StartseiteRegionalMüritzDunkle Wolken über Windkraft-Moratorium für die Seenplatte

Vorstoß im Kreistag

Dunkle Wolken über Windkraft-Moratorium für die Seenplatte

Schwarz / Lesedauer: 3 min

Das Landesministerium zeigt sich von der Kreistags-Forderung eines Ausbaustopps für Windenergie unbeeindruckt. Windrad-Bauer verschreckt sie aber durchaus.
Veröffentlicht:06.07.2020, 06:18

Artikel teilen:

Den wehenden Fahnen gegen neue Windräder in der Mecklenburgischen Seenplatte wurde schon jetzt die Luft aus den Segeln genommen: Denn ausgerechnet in Schwerin wird dem jüngst vom Kreistag geforderten Ausbau-Stopp der Windenergie offenbar wenig Schlagkraft zugestanden: „Für ein Moratorium für den Windenergieausbau an Land bis zum Vorhandensein rechtssicherer Regionaler Raumentwicklungspläne in der Planungsregion Mecklenburgische Seenplatte besteht keine gesetzliche Grundlage“, lautet die trockene Antwort aus dem Energieministerium auf die Frage, ob vor laufende Genehmigungsverfahren nun ein Riegel geschoben werden könnte. Eine zunächst ernüchternde Aussicht – geht es den Initiatoren des Anliegens der Kreistagsfraktion FDP/Freier Horizont doch genau darum, die Entscheider in der Landesregierung endlich wachzurütteln.

Genehmigung läuft weiter auf Hochtouren

Während sich die Ausschreibung neuer Eignungsgebiete noch in einem langwierigen Prozess befindet, läuft die Genehmigung zusätzlicher Windräder an bereits festgeschriebenen Standorten also weiter auf Hochtouren. In der Corona-Krise haben die Mitarbeiter des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) zwar verschiedene Erörterungstermine mitunter nach hinten verschoben. Die Prozesse laufen aber beharrlich weiter.

Und das vor dem Hintergrund, dass schon jetzt weitaus mehr Strom produziert wird, als überhaupt verbraucht oder gespeichert werden kann – wie Verfechter eines Moratoriums immer wieder betonen. An diesem Problem wird laut Aussage des Energieministeriums allerdings gearbeitet. „Wir befinden uns im Moment in einer Übergangsphase der Energiewende. Dieser fundamentale Wandel kann nicht in wenigen Jahren geleistet werden“, so Elgin Förster, Sprecherin des Landes-Energieministeriums. In Mecklenburg-Vorpommern müssten Windräder wiederum seltener abgeschaltet werden als in anderen Ländern. Die sogenannten Abschaltmengen konnten sogar reduziert werden: „Während diese Menge im Jahr 2015 noch etwa fünf Prozent der gesamten EE-Einspeisung ausmachte, ist sie bis 2019 auf 1,1 Prozent gesunken“, so Ergin Förster.

Dennoch räumt die Ministeriumssprecherin ein, dass weiterhin konventionelle Kraftwerke zur Überbrückung benötigt werden – sollte die Sonne nicht scheinen oder Windstille herrschen. Aber: „An zwei Punkten wird sich das Thema ‚zuverlässige Versorgung‘ künftig entscheidend verbessern: Smarte Netze werden überschüssigen Strom deutschland- und europaweit besser verteilen als bisher und Speicherlösungen werden vor allem den Strom aus Windkraft speichern, bis er benötigt wird.“ Nichtsdestotrotz will der Landrat der Mecklenburgischen Seenplatte, Heiko Kärger, seinem Auftrag nachkommen und sich für ein Moratorium einsetzen. „Selbstverständlich wird der Landrat dem Beschluss des Kreistages folgen und sich an den zuständigen Minister wenden“, teilte seine Sprecherin, Haidrun Pergande mit. So bleibt den Windkraftgegnern also noch ein Funken Hoffnung, den Ausbau-Stopp doch noch irgendwie durchzudrücken.

Verband: Kreis braucht saubere Energiequellen

Einen weiteren Lichtblick zwischen den dunklen Wolken, die den Moratoriums-Wunsch überschatten, können die Windrad-Skeptiker überraschenderweise von ganz woanders erhaschen. Denn die zunehmende Gegenwehr zieht nicht spurlos an den Windenergie-Unternehmen vorüber.

„Eine gesetzliche Grundlage gibt es nicht, aber natürlich wirkt eine solche Debatte abschreckend für Investoren, mobilisiert Gegner und verunsichert Behörden“, sagt Wolfram Axthelm. Der Geschäftsführer des Bundesverbandes Windenergie e.V. betrachtet den Vorstoß allerdings als einen Schritt in die falsche Richtung. Der Kreistag setze damit große Chancen für die Region aufs Spiel. „Die Energieversorgung wird künftig durch Wind und Photovoltaik getragen – auch im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte“, so Axthelm weiter. Die Kommunalpolitik sollte sich daher lieber positiven Diskussionen zuwenden. „Der Landkreis wird künftig nicht mehr aus dem Steinkohlekraftwerk Rostock versorgt, sondern braucht neue saubere Energiequellen.“