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Gegenwind

Stavenhagen diskutiert Windpläne hinter verschlossenen Türen

Stavenhagen/Faulenrost / Lesedauer: 2 min

Als einzige Stadt in der Region hat die Reuterstadt Erfahrungen mit Windrädern. Wenn jetzt weitere hinzukommen, müsse die Öffentlichkeit nicht dabei sein, meint man im Schloss.
Veröffentlicht:08.02.2024, 18:00

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Die Aufforderung war deutlich: Alles, was an Argumenten gegen Windkraftanlagen spricht, sollte möglichst schnell zusammengetragen werden, hatte sich der Bau-Ausschuss der Stadt Malchin in der vergangenen Woche vor allem an die Bewohner der östlichen Ortsteile gewandt.

Einwände gegen Windräder sammeln

In Malchin ist die Beschlusslage klar: Schon vor zehn Jahren hatte sich die Stadtvertretung gegen ein Windeignungsgebiet zwischen Kummerow und Scharpzow ausgesprochen. Die entsprechenden Flächen sind für die Landwirtschaft ausgewiesen. Daher weht der Wind.

Auch Dargun sammelt jetzt Einwände gegen Windräder, um daraus eine Stellungnahme für den Planungsverband zu den sogenannten Windvorranggebieten zu erarbeiten. Was beide Städte verbindet: Ihr Territorium ist bisher von Windkraftanlagen verschont geblieben.

Das sieht bei Malchins Nachbarn in Stavenhagen anders aus. Hier drehen sich am Rande des Industriegebietes Basepohler Schlag von weitem sichtbar seit vielen Jahren die Windmühlen. Nun könnten auch am anderen Ende der Reuterstadt noch welche hinzukommen.

Die mit 355 Hektar größte Potenzialfläche für Windkraftanlage bei Zettemin reicht bis zum westlichen Rand des Stavenhagener Ortsteiles Pribbenow. Doch anders als in anderen Kommunen sieht Stavenhagen keine Notwendigkeit, die Einwohner nach ihrer Meinung zu fragen.

Eine Beteiligung der Öffentlichkeit an diesem Vorentwurf sei nicht vorgesehen, teilte Bürgermeister Stefan Guzu mit, wohl wissend, dass einige Gemeinden im Umfeld von Stavenhagen da eine andere Sicht auf die Dinge haben. Kittendorf und Bredenfelde etwa informieren in ihren Gemeindevertretersitzungen die Bürger über die neuen Windpläne.

Stellungnahme ohne Bürgerbeteiligung

Auch Stavenhagen bereitet derzeit eine Stellungnahme vor - ohne die Einwohner zu fragen. Im Schloss der Reuterstadt weht dabei ein anderer Wind als bei den Nachbarn. Dass mit dem Vorentwurf für neue Windkraftflächen die nationalen und europäischen Klimaschutzziele erreicht werden sollen, unterstütze Stavenhagen. Es gehe immerhin um eine über einen Raumordnungsplan gesteuerte Entwicklung, bei der 2,1 Prozent der Landesfläche für Windenergieanlagen genutzt werden sollen. Warum Stavenhagen seine Bürger dabei nicht mit einbeziehen will, lässt der Bürgermeister offen.

Von einem weiteren Eignungsgebiet in der Region hatten Einwohner von Faulenrost bereits im vergangenen Jahr Wind bekommen und eine Bürgerinitiative ins Leben gerufen. Der Entwurf des Planungsverbandes weist nun eine 224 Hektar große Fläche zwischen Faulenrost und Gielow für Windenergieanlagen aus.

Allerdings ist dieses Gebiet in den Planungen mittlerweile mit einem kritischen Kreuz versehen, weil hier ein Schreiadler nachgewiesen worden sein soll. Die Bürgerinitiative ist deshalb auch zuversichtlich, den Kampf gegen die ungeliebten Windmühlen gewinnen zu können. Derzeit laufe aber auch noch eine Unterschriftensammlung, heißt es von den "Gegenwind"-Aktivisten.