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Interview

Erste Polizeichefin an der Müritz! Ist das eine Herausforderung?

Waren / Lesedauer: 5 min

Bei Revierleiterin Kathrin Jähner laufen in Waren die Fäden für die Arbeit der Polizei zusammen. Reporterin Miriam Brümmer hat mit ihr über die neue Aufgabe gesprochen. 
Veröffentlicht:25.02.2023, 05:57

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Was hat Sie zur Polizei geführt und wo haben Sie Ihre ersten Schritte gemacht? Was ist Ihnen dabei besonders in Erinnerung geblieben?

Meine ersten Schritte habe ich tatsächlich im Polizeihauptrevier (PHR) Waren gemacht, 1998 bei einem Schülerpraktikum. Es war so eindrucksvoll und hat so viel Spaß gemacht, dass mein Berufswunsch von da an feststand. Ich durfte damals mit den Beamten Fußstreife in der Warener Innenstadt laufen und sie bei Verkehrsunfällen begleiten. Ich war sogar als Schülerpraktikantin dabei, als wir einen Dieb auf frischer Tat verfolgten. Das fand ich so spannend auf der einen Seite und hat sich so richtig angefühlt auf der anderen. Wir haben den Dieb natürlich gestellt.

 

Wie würden Sie das Warener Polizeirevier im Vergleich zu Röbel beschreiben, wo Sie einige Zeit im Dienst waren? 

Mal unabhängig von dem Polizeigebäude hier in Waren, das nicht so schön aussieht, ist es für mich das tollste Revier. Für Waren und Röbel kann ich sagen, dass beide Reviere tolle Dienststellen mit tollen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind. Wir sind in der wunderschönen Müritzregion und das gilt für Waren und für Röbel. Das PHR Waren ist von der Zahl der Beamten etwas größer. Es ist ja ein Hauptrevier.

Lange Zeit waren Sie als Polizeisprecherin im Einsatz und kennen die Region und hatten sicher mit Beamten des Warener Reviers zu tun. Wie unterscheidet sich der Leiterposten von der Arbeit einer Polizeisprecherin? 

In der Funktion einer Pressesprecherin mit dem Dienstort in Neubrandenburg war ich sozusagen nicht direkt an der „Basis“. In meiner neuen Funktion als Revierleiterin bin ich vor Ort und kann direkt miterleben,
was passiert. Damit meine ich die tägliche polizeiliche Lage, die Themen, die hier in Waren und in Penzlin vordergründig bewegen. Der entscheidende Unterschied ist, dass ich nun die Verantwortung für eine Region und für 46 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter habe.

 

Welche Schwerpunktthemen sehen Sie für Waren? Wie wollen Sie Ihre Arbeit als Leiterin darauf ausrichten? 

An oberster Stelle steht für mich, für die Sicherheit und Ordnung in meinem Zuständigkeitsbereich zu sorgen. Dabei spielen die objektive Sicherheit und auch das subjektive Sicherheitsgefühl der Bevölkerung und natürlich auch der Urlauber eine wichtige Rolle. Ein Schwerpunkt der vergangenen Wochen waren die wiederkehrenden Versammlungslagen in der Stadt. Es ist wichtig, dass die Bürgerinnen und Bürger von ihrem Recht auf Versammlungs– und Meinungsfreiheit Gebrauch machen. Diese Grundrechte zu schützen ist unsere Aufgabe. Ein friedlicher, wenn auch kritischer Austausch ist wichtig, solange er den freiheitlich demokratischen Grundsätzen entspricht.

 

Worauf richten Sie darüber hinaus Ihren Fokus? 

Der richtet sich auf die Gewährleistung der Sicherheit und Ordnung aller Bürgerinnen und Bürger der Müritzregion. Wir sind ein touristischer Anziehungspunkt, was sich durch hohe Urlauberzahlen gerade in den Sommermonaten zeigt. Das bedeutet mehr Verkehr auf den Straßen und auch der Radfahrverkehr wird deutlich zunehmen. Verkehrssicherheitsarbeit ist dabei eine wichtige Aufgabe mit hohem Stellenwert. Ich möchte mit meinen Beamtinnen und Beamten in der Stadt präsent und ansprechbar sein. Zudem liegt mir das Wohl meiner Beamtinnen und Beamten sehr am Herzen. Der Personalmangel ist allgegenwärtig und es sind viele Aufgaben zu schultern. Entscheidend ist deshalb, Nachwuchs zu gewinnen. Die Durchführung von Schülerpraktika finde ich eine gute Möglichkeit, die Arbeit der Polizei darzustellen und junge Menschen für den Beruf zu motivieren und sie vor allem dafür zu begeistern.

 

Bei all der Arbeit gibt es auch ein Privatleben. Wie gelingt Ihnen die Trennung zwischen Dienst und Freizeit? 

Sportliche Betätigung und viel frische Luft sind gut, um den Kopf freizubekommen und sich fit zu halten. Ich gehe gern mal eine Runde Joggen oder Walken. Wenn es die Zeit erlaubt, dann nähe ich gern. Dabei kann ich wunderbar abschalten.

 

Welche Einsätze bereiten Ihnen schlaflose Nächte und was machen Sie, um abzuschalten?

Zum Glück kann ich ganz gut schlafen. Dennoch gibt es Einsätze, die mich über den Dienst hinaus beschäftigen. Zum Beispiel wenn meine Beamten im Einsatz verletzt oder angegriffen wurden. Wie gesagt, Sport und frische Luft sind ein guter Ausgleich.

 

Vor welche Herausforderungen sehen Sie sich gestellt, um sich in einer eher von Männern dominierten Position als Polizeichefin zu behaupten? 

Für mich ist das Thema „Frauen in Führungsposition“ überhaupt kein Thema. Ich bin eine Vorgesetzte, genau wie meine männlichen Vorgänger es waren.

Zur Person:

Seit Mitte November 2022 leitet Polizeihauptkommissarin Kathrin Jähner offiziell das Polizeihauptrevier Waren. Sie ist als Hauptrevierleiterin zuständig für die Stadt Waren, das Amt Seenlandschaft Waren sowie das Amt Penzliner Land. Für die gebürtige Mecklenburgerin ist es eine Rückkehr zu den Wurzeln, weil ihre Zeit in der Landespolizei MV mit einem Schülerpraktikum im Revier Waren begann. Ihre Ausbildung absolvierte sie bei der Polizei in Hamburg. Dann wechselte sie nach Waren, wo sie als Schichtführerin eingesetzt war, bevor sie als Pressesprecherin in den Bereich Öffentlichkeitsarbeit der Polizeiinspektion Neubrandenburg wechselte. Ab 2020 arbeitete die Polizeihauptkommissarin als stellvertretende Leiterin des Polizeireviers Röbel, übernahm dort einige Monate die Leitung des Reviers, bis der Leiterposten in Waren frei wurde.  Der vorherige Leiter, Stefan Philipp, hatte den Posten abgegeben, um sich mit einem Studium für den gehobenen Dienst zu qualifizieren.