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Heimatabend

Wie in der Not Malchiner Geldscheine zu Kunstwerken wurden

Malchin / Lesedauer: 3 min

Das Malchiner Gymnasium trägt seinen Namen, seine Werke sind in vielen Museen und in Kirchen zu finden. Wer war der Maler Fritz Greve? Der Heimatverein hat nachgeforscht.
Veröffentlicht:13.02.2024, 12:12

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Um damit nur zu bezahlen, dafür waren diese Geldscheine offenbar viel zu schade. Noch heute ist das Malchiner Notgeld aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg bei Sammlern begehrt. Viele Scheine sind auch noch gut erhalten, weil sie wohl kaum im Umlauf waren. Malchins Papiergeld hatte einen Wert von jeweils 50 Pfennig, doch was darauf zu sehen ist, gilt bei einigen Kunstliebhabern als nahezu unbezahlbar: Zeichnungen des Malchiner Malers Fritz Greve, der die markantesten Gebäude seiner Heimatstadt auf dem Malchiner Bargeld verewigt hatte. "Es sind meiner Meinung nach die hübschesten Notgeldscheine in ganz Mecklenburg", sagt Torsten Gertz, der Vorsitzende des Malchiner Heimatvereins.

Er war auch Hochschullehrer

Das Steintor, gemalt von Fritz Greve, ziert einen der 50-Pfennig-Scheine.
Das Steintor, gemalt von Fritz Greve, ziert einen der 50-Pfennig-Scheine. (Foto: Repro: Torsten Gertz)

Fritz Greve - wer war dieser Mann, dessen Name seit 2006 das Malchiner Gymnasium trägt und mit dessen Schaffen sich der Verein "Freunde Fritz Greve" beschäftigt? Ein Heimatabend im Malchiner Museum war jetzt dem im Jahr 1863 in Malchin geborenen Maler und Hochschullehrer gewidmet. Torsten Gertz berichtete hier vor zahlreichen Zuhörern über das Leben und das Schaffen des bedeutendsten mecklenburgischen Kirchenmalers seiner Zeit, der viele Jahre in Berlin lebte und hier an der Königlichen Kunstschule tätig war.

Porträts, Stillleben, Landschaften und Fresken gemalt

Greve hatte ein Gespür für den Kunstgeschmack seiner Zeit. Neben seiner Lehrtätigkeit malte er Porträts, Stillleben, Landschaften, Altarbilder und Fresken. Gertz erinnerte an das monumentale Triumphbogen-Wandgemälde "Himmelfahrt Christi" in der Marienkirche in Waren, das 1963 überstrichen worden war und erst nach dem Jahr 2000 über einen Zeitraum von zehn Jahren restauriert wurde. Dazu beigetragen hatte ein Zufallsfund im ehemaligen Landhaus des Malers in Jettchenshof, wo bei Dacharbeiten im Jahr 2000 die Originalvorlagen auftauchten.

Schnitzereien bekamen neuen Glanz

Auch in der Malchiner Kirche hinterließ Greve Spuren, als er die Restaurierung des Flügelaltars übernahm. "Von seinem Vater kannte er manchen Trick, wie eine besondere Leuchtkraft der Farben erreicht wird", berichtete Torsten Gertz. Greve nahm an dem Altar kleine Ergänzungen und Ausbesserungen vor, durch ihn bekamen die Schnitzereien neuen Glanz. "Im Gesicht der Maria sieht man Greves Frau", so vermutet Torsten Gertz.

Fünf Greve-Bilder in Schwerin

Gesichter mit Leuten aus der Umgebung sind ebenfalls auf Greves Altarbild in der Kirche von Hohen Mistorf zu erkennen. "Die Bergpredigt in mecklenburgischer Landschaft" entstand im Jahr 1920.

Weitere Werke sind in der Kirche Sternberg und in verschiedenen Museen ausgestellt. Das Landesmuseum in Schwerin zeigt zum Beispiel fünf Greve-Bilder. Ungefähr 15 Werke befinden sich laut Torsten Gertz im Besitz der Stadt Malchin, fast alle davon werden im Museum in der Stadtmühle aufbewahrt, darunter auch das bekannte Eigenporträt.

Oft in Privatbesitz

Viele der Gemälde sind aber in Privatbesitz. Der Maler hatte seine Bilder verkauft, um damit seinen Lebensstandard zu halten. Und mit Gemälden seien zur damaligen Zeit auch häufig Rechnungen bezahlt worden.

Fritz Greve kam 1928 aus Berlin zurück in sein Landsitz Jettchenshof, gründete hier noch eine Malschule, bevor er 1931 verstarb. Eines seiner letzten großen Werke "Das Hünengrab" ist bis heute verschollen. Wahrscheinlich sei es in den Wirren zum Kriegsende 1945 abhanden gekommen, nimmt Torsten Gertz an.