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Jagd

„Ich werde Dresche kriegen, aber das macht nichts“

Alt Rehse / Lesedauer: 4 min

Wolfgang Köpp war jahrzehntelang Jäger. Jetzt legt er sich mit seinesgleichen an. Bluttourismus und Öko-Gemetzel: Es steht schlecht um Wald und Wild, sagt der pensionierte Tierarzt. 
Veröffentlicht:21.02.2014, 20:14

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Die gute Stube zeugt von Leidenschaft. Über den Sesseln hängen Pelze, gemalte Jagdszenen an der Wand, selbst das Kaffee-Service trägt Wildmotive. 45 Jahre lang ging Wolfgang Köpp zur Jagd, bis er im hohen Alter die Flinte ins Korn warf. Jahrzehntelang leitete er eine Jagdgesellschaft im Penzliner Land. Doch Köpp will nicht mehr zusehen. Seinen Ärger über die Hüter des Waldes hat er jetzt niedergeschrieben. Auf knapp 300 Seiten. „Jäger, seid ihr noch zu retten?“, fragt er schon mit dem Titel. Und ist sich mit der Antwort eben nicht sicher.

"Viele Jäger nur noch auf Trophäen aus"

„Ich gehöre nicht zu den Leuten, die der Vergangenheit nachhängen“, sagt er. Aber was sich seit der Wende in Sachen Jagd getan habe, sei kaum noch zu ertragen. Die Ethik bleibe auf der Strecke. Und das Ergebnis sei offenkundig. „Der Bestand an Wildschweinen ist so hoch, dass man sich ernsthafte Sorgen um Tierseuchen machen muss“, sagt der pensionierte Tierarzt. Statt sich solcher Probleme anzunehmen, seien viele Jäger heute nur noch auf Trophäen aus. „Geschossen wird das stärkste Stück, nicht das, was waidmännisch sinnvoll ist“, beschreibt er seine Beobachtungen. Die Jäger vernachlässigten ihre eigentliche Aufgabe.

„Es ist heute viel zu einfach einen Jagdschein zu bekommen

Dabei floriert das Jagdwesen – auf dem Papier. Geht es nach Köpp, sollte auch dieser Bestand reduziert werden. Natürlich nicht mit der Waffe, sondern per Gesetz. „Es ist heute viel zu einfach einen Jagdschein zu bekommen“, kritisiert er. Drei Wochen Intensivkurs, dann die Prüfung. Für Köpp nicht nachvollziehbar. „Wir mussten teils jahrelang mit den Jägern durch die Wälder ziehen, wurden als Treiber eingesetzt und haben Hochsitze gebaut, bis man eine Jagderlaubnis bekam.“

Im Land verdient man gutes Geld mit dem Jagdtourismus. Doch die Besucher aus Hamburg, Berlin und anderen Ballungsräumen könnten eine intakte Jagdgesellschaft nicht ersetzen. „Es kommen so viele Jäger von auswärts, denen es nicht um die Natur, sondern um ihr Vergnügen geht“, so Köpp. Weil sich damit Geld verdienen lasse, würden Gebiete für viel Geld verpachtet, ohne darauf zu achten, ob der Jäger sich regelmäßig kümmert. Das Ergebnis: Die Hegeringe vor Ort hätten kaum noch einen Überblick über die Entwicklungen des Wildbestandes. Fehlverhalten wird kaum noch geahndet. Die Jagd als Hobby, nicht als Passion. Und die steigenden Preise führten dazu, dass einheimische Waidmänner außen vor bleiben.

Waschbären-Vermehrung kaum noch im Griff

Doch auch für die Bewegung ökologischer Jäger hat Köpp wenig Sympathie. Zu einseitig sei deren Sicht. „Wenn man sich die Jagden im Nationalpark ansieht, gleicht das teilweise einem Abknallen“, so Köpp. Hochwild werde als Schädling angesehen, dagegen würden andere Arten hofiert. Der Population an Waschbären werde man kaum noch Herr. „Da helfen auch keine Info-Flyer für die Anwohner“, kritisiert er. Mag sein, dass eine Seuche das natürliche Gleichgewicht bald wieder herstellt. „Aber wer kann schon sagen, wie gefährlich diese Infektion dann für den Menschen sein wird“, sagt er. Ähnlich Probleme gebe es mit vielen anderen Tierarten. „Seit Elstern unter Schutz stehen, hat sich die Zahl ihrer Nester in Alt Rehse vervielfacht“, so Köpp. Gleichzeitig sehe man deutlich weniger Rotkehlchen und andere Singvögel.

In einer Woche wird Köpps neues Buch vorgestellt. Auf dem Landesjägertreffen. Das sei der Vorschlag seines Verlegers gewesen. Und Köpp steht dahinter, auch wenn er weiß, dass seine Kritik für Aufruhr sorgen wird. „Ich werde Dresche bekommen, aber das macht nichts“, sagt er. Und vielleicht ließen sich damit ja doch noch einige Waidmänner aufrütteln. Und die Jäger sind schließlich doch noch zu retten.