StartseiteRegionalMecklenburgische SchweizWas eine Glockenweihe mit einer Lebensgeschichte zu tun hat

Einweihung Glocken

Was eine Glockenweihe mit einer Lebensgeschichte zu tun hat

Schorrentin / Lesedauer: 3 min

In einem Erntedankgottesdienst feiert Schorrentin seine neuen Glocken. Mit diesen hat eine Pastorin der Region eine besondere Verbindung.
Veröffentlicht:30.09.2023, 06:09

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Wenn am Sonntag, 1. Oktober, die neuen Glocken in Schorrentin (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) zum ersten Mal läuten, dann wird das nicht nur für die Kirchengemeinde Neukalen etwas Besonderes sein. Auch für Melanie Dango aus Stavenhagen, die diese einweihen darf.

Die Ökumene-Pastorin im Kirchenkreis Mecklenburg und ehemalige Pastorin der Reuterstadt Stavenhagen verbindet mit diesen Glocken eine persönliche Lebensgeschichte.

Im Mai 1976 wurde sie unter dem Geläut dieser Glocken in der Apostelkirche im nordrhein-westfälischen Hamm getauft. Ihre Eltern haben sich im November 1971 hier das Jawort gegeben. „Und wie ich jetzt feststellen durfte, trägt die kleinste Glocke als Bibelwort meinen Konfirmationsspruch“, sagt sie.

Ersatz aus Hamm für die alten Eisenglocken

Dass diese den Weg nach Mecklenburg fanden, war einem Tipp des Glockensachverständigen Claus Peter zu verdanken, der auch den Kontakt herstellte und sich stark dafür machte. So haben die Schorrentiner als Ersatz für ihre alten Eisenglocken die noch gut erhaltenen Bronzeglocken aus Hamm erhalten, nachdem im Juni dort die Apostelkirche entwidmet worden war.

Die Bronzeglocken aus Hamm sind dieser Tage im Turm der Kirche in Schorrentin neu aufgehängt worden.
Die Bronzeglocken aus Hamm sind dieser Tage im Turm der Kirche in Schorrentin neu aufgehängt worden. (Foto: ZVG/Marc Reinhardt)

Wie Melanie Dango erzählt, sei es dem dortigen Pastor Ralph Haitz wichtig gewesen, dass Glocken, Orgel und das gesamte Inventar einer angemessenen Nachnutzung zugeführt werden. „So kam die Orgel zum Beispiel in eine Gemeinde nach Polen.“

Kirche hat immer weniger Mitglieder

Gebaut worden sei die Apostelkirche 1967 im Hammer Westen, obwohl zwei Kilometer weiter die nächste Kirche stand. Damals habe es sehr viele Christen gegeben. „Heute ist die Lage eine vollkommen andere“, sagt Dango und sieht Parallelen zu ihrer neuen Heimat. Hier wie da werden die Mitglieder immer weniger, Stellen werden eingespart, Kirchengemeinden zusammengelegt. „Dennoch: Die Entwidmung einer Kirche ist nicht der Untergang der Kirche“, ist sie überzeugt. 

Wie ihr der Hammer Kollege erzählte, habe inzwischen ein Investor die denkmalgeschützte Apostelkirche gekauft, die nun Teil eines neu zu errichtenden Kindergarten-Ensembles werden soll. Dem Investor gehörten die Gebäude, die Kita aber werde der Kirchenkreis Hamm betreiben.

Als sie Pastor Haitz jüngst traf, sei ihr klar geworden, dass die Gemeinde dort ihren Auftrag in der Sozialraum-Orientierung sieht. „Die evangelische Kirche fragt hier, was können wir hier an diesem Ort für die Menschen tun, mit denen wir zusammenleben“, so Dango. Das sei ebenfalls ein Ansatz, der durchaus auch im Kirchenkreis in Mecklenburg an vielen Stellen in den Blick komme. 

Der Erntedankgottesdienst mit Glockenweihe am 1. Oktober beginnt um 10 Uhr in der Kirche in Schorrentin. Anschließend wird ein Gemeindefest gefeiert.