Nationalsozialismus

Gedenken und Protest in Waren bleiben friedlich

Waren / Lesedauer: 2 min

Einen Tag nach dem offiziellen Gedenktag für die Opfer der NS-Diktatur gedachte Waren am Samstag der Menschen aus ihrer Stadt, die auch ein solches Schicksal erlitten haben.
Veröffentlicht:28.01.2023, 14:34
Aktualisiert:28.01.2023, 14:37

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Zum ersten Mal seit Pandemie-Beginn luden der Präsident der Stadtvertretung, der Bürgermeister der Stadt und der Bund der Antifaschisten wieder zu einer Gedenkveranstaltung ein, um das Andenken an die Opfer des Nationalsozialismus feierlich zu würdigen.

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Der Saal im Jugendzentrum JOO! war am Sonnabend bis auf den letzten Platz besetzt. Nach einem kurzen Grußwort von Bürgermeister Norbert Möller hielt der CDU-Stadtvorsitzende und Stadtvertreter Christian Holz eine Gedenkrede.

Dabei betonte er, dass Erinnern wichtig sei: „Nur wer seine Vergangenheit kennt, kann aus ihr lernen und in der Zukunft einmal begangene Fehler vermeiden.” Dennoch betonte Holz, dass seine Generation, die Jugend der 1990er, bereits vor Jahren zu dem Schluss gekommen sei, keine Mitschuld an den Opfern des Nationalsozialismus zu tragen. Dennoch sei es wichtig, nicht zu vergessen, dass es in Waren ebenfalls solche Opfer gegeben habe.

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Beispielhaft griff er das Schicksal des Lehrers und Ausbilders Friedrich Schwarz aus der Mozartstraße auf, der sich nach Stalingrad kritisch geäußert hatte und nach Denunziation durch Kollegen im November 1943 hingerichtet worden war.

Im Anschluss zogen die Anwesenden ans Müritzufer, wo am Gedenkstein für die Ermordeten des Konzentrationslagers Retzow von verschiedener Seite Kränze und Blumengebinde niedergelegt wurden. Stadtpräsident Rüdiger Prehn zitierte unter anderem aus dem Gedicht „Kinderschuhe aus Lublin” von Johannes R. Becher und bat um ein stilles Gedenken.

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Gleichzeitig fand an der B192 eine stille Protestkundgebung statt. Vom JOO! bis zur Hauptfiliale der Müritz-Sparkasse hatten sich auf Einladung der Initiative „Menschlich Stark Miteinander” rund 400 Menschen versammelt. Sie bildeten eine Menschenkette und protestierten auf Plakaten und Spruchbändern unter anderem gegen Waffenlieferungen in die Ukraine. Alle Veranstaltungen verliefen nach Polizeiangaben friedlich.