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Interview

Wehrführer greift nach Bürgermeister-Amt in Neukalen

Neukalen / Lesedauer: 4 min

1516 Neukalener sind am Sonntag aufgerufen, über einen neuen Bürgermeister abzustimmen. Die Wahl ist notwendig, weil der langjährige Bürgermeister Willi Voß verstorben ist.
Veröffentlicht:10.11.2022, 12:46

Von:
  • Torsten Bengelsdorf
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Lediglich ein Kandidat hat sich aufstellen lassen: der bisherige stellvertretende Bürgermeister Rico Zoschke. Warum die Neukalen-Wahl dennoch von Brisanz ist, hat Torsten Bengelsdorf im Gespräch mit dem CDU-Kandidaten erfahren.

Herr Zoschke, eine richtige Wahl wird das am Sonntag mit nur einem Kandidaten ja eher nicht werden. Haben Sie trotzdem ein Wahlziel, was die Zustimmungswerte angeht?

Nein, das habe ich nicht. Wichtig ist, dass die Leute überhaupt zur Wahl gehen, damit es in Neukalen weiter vorangeht. Ich hätte die Arbeit als amtierender Bürgermeister auch weiter gemacht bis zur regulären Wahl im Jahr 2024. Doch dass wir nicht so lange warten können, ist nun einmal so gesetzlich vorgeschrieben.

Es gibt viele Neukalener, die Ihnen nicht zutrauen, die Fußstapfen, die Ihr Vorgänger hinterlassen hat, richtig auszufüllen. Wie wollen Sie diese Skeptiker überzeugen?

Indem wir tagtäglich unsere Arbeit machen. Die CDU-Familie in unserer Stadt muss jetzt zusammenhalten. Mit Mit Herrn Rinke und Herrn Reinhardt teile ich mir die Aufgaben bereits ein. Ein parteipolitisches Gerangel wird bei uns in der Stadtvertretung auch künftig nicht im Vordergrund stehen. Natürlich ist mir klar, dass man Herrn Voß nicht kopieren kann.

Für Willi Voß war das ehrenamtliche Bürgermeisteramt ein Full-Time-Job. Sie arbeiten in Malchin in einem Dienstleistungsunternehmen, sind Chef der Feuerwehr in Neukalen und wollen jetzt auch noch Bürgermeister werden. Ist das nicht ein bisschen viel?

Herr Voß hatte ja noch viele weitere Funktionen, war Amtsvorsteher, Kreistagsmitglied oder im Unternehmensnetzwerk RUN aktiv. Ich möchte mich auf den Posten des Bürgermeisters konzentrieren. Ob das alles zu schaffen ist, wird die Zeit zeigen. Die Feuerwehr ist aber gut aufgestellt, da muss ich nicht bei jedem Einsatz dabei sein.

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Der Bürgermeister ist auch oberster Dienstherr der Feuerwehr und damit auch ein Kontrollorgan. Wenn Sie am Sonntag gewählt werden, kontrollieren Sie sich also praktisch selbst als Wehrführer. Müssten Sie nicht von dieser Funktion zurücktreten?

In Gielow funktioniert es seit Jahrzehnten, dass der Bürgermeister auch Wehrführer ist. Warum sollte das bei uns nicht gehen? Dass dies rechtlich möglich ist, wurde bereits geprüft. Ich denke, hier sollte es jetzt keine überhasteten Aktionen geben. Ein neuer Wehrführer muss erst einmal aufgebaut werden. Und es muss auch jemand bereit sein, diese Verantwortung zu übernehmen.

Wenn die Feuerwehr nun aber schon ihre Wahlflyer in Neukalener Ortsteile schafft, dann sieht das nicht danach aus, dass Sie beide Ämter voneinander trennen können.

Das haben wir mit einer Bewegungsfahrt und einer Ausbildungsfahrt verbunden. Jedes Fahrzeug sollte einmal im Monat 50 Kilometer am Stück bewegt werden. Sonst stehen sich die Autos kaputt. Die Flyer wurden auch nur zu einem oder zwei Ortsteilen ausgefahren.

Ihre Amtszeit beträgt gerade einmal knapp zwei Jahre, dann müssen Sie sich bereits wieder der Neuwahl stellen. Was wollen Sie denn in dieser Zeit alles erreichen?

Meine Ziele habe ich auf meinem Wahlflyer aufgezählt. Da ist zum Beispiel die Sanierung der Turnhalle, die Neugestaltung des Ratmannsteiches und des Fritz-Reuter-Platzes. Dann wollen wir im Stadtgebiet an mehreren Stellen weiteres Bauland ausweisen. Unseren Hafen haben wir auch künftig im Blick. Hier werden wir jetzt das Dach des Hafenhauses komplett erneuern. Es war schwierig, eine Firma zu finden. Aber nun sind die Verträge unterschrieben mit Ausführungszeitraum Januar bis März 2023. Für die Straßensanierung auf dem Gartshof ist die Vermessung derzeit im Gange. Nach der Straßensanierung auf dem Gartshof soll die Schlakendorfer Straße erneuert werden. Wir planen eine Neugestaltung des Schäferteich-Platzes und in diesem Zusammenhang, einen neuen Stadtbauhof zu errichten. Und natürlich wollen wir gemeinsam mit unseren Vereinen das Veranstaltungsleben in unserer Stadt aufrecht erhalten.

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