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Übergewicht

Warum stehen ausgerechnet die Darguner so dicke da?

Dargun / Lesedauer: 3 min

Nirgendwo in ganz Mecklenburg–Vorpommern ist der Anteil von stark übergewichtigen Menschen so groß wie in der Stadt am Klostersee. Was sagt man in Dargun dazu?
Veröffentlicht:03.08.2023, 15:23

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Für die Kleinstadt Dargun kommt es jetzt ganz dick: Laut des gerade veröffentlichten Gesundheitsatlasses der AOK Nordost ist der Anteil der Menschen mit Übergewicht nirgendwo in Mecklenburg–Vorpommern so groß wie in der Stadt am Klostersee. 29 Prozent aller Darguner sollen zu dick sein — und das gleich so sehr, dass sie als adipös gelten. Ihr Körpermasseindex, der sich aus Gewicht und Körpergröße zum Quadrat berechnet, beträgt also 30 und mehr.

Doch bringen die Darguner tatsächlich so viel Gewicht auf die Waage? Und wenn ja, woran liegt das? Dr. Dietmar Kühn, der in der Röcknitzstraße eine Arztpraxis betreibt, will nicht so recht daran glauben. Nein, einen so hohen Anteil an stark übergewichtigen Leuten in Dargun würde er nicht bestätigen wollen. „Wir haben hier in der Stadt immerhin auch eine sehr engagierte Herzsportgruppe, die sich um die gesamte Gesundheit der Menschen kümmert“, führt der Allgemeinmediziner ins Feld.

Noch hohe Dunkelziffer vermutet

Doch ausgedacht haben wird sich die Zahl die AOK ja wohl nicht. Immerhin ist es die größte Krankenkasse in MV, so dass die Zahlen der ärztlich diagnostizierten Fälle durchaus als repräsentativ angesehen werden können. Die AOK geht sogar noch von einer ziemlich hohen Dunkelziffer aus.

Wo also wären die Dickmacher zu suchen in Dargun? „Wir sind es nicht“, wehrt Frank Medrow von der Darguner Brauerei ab und stellt gleich mal klar: Bier allein macht noch nicht gleich dick. „Ich habe Kollegen, die trinken öfter mal gern ein Bier und haben trotzdem eine schlanke Figur“, sagt Medrow. Bier mache aber auch Appetit und wenn man dann dazu viel esse, könnte der Bauch schließlich schon etwas anders aussehen. Und wie ist das mit den süßen Erfrischungsgetränken? Da sei Fruchtzucker drin, der in normalem Maße sogar gesund sei, wie der Brauerei–Mitarbeiter berichtet.

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Auch die Gastronomie in Dargun sieht sich unschuldig. „Wir haben damit nichts zu tun“, heißt es aus dem „Deutschen Haus“ zum Darguner Gewichts–Problem. Der neue Inhaber des „Poggenkruges“, Andreas Schulze, kommt eher auch nicht in Frage, weil er erst vor einem Jahr von Rügen nach Dargun gekommen war. Auf Rügen hat die AOK die niedrigsten Werte in ihrer Adipositas–Studie ermittelt. Kein Wunder, meint Andreas Schulze. „Da arbeiten sehr viele Leute in der Gastronomie, denen bleibt wenig Zeit zum ausgiebigen Essen.“

Geschlossene Turnhalle ein Grund?

Was sagt denn nun aber der Bürgermeister zu dem Spitzenwert, den seine Stadt landesweit einnimmt. Sirko Wellnitz schaute sich am Donnerstag gerade in der Sporthalle um, die nach einem Wasserschaden bereits seit April gesperrt ist. Eine geschlossene Turnhalle — könnte das nicht ein fetter Grund für zu viel Speck auf den Rippen mancher Darguner sein? Na ja, so lange ist die Turnhalle ja nun auch noch nicht zu, wendet der Bürgermeister ein. Und dann ist Sommer, wo Hallensport ja ohnehin nicht so sehr gefragt ist. Und überhaupt: Dargun hat ein Strandbad, das kostenlos genutzt werden könne, einen Freizeitpark mit vielerlei Sportgeräten und so gut wie keine E–Roller, zählt der Bürgermeister auf. Da müssten doch die Pfunde nur so purzeln.

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Warum sie das in Dargun nicht tun, darüber gibt die AOK–Studie keine Auskunft. Völlig überraschend kommt der erste Platz bei der Zahl der Übergewichtigen in Dargun aber nicht. Schon 2017 hatte die AOK errechnet, dass in der Stadt die meisten übergewichtigen Kinder im ganzen Land zu finden seien. Aber auch daran wollten damals viele nicht so recht glauben.