, sondern auch neue Möglichkeiten für nachhaltige Wertschöpfung eröffnen können“, sagte er. Er sehe darin eine Chance, Mecklenburg–Vorpommern als Vorreiter für umweltfreundliche Technologien zu positionieren.