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Restaurierung

Instrumenten-Königin wieder in voller Schönheit 

Groß Dratow / Lesedauer: 3 min

Die Orgel in der Kirche Groß Dratow war schon 160 Jahre alt. Zeit, um mal ein paar Sachen machen zu lassen. Die Reparatur war ein Abenteuer.
Veröffentlicht:05.02.2024, 12:33

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Die Kirchengemeinde Groß Dratow freut sich über eine frisch restaurierte Orgel. Am Sonntag wurde sie feierlich mit einem Gottesdienst und einem kleinen Fest wieder in Dienst genommen. Pastorin Gesine Isbarn ist begeistert. „Ich freue mich über die aufwendig restaurierte Orgel. Sie hat jetzt wieder einen neuen und grandiosen Klang. Sie ist ein Schatz für uns alle“, sagte die Pastorin in ihrer Predigt beim Gottesdienst, den mehr als 80 Menschen besuchten. In einem Alter von 160 Jahren muss auch eine Orgel mal wieder repariert werden. So geschehen im letzten Herbst in der Kirche Groß Dratow.

Fehlende Pfeifen wieder eingebaut

Die Orgel von Friedrich Hermann Lütkemüller aus dem Jahr 1863 wurde von der Firma Mecklenburger Orgelbau Nußbücker, Inhaber Andreas Arnold, aus Plau am See grundlegend repariert. „Sie ist fast im Originalzustand“, sagt der Orgelbaumeister. „Die Prospektpfeifen mussten 1917 abgegeben werden zur Munitionsgewinnung und sind danach aus Zink nachgebaut und eingebaut worden“. Zwei Register waren vor Jahren ausgebaut worden und haben zum Teil im Orgelmuseum in Malchow im Depot gelegen.

Diese Originalpfeifen wurden wieder eingebaut. „Sie sollten nicht rumliegen, sondern wieder klingen“. Da waren sich Andreas Arnold und Friedrich Drese, der Leiter des Orgelmuseums einig. „Die zwei fehlenden Pfeifenreihen waren“, so ergänzt Friedrich Drese, „Grundregister und sehr farbige Register. Dazu kam ein hoher Verschleiß, Schmutz und Abnutzung in der Mechanik“. Das stellte er als Orgelsachverständiger des Kirchenkreises Mecklenburg zu Beginn der Restaurierung fest.

Andreas Arnold beim Feinstimmen der Orgel. Er konnte krankheitsbedingt am Gottesdienst nicht teilnehmen.
Andreas Arnold beim Feinstimmen der Orgel. Er konnte krankheitsbedingt am Gottesdienst nicht teilnehmen. (Foto: Hans-Joachim Kohl)

Am Donnerstag vor dem Fest stimmte Andreas Arnold die Orgel noch einmal nach. „Ich kann die Pfeifenmündung etwas aufmachen oder schließen“, erklärt er, „sodass der Ton höher oder niedriger wird“. Die Reparatur der Orgel entpuppte sich als ein kleines Abenteuer. „Wir haben am Anfang gar nicht so gemerkt, wie stark die Orgel durch Wasserschäden schon beeinträchtigt war. Im Nachhinein ist uns klar geworden, warum man die beiden Register herausgenommen hat. Da war Wasser hineingelaufen. Das hat auch die Windlade, also den Teil, wo die Pfeifen alle angesteuert werden, mehr in Mitleidenschaft gezogen, als man vor dem Auseinandernehmen sehen konnte“, erzählte Andreas Arnold.

Mit einem Gottesdienst wurde die Reparatur gefeiert.
Mit einem Gottesdienst wurde die Reparatur gefeiert. (Foto: Hans-Joachim Kohl)

Die Orgel in der Kirche Groß Dratow ist eine „typische“ Lütkemüller Orgel, verdeutlicht der Orgelbaumeister. „Er hat sehr solide Instrumente gebaut, auch fast kleine Serien mit seinem eigenen Stil. Seine Orgeln sind zuverlässig und haben einen schönen, romantischen Klang“, sagte Arnold. Sie ist eine Orgel von mittlerer Größe, die er in vielen Dorfkirchen gebaut hat, grundsolide.

Langjährige Kantorin: "Es klang jammervoll"

Auch Dorothea Haack war beim Gottesdienst dabei. Sie war seit 1968 über 40 Jahre Kantorin und Katechetin in der Gemeinde. „Die Orgel war in fürchterlichem Zustand. Wir hatten keine Mittel und konnten nichts machen. Auf dem Wenigen, was in der Orgel ging, habe ich gespielt, aber es klang jammervoll“, erzählte sie.

Die Reparatur hat etwa 28.000 Euro gekostet. Das Landesamt für Denkmalpflege hat ein Drittel aufgebracht, ein Drittel der Kirchenkreis Mecklenburg und ein Drittel die Kirchengemeinde, unterstützt durch eine hohe Spende einer Privatperson. Einen großen Auftritt wird die Lütkemüllerorgel von Groß Dratow am 5. Mai beim diesjährigen Orgeltörn haben.