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Gastronomie

Café-Gäste kassieren wieder Knöllchen – doch wo sollen sie parken?

Neu Schönau / Lesedauer: 3 min

Statt besinnlicher Adventszeit weht dem Café in Neu Schönau erneut eisiger Wind entgegen. Das Amt verteilt wieder Knöllchen. Das trifft aber nicht nur Gäste der Einrichtung.
Veröffentlicht:02.12.2023, 06:27

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Für Sandra Henkel, Betreiberin des Cafés Limlaru in Neu Schönau, muss eine Torte wie „Zuhause“ schmecken. Ein Zuhause, in dem auch immer in der noch so dunkelsten Ecke ein weißes Blatt Papier gefunden wird, das neu beschrieben werden kann. Vor einem Jahr hat die studierte Ärztin das kleine Landcafé nördlich von Waren eröffnet, nachdem die Familie drei Jahre lang angepackt hatte, um einen alten Stall mit viel Liebe, Geld und Schweiß auszubauen. Wer sich auf den Weg dorthin macht, staunt nicht nur über die raffinierten Rezepte und die warmherzige Atmosphäre, mit der Sandra Henkel im Sturm die Herzen vieler Müritzer eroberte. Staunend steht man auch vor dem Schild am Ortseingang, das ein Parken im gesamten Ort verbietet, mit Ausnahme von gekennzeichneten Flächen.

Beschwerden sorgten für neues Parkverbot

Dieses Schild wurde vom Amt Seenlandschaft aufgestellt, weil es offenbar Nachbarn gibt, die sich am zusätzlichen Leben im Ort stören. Erst im Sommer sah es danach aus, dass sich die Situation endlich entspannt hätte. Denn die drei Widersprüche gegen die bereits erteilte Baugenehmigung für das Café wurden zurückgewiesen.

Doch der Dorffrieden hielt nicht lange. Erneut haben Gäste Knöllchen bekommen, wie Sandra Henkel dem Nordkurier sagte. Für Sandra Henkel, die das Café mittlerweile alleine betreibt, sich auch um ihr Kind mit Down-Syndrom kümmert, ist die Situation schwer zu ertragen. Denn sie wolle nicht, dass ihre Gäste abgezockt werden, wie sie sagt. 

Auf Nachfrage beim Amt Seenlandschaft hieß es, dass aufgrund der Ereignisse am 19. November und Beschwerden der Anwohner am 26. November ein Politeur unterwegs war und vier Knöllchen verteilte.

„Die Gemeinde ist für alle Bürger da, aber vor allen Dingen ist sie verantwortlich für die Sicherheit und Ordnung im Ort“, teilte Silvia Kunstmann von der Bauordnung mit. Auf erneute Nachfrage, wie viele Beschwerden es denn gab und was genau der Grund war, hieß es von Silvia Kunstmann, dass es zwei Beschwerden gab. „Die Autos haben links und rechts entlang der Ortsdurchfahrt, teilweise auf dem Gehweg geparkt. Eine Benutzung der Straße und des Gehweges war dadurch gar nicht bzw. nur erschwert möglich. Zudem wurde der Zufahrtsweg zur Gaststätte, teilweise sogar entgegen der Fahrtrichtung beparkt“, schildert Silvia Kunstmann.

Parken nur in gekennzeichneten Flächen – die gibt es allerdings gar nicht.
Parken nur in gekennzeichneten Flächen – die gibt es allerdings gar nicht. (Foto: Ingmar Nehls)

Parken nur auf Flächen, die es nicht gibt

Wie das Amt erneut informiert, ist im gesamten Dorf Neu Schönau das Parken nur in gekennzeichneten Flächen erlaubt, wie es auch auf dem Schild steht. Doch diese gekennzeichneten Flächen gibt es gar nicht.

„Aufgrund der Grundstücks- und Verkehrssituation“, teilt Silvia Kunstmann mit. Besucher des Cafés Limlaru müssen also auf dem Grundstück der Familie Henkel parken. „Dieser Umstand war den Betreibern bereits zum Zeitpunkt der Bauantragstellung bekannt“, heißt es weiter. Die örtlichen Verhältnisse und die Grundstückssituation ließen keinen weiteren Spielraum zu, wie es heißt.

Die Familie freut sich, dass ihr Café so gut besucht wird. Doch die Park-Situation sorgt weiter für Ärger.
Die Familie freut sich, dass ihr Café so gut besucht wird. Doch die Park-Situation sorgt weiter für Ärger. (Foto: ZVG/Sandra Henkel)

Dieses Verbot werde aber nicht nur bei den Cafégästen durchgesetzt, sondern auch bei Menschen, die jemanden im Dorf besuchen und nicht auf dessen Grundstück, sondern im öffentlichen Raum parken. Silvia Kunstmann: „Die Verkehrsregeln und Verkehrsschilder gelten für alle Bürger.“

Also auch für die Anwohner. „Die Kontrollen werden sporadisch durchgeführt, ohne vorherige Ankündigung, sonst würde der Regelungscharakter verloren gehen. Auch an Feiertagen sind Kontrollen möglich und auch notwendig, ohne vorherige Ankündigung“.