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Fischer setzen Aal-Babys aus – aus diesem Grund auch in der Müritz

Waren/Wesenberg / Lesedauer: 2 min

Wer vernünftig fischen will, muss sich auch um gesunde Fischbestände kümmern. Der Landesverband der Binnenfischer hat jetzt über zwei Millionen Jung-Aale ausgesetzt.
Veröffentlicht:13.02.2024, 12:06

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Sie sehen aus wie halb durchsichtige, dünne Regenwürmer, aber sie sind sehr viel wertvoller: Die Glasaale, von denen die Fischer in diesen Tagen landesweit mehr als zweieinhalb Millionen in die verschiedenen Gewässer einsetzen. Rund die Hälfte davon wird in der Müritz angesiedelt. Weitere wurden zudem in Gewässer der Kleinseenplatte rund um Mirow und Wesenberg gesetzt.

Von französischen Fischern gefangen

Dass die Baby-Aale, die zu dritt gerade mal ein Gramm auf die Waage bringen, als Glasaale bezeichnet werden, ist einfach erklärt. Bei näherer Betrachtung sind die inneren Organe zu erkennen. Mehr als 200 Euro kostet ein Kilo dieser Minifische, wenn sie in so gutem Zustand sind wie jene, die Martin Bork von der Wesenberger Seenfischerei „Obere Havel“ ins Wasser entlässt.

Die Jungfische sind recht kregel und haben die Reise in die Müritzregion augenscheinlich problemlos überstanden. Sie wurden von französischen Fischern mit einer schonenden Methode in der Biscaya gefangen und über Frankreich nach Deutschland an die Müritz gebracht. Insgesamt gibt es landesweit vier Übernahmeorte, an denen die Fischer ihre lebendige Ware übernommen haben. Sie ist als besonders nachhaltig zertifiziert, wie Bork verlauten lässt. Hauptumschlagplatz ist dabei der Sitz der Müritzfischer in Waren. Denn jedes zweite der rund 2,6 Millionen Aalbabys, die die Fischer haben anliefern lassen, wird in der Müritzregion ausgesetzt. Das sind fast 400 Kilogramm winziger Aale, die auf die Gewässer verteilt werden.

Orte werden genau festgelegt

Organisiert wird das kollektive Verfahren der Stärkung des Aal-Nachwuchses vom Landesverband der Binnenfischer. Gestützt wird es finanziell zu 30 Prozent vom Land und zur Hälfte von der Europäischen Union. „So können wir den Fischerinnen und Fischern die Möglichkeit bieten, immerhin 80 Prozent der Maßnahme gefördert zu bekommen“, erläutert Bork, der 2021 den Posten als Präsidenten des Binnenfischereiverbandes MV übernommen hat.

Gebiete von der Landesforschungsanstalt festgelegt

Ein Fünftel müssen die Fischer selbst aufbringen, als Investition in die Zukunft der Aalfischerei. Die idealen Gebiete für die Aussetzung der Aale wurden zuvor von der Landesforschungsanstalt festgelegt. Je nach Wassertiefe wurde auch eine Besatzgröße bestimmt, also die optimale „Bevölkerungsdichte“, die von den Fischern beim Einsetzen vom Normalfall auch voll genutzt wird. Denn ein nicht unerheblicher Teil des eingesetzten Fischnachwuchses überlebt nicht, weil er beispielsweise Raubfischen zum Opfer fällt.

Die Überlebenden dürfen sich dann zehn bis 15 Jahre lang im Wasser aalen, bis sie auf einem Teller landen. Langfristige Verträge mit dem Land sichern den Berufsfischern dabei die Grundlage. „Insofern ist das, was wir hier tun, buchstäblich eine Investition in die Zukunft“, betont Bork.