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Expertenrunde

Besuch aus Schwerin erntet auf Wohnbaukonferenz mächtig Gegenwind

Waren / Lesedauer: 4 min

In Waren sind Experten und interessierte Teilnehmer  zusammengekommen, die sich zum Thema Wohnungsbau und Innenstadt austauschen wollten.
Veröffentlicht:18.03.2023, 11:20

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„Hier dabei zu sein, ist ein Muss, wenn es angeboten wird“, sagte der Warener Architekt Thomas Kisse. Er gehörte zu den knapp 70 Teilnehmern der Wohnbaukonferenz am Donnerstag in Waren. Eingeladen hatte der gemeinnützige Verein „Bauen–Für–Alle“. Neben Architekten, Planern, Verwaltungsmitarbeitern, Citymanagern und Vertreter von Verbänden hatten sich auch einige Warener Stadtpolitiker die Zeit genommen. „Ich möchte was dazu lernen, denn es ist ein sehr wichtiges Thema. Wir brauchen dringend Wohnungen in Waren, nicht nur neue Eigenheime und da ist es interessant, was die Fachleute dazu sagen“, sagte der neue SPD–Ortschef und Vorsitzende des Umweltausschusses, Matthias Lippert. 

Workshop im November

In Vorbereitung auf die Wohnbaukonferenz gab es bereits im November einen Workshop mit den Citymanagern aus dem Landkreis, dem Bauamt Waren und Dr. Karsten Schuldt vom Wirtschaftsministerium und zusammen mit dem Verein „Bauen–Für–Alle“ hatte das Warener Bauamt im vergangenen April auch den Tag der Städtebauförderung als Auftakt gestaltet. Daraus entwickelte sich ein Positionspapier, das nun als Relektüre zur Diskussion stand und von den Teilnehmern bewertet werden sollte.

Positionspapier soll auch Waren zugutekommen

Nach der Wohnbaukonferenz sollen daraus Leitfäden mit Umsetzungsvorschlägen zur Perspektive von Innenstädten und Ortszentren an das Ministerium für Inneres, Bau und Digitalisierung übergeben werden. „Dies ist notwendig, um vor allem auch kleineren Kommunen eine Stimme in einem laufenden Transformationsprozess zu geben“, sagte Diana Lucas–Drogan von der Warener Verwaltung. Zudem soll das Positionspapier auch bei der Entwicklung der neuen Innenstadtstrategie für Waren verwendet werden.

Volle Innenstädter im Sommer, leere im Winter

Im touristisch geprägten Heilbad gebe es vor allem ein Spannungsfeld zwischen einer sehr vollen Innenstadt im Sommer und einer sehr leeren im Winter, wie Warens Bürgermeister Norbert Möller (SPD) es beschrieb. Für eine ganzjährig lebendige City wären laut Möller einheitliche Ladenöffnungszeiten und ein wieder stärkeres Mitmachen im Innenstadtverein wichtige Schritte. Zwar überarbeite man gerade das Handelskonzept, was den Branchenmix aber angehe, habe man kaum Einflussmöglichkeiten. Ein großes Problem sei der Fachkräftemangel in der Gastronomie. „Selbst in der Saison haben einige Restaurants über Mittag geschlossen. Nicht wegen Reichtum, sondern aufgrund von Personalmangel“, sagte Möller.

Das kam nicht gut an

Die Staatssekretärin im Ministerium für Inneres, Bau und Digitalisierung, Ina–Maria Ulbrich, betonte, wie toll sich die Innenstädte im Land entwickelt hätten und wie wichtig es sei, dass die Städte ihre Chancen nicht verspielen und sich einen klaren Plan machen müssten, wie sie gemeinsam mit ihren Bürgern die Orte gestalten wollen. Für die rosa–rote Schweriner Sicht auf das Land bekam sie viel Widerspruch aus dem Auditorium, das vor allem die schwierigen Situationen in den kleinen Städten hinwies. 

Land als Partner gebraucht

Es gebe 756 verschiedene Ausgangslagen, sagte Arp Fittschen vom Städte– und Gemeindetag Mecklenburg–Vorpommern. Vor Ort müsse man die Zivilgesellschaft aktivieren, brauche aber auch das Land als Partner, um die großen Herausforderungen wie den wachsenden Onlinehandel, die Auswirkungen des Klimawandels, die anhaltende Migrationsbewegung und den Energiewandel zu bewältigen. „Dafür brauchen wir eine Politik mit mehr Augenmaß und Realitätssinn, sonst nehmen uns die Bürger nicht mehr ernst“, mahnte Fittschen. 

Komplexes Thema Wohnen

Mit Blick auf Waren verdeutlichte Diana Lucas–Drogan, wie komplex das Thema Wohnen ist, weil es eben nicht an der Haustür endet. Ein Drittel der Bevölkerung in Waren sei 65 Jahre und älter. Gerade habe man aber auch mit dem Hort zusammen einen Kinderstadtplan erarbeitet, und wenn man gut ausgebildete Rückkehrer für Waren begeistert möchte, müsse man auch auf deren Anforderungen an Städte und das Wohnen berücksichtigen. „Wir müssen die Altstädte neu lesen lernen, um Flächenpotenziale zu erkennen. Öffentlicher Raum ist nicht die Restfläche des Privaten. Es ist Raum für Proteste, für Feste und Marktplatz für den Handel. Es ist, um mit Hannah Arendt zu sprechen, der Ort der Freiheit und der öffentlichen Diskussion. Ein nach oben offener Festsaal“, sagte die Expertin.