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Malchin will Tourismusregion doch nicht im Weg stehen

Malchin / Lesedauer: 3 min

Für Kopfschütteln hatten Malchins Stadtvertreter gesorgt, als sie einen Zusammenschluss mit anderen Orten zu einer gemeinsamen Urlaubsregion  ablehnten. Doch das Blatt wendet sich.
Veröffentlicht:26.10.2023, 06:15

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Stavenhagen will sie, Neukalen auch. Ivenack ist dafür und Basedow stimmte auch schon zu. Nur Malchin stellt eine gemeinsame Tourismusregion „Mecklenburgische Schweiz“ in Frage. „Wenn ich nach Malchin komme, weiß ich hier nach 18 Uhr nicht, was ich hier soll“, sprach Arno Süssig (UMB) in dieser Woche im Bau-Ausschuss die seiner Meinung nach fehlenden touristischen Angebote in der Stadt an. Kein Kino, kaum eine Gaststätte, zählte er auf.

Bei der AfD sorgt vor allem die geplante Kurabgabe für Kritik. Fraktionsmitglied Christian Skotnik spricht mittlerweile von neuen „Zöllen“, die mit der Kurabgabe eingeführt werden sollen. 

Staunen über touristische Angebote

Trotz solcher Bedenken stimmte der Bau-Ausschuss mit knapper Mehrheit für die gemeinsame Tourismusregion. Dafür ist zum Beispiel die Ausschussvorsitzende Ute Bremer (SPD). „Wir hatten vor zwei Jahren einen Schweizer zu Besuch. Der kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus, was wir hier alles für touristische Einrichtungen haben“, sagte sie.

Auch Bürgermeister Axel Müller (CDU) warnte davor, die Region schlecht zu reden. Er hatte eine lange Liste mitgebracht, um zu zeigen, was Malchin Touristen alles zu bieten hat ‐ angefangen von den Einkaufsmöglichkeiten über Hafen, Peenebad und Krankenhaus bis hin zur Bus- und Bahnanbindung der Stadt. „Im Vergleich zu anderen sind wir das Zentrum der touristischen Infrastruktur“, meinte Müller.

Tatsächlich steckt Malchin in einem ziemlichen Dilemma. Die Stadt mit ihren Ortsteilen ist mittlerweile nahezu von Erholungs- und Tourismusorten umzingelt, konnte aber selbst diese Titel noch nicht erringen. Mit der Bewerbung von Salem hatte die Stadt Schiffbruch erlitten. Durch den Zusammenschluss zu einer Tourismusregion könnte sich Malchin nun aber trotzdem einer gemeinsamen Vermarktung der Mecklenburgischen Schweiz anschließen.

Dennoch hatten die Stadtvertreter Anfang Oktober einen solchen Schritt abgelehnt, was in den Erholungsorten Neukalen und Basedow sowie in den Tourismusorten Stavenhagen und Ivenack für einiges Kopfschütteln sorgte.

Diskussion nicht allein um die Kurabgabe

„Das ist doch fatal: Wir haben jahrelang daran gearbeitet, dass wir beim Tourismus zusammenkommen. Und nun steigt Malchin hier aus. Das kommt nicht gut“, mahnte Malchins Bürgermeister. Auch sollte sich seiner Meinung nach die Diskussion nicht nur um die Kurabgabe drehen. Wie hoch die letztendlich ausfällt, ob und wann sie kommt, würden ohnehin später noch die Stadtvertreter separat entscheiden. Das eingenommene Geld werde jedenfalls dann für den weiteren Aufbau der touristischen Infrastruktur eingesetzt und könne nicht irgendwo im Haushalt der Stadt verschwinden.

Die Kurabgabe würde vor allem von Übernachtungsgästen verlangt. Das Geld auch von Tagesgästen einzutreiben, gilt dagegen als schwierig, weil die Kommunen kaum Personal haben, um die Abgabe zu kontrollieren. Das werde sich deshalb wohl vor allem auf Reisebusse konzentrieren, meinte Müller.

Front der Gegner bröckelt

Dass die Front der Tourismusregion-Gegner bröckelt, zeigte sich am Dienstagabend auch auf einer gemeinsamen Sitzung von Sozial- und Finanzausschuss. Hier stimmten alle Mitglieder für das Vorhaben, nur Andreas Teggatz (UMB) enthielt sich. Man müsse erst einmal klären, wie sich die Region entwickeln wolle und womit man dabei anfangen wolle. Erst dann lasse sich auch eine Kurabgabe begründen.