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Beleuchtung

Ist Posse um Lampen von Scharpzow bald Geschichte?

Scharpzow / Lesedauer: 3 min

Eines muss man den untauglichen Solar-Funzeln lassen: Sie haben den kleinen Malchiner Ortsteil weit über die Region hinaus bekannt gemacht.
Veröffentlicht:06.12.2021, 05:41

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Es sind wieder dunkle Zeiten angebrochen im Malchiner Ortsteil Scharpzow. Schon früh geht das Tageslicht zur Neige – das mögen die kleinen Leuchtpunkte an der Scharpzower Dorfstraße ja nun ganz und gar nicht. Den Einwohnern steht der fünfte Winter mit einer Solarbeleuchtung bevor, die ganz schön nerven kann. Viel Licht kommt von den Solarbatterie-betriebenen Lampen auf der Dorfstraße bekanntlich nicht an. Doch zum Ende des Jahres flackert in Scharpzow nun so etwas wie ein fahles Licht der Hoffnung auf. Nach mehreren Verzögerungen haben vor einigen Tagen die Arbeiten am neuen Licht-Zeitalter des Dorfes begonnen. Die E.dis verlegt ein Mittelspannungskabel in Scharpzow und installiert in diesem Zusammenhang auch eine neue Straßenbeleuchtung – mit „richtigem“ Strom. Die Landwerke GmbH verlegt bei dieser Gelegenheit auch gleich Glasfaserkabel. Es dürfte also der letzte schlecht beleuchtete Winter im östlichen Malchiner Außenposten werden.

Bürgermeister zunehmend genervt

Im Malchiner Rathaus mag man das Thema schon gar nicht mehr hören. Bürgermeister Axel Müller (CDU) zeigt sich zunehmend genervt, wenn er auf die Scharpzower Lichtverhältnisse angesprochen wird. Noch immer hat er es nicht ganz verwunden, dass ihn das Satire-TV-Magazin „Extra drei“ in einem Beitrag über das Scharpzower Licht als „Trottel“ hingestellt hatte, wie es Müller nennt. Mittlerweile spricht der Rathaus-Chef schon selbst von einer „Funzel-Beleuchtung“. Und nun hat sich schon wieder ein Fernseh-Team wegen des Schummerlichtes bei ihm angekündigt.

Mittlerweile scheint aber auch ein wenig durch, dass die fünf dunklen Jahre der Scharpzower doch noch einen Sinn bekommen könnten. Die Stadt Malchin hat das Gutachten, das dem Solarlicht ziemliche Untauglichkeit attestiert, inzwischen dem Energieministerium in Schwerin zur Verfügung gestellt, wie Bürgermeister Müller berichtet. „Wenn da noch einmal einer mit dieser Technik kommt, kann das Ministerium den Kommunen sagen: Guckt euch erst einmal an, welche Erfahrungen die Malchiner gemacht haben“, so Müller. Von Scharpzow lernen, heißt ... nicht im Dunkeln zu sitzen.

Solarbeleuchtung? So schnell nicht wieder

Im Dorf selbst zeigt man sich mittlerweile ziemlich abgehärtet. „Diesen Winter werden wir jetzt auch noch überstehen“, ist sich Dieter Walter sicher, der über die Jahre an der Spitze der Scharpzower Bewegung für eine hellere Zukunft stand. Nicht verstehen könne er bis heute, dass einmal 100 Prozent der Stadtvertretung für ein solch zwielichtiges Projekt gestimmt hatte. Das solle doch bitteschön noch mal ausgewertet werden, verlangte Walter unlängst auf der Malchiner Einwohnerversammlung.

Nun ist es aber auch mal gut, fand da der Bürgermeister und zeigte noch mal Reue: „Wir hatten uns hier für eine technische Lösung entschieden, die einfach nicht funktioniert.“ Allerdings muss man fairerweise auch dazu sagen: Als die Entscheidung für die Funzeln getroffen wurde, war Axel Müller noch gar nicht im Amt. Solarbeleuchtung komme für Malchin so schnell nicht mehr in Frage, versicherte der Bürgermeister. Und überhaupt: „Sie können mir glauben, wenn wir noch mal was mit Solar machen, dann schauen wir aber ganz genau hin.”