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Gesundheit

Corona beschert Kindern schwere Zeiten – eine Expertin gibt Tipps

Röbel / Lesedauer: 4 min

Psychische Probleme können eine Folge der Pandemie sein. Termine bei Fachleuten sind im Landkreis schwer zu bekommen. Eine Ärztin sagt, was Eltern tun können.
Veröffentlicht:14.08.2021, 11:10

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Aktuell erleben die Kinder schicksalhafte Jahre. Das weiß auch Dr. med. Sylke Ilg zu berichten. Sie ist Chefärztin an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik des Mediclin Müritz-Klinikums. Zwar habe sich seit Corona die Situation bei der stationären Behandlung nicht geändert, denn Wartelisten habe es da schon immer gegeben, sagte sie gegenüber dem Nordkurier. Bei der ambulanten Versorgung sei es jedoch aktuell sehr schwer, zeitnah einen Termin für Kinder mit psychischen Problemen zu bekommen. Das könne sie für den gesamten Landkreis sagen, weil Mediclin mit Psychiatrischen Instituts- und Trauma-Ambulanzen in Waren, Röbel und Neubrandenburg vertreten ist.

Lange Warezeiten

„Es ist überall so, dass die Wartezeiten auf ambulante Termine extrem lang sind zurzeit“, sagt die Chefärztin. Bis zu einem Ersttermin könne bis zu einem halben Jahr vergehen. Wer auf einen regelmäßigen Therapieplatz hofft, müsse mit einer Wartezeit von durchaus auch über einem halben Jahr rechnen. Die Krisenversorgung in akuten Fällen werde jedoch aufrechterhalten.

Was tun, wenn Kinder Probleme haben? Als erste Maßnahme für Erziehende gerade in der aktuellen Zeit empfiehlt Sylke Ilg: „Zuhören, fragen und sich anhören, wie es dem Kind geht, wo die Probleme liegen und sich Zeit nehmen. Das ist für Eltern das Allerwichtigste.“ Auch Eltern stünden sehr unter Stress derzeit. Die Kinder würden dann oft ihre eigenen Probleme nicht zeigen, weil sie die Eltern nicht noch mehr belasten wollen. Zu schnelle Ratschläge, wie das Kind es wieder hinbekommt, oder Sätze wie: „Das ist doch nicht so schlimm“, seien wenig hilfreich. Auch könne man überlegen, welche Möglichkeiten der Unterstützung das soziale Umfeld bietet. Eine Tante, die Oma oder Freunde würden da oft gute Hilfe leisten.

Manche machen sich um ihre Leistungen Sorgen

Auch das Gespräch mit den Lehrern sieht Dr. Sylke Ilg als wichtig an. „Wir erleben, dass die Kinder sich einerseits freuen, wieder zur Schule zu gehen, andererseits fragen sie sich, wie sie zurechtkommen, ob sie die Leistungen erbringen.“ Auch die Struktur zu halten und jeden Tag früh aufzustehen, sei schwer für einige Kinder, ebenso wie der Kontakt in der Gruppe. Hier empfiehlt die Chefärztin, mit anderen Eltern zu sprechen und gemeinsam nach Ideen zu schauen, was getan werden kann. Die Kinder bräuchten Verständnis, da ihnen ein Stück Entwicklungszeit fehle.

Vortrag in der Mühle

Da es vielen Familien so geht, möchte Sylke Ilg möglichst viele Erziehende erreichen und spricht daher am kommenden Donnerstag um 17 Uhr auch in der Röbeler Mühle darüber, welche Unterstützung die Kinder bei verschiedenen psychischen Störungen brauchen und welche Möglichkeiten es in der Kinder- und Jugendpsychiatrie gibt.

„Gerade in diesen noch immer pandemischen Zeiten ist es bestimmt für viele Kinder und Jugendliche nicht leicht. Sie müssen Masken tragen. Ihnen fehlte der schulische Rahmen, die Freunde waren auf Abstand durch viel Homeschooling. Das Vereinsleben lag lahm“, weiß auch Sibylle Böhler vom „Kulturverein Röbel“ und freut sich, dass sie im Rahmen der Ausstellung „Kind sein meiner Stadt“ mit dem Vortrag den Bogen in die Zukunft spannen kann. „Frau Ilg hat sich sofort zu einem verstehbaren Vortrag für alle Zuhörenden bereit erklärt“, freut sich Sibylle Böhler.

Traumata: Heute gibt es Hilfe

In der Ausstellung „Kind sein meiner Stadt“ in der Röbeler Mühle geht es auf Tafeln der Stiftung Mecklenburg um die schweren Jahre von Waisenkindern, die vertrieben wurden und nach 1945 nach Mecklenburg gekommen sind. Hilfe für die traumatisierten Kinder gab es damals kaum. „Nur einige Kinder kamen in eine gute staatliche Betreuung oder in eine Adoptivfamilie. Das Aufarbeiten dieser Traumata mit professioneller Sicht war damals nicht wirklich möglich. Doch heute hat Röbel schon lange eine moderne Kinder- und Jugendpsychiatrie, die professionelle Hilfe in allen möglichen Fällen leistet“, sagte Sibylle Böhler.