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Starker Rückgang

Zahnärzte finden hier einfach keine Nachfolger

Teterow / Lesedauer: 3 min

Zahnärzte werden immer mehr zum raren Gut. Bürger müssen ihre Suche mittlerweile in umliegende Städte ausdehnen. Nachfolger sind so gut wie nicht in Sicht. 
Veröffentlicht:07.12.2023, 05:58

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Die Entwicklung ist besorgniserregend: Gab es in Teterow vor etwa fünf Jahren noch zehn Zahnarztpraxen, sind es nun nur noch fünf. Und jetzt geht der nächste Dentist in den Ruhestand. Dr. Gerd Nebl hat seit wenigen Tagen geschlossen und löst gerade seine Praxis in dem alten Ärztehaus in der Poggestraße auf. In seine Räume wird wohl vorerst kein neuer Zahnarzt einziehen.

Anzeige auf verschiedenen Internet-Portalen

„Ich habe drei Jahre lang einen Nachfolger gesucht und nicht eine einzige Bewerbung erhalten“, erzählt Gerd Nebl, der seit 1993 seine Praxis in dem Ärztehaus hatte und seit 1989 in Teterow praktiziert. Niederschmetternd sei das. So hatte er nicht nur auf verschiedenen Internetportalen eine Anzeige geschaltet, sondern sogar einen Headhunter beauftragt. Ein solcher ist auf die Suche nach Personal spezialisiert.

Für Gerd Nebl gibt es gleich mehrere Gründe, warum auch dies erfolglos blieb. „So manch ein Kollege arbeitet lieber als Angestellter in einer großen Praxis mit mehreren Kollegen, da man sich da besser abstimmen kann“, weist Nebl auf fachlichen Austausch sowie Urlaubsplanungen hin.

Zudem würden in seinen Augen auch viele junge Kollegen zu zweit eine Praxis eröffnen, wodurch dann eine von zwei Zahnarztpraxen, die Nachfolger suchen, leer ausginge. „Junge Kollegen wollen nicht in Kleinstädte, da Großstädte viel attraktiver sind“, nennt er einen weiteren Punkt.

Kulur in den größeren Städten lockt junge Ärzte

Diesen Trend bestätigt Dr. Gunnar Letzner, Vorstandsvorsitzender der Kassenzahnärztlichen Vereinigung MV (KZVMV). Das kulturelle Angebot sei in großen Städten einfach größer. Zudem scheuten viele junge Zahnärzte bei einer eigenen Praxis auch die viele Bürokratie, die Budgetierung in ihrem Bereich sowie die hohe finanzielle Belastung, erklärt Letzner. So gebe es pro Jahr nur um die 20 Neu-Niederlassungen, während im selben Zeitraum über 60 Zahnarztpraxen schließen, macht er deutlich.

Der Teterower Andreas Henning entschied sich dagegen, 2017 wieder in seine Heimatstadt Teterow zurückzukommen. Der 40-Jährige übernahm damals die Praxis von Zahnärztin Brigitte Schröder. „Aber wenn man keine Bindung zum ländlichen Raum hat, kommt man nicht hierher“, meint Andreas Henning.

Dass in Teterow die Dichte an Zahnärzten abnimmt, spürt auch er. So habe er in den vergangenen Jahren unter anderem auch Patienten von Dr. Norbert Erben, Gudrun Schmidt oder auch seiner Mutter Sigrid Henning aufgenommen, spielt er auf die vor ein paar Jahren geschlossenen Praxen an. 

Vereinigung hat Strukturfonds aufgelegt

Mittlerweile liege die Zahl seiner Patienten weit über dem Durchschnittswert der KZVMV. Wie die Vereinigung auf Nachfrage mitteilte, sei vorgesehen, dass auf einen Zahnarzt 1680 Bürger kommen. So seien in Teterow samt Amt Mecklenburgische Schweiz insgesamt fünf Zahnärzte laut der KZV vorgesehen. Doch aktuell sind es nur vier. 

Damit dieser Trend hier sowie im ganzen Land zumindest ein Stück weit gestoppt werden kann, hat die KZVMV seit Jahresbeginn einen Strukturfonds eingerichtet. Mit der Politik sei man zudem im Gespräch, dass eine Land-Zahnarztquote bei den Studienplätzen eingeführt werde, so Letzner.

Gerd Nebl hofft dabei das Beste. Er blickt trotz der aktuell schwierigen Situation dankbar auf die vergangenen 34 Jahre als Zahnarzt in Teterow zurück. „Ich hatte tolle Patienten und ein tolles Team“, sagt er.