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Neue Philharmonie

Junger Trompeter spielt in der Seenplatte für sein Israel

Waren / Lesedauer: 4 min

Zum Auftakt ihrer Novembertour spielte die Neue Philharmonie MV im Bürgersaal Waren. Publikum, Musiker und Moderator waren vor allem auf ein Werk gespannt.
Veröffentlicht:08.11.2023, 15:14

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Als das große, schwere Trompetenkonzert geschafft war, reiste Ido Moran mit einer Zugabe in Gedanken noch einmal von Waren in seine Heimat, nach Israel. Der 21-jährige Jude spielte auf seiner Trompete als Solist das Lied „Elifelet“, mit dem er der gefallenen Soldaten, toten Zivilisten und gefangenen Geiseln gedachte. „Wie froh können wir sein, solch ein Konzert erleben zu dürfen, während woanders auf der Welt Krieg herrscht“, meinte eine Besucherin kurz nach der emotionalen Episode.

Start der Stadt.Land.Klassik-Tour

Natürlich stand beim Auftaktkonzert der Neuen Philharmonie MV für ihre Stadt.Land.Klassik!-Tour am Dienstagabend Ido Moran als Solist des Trompetenkonzertes B-Dur im Mittelpunkt. Das 1934 entstandene Werk des österreichischen Komponisten Karl Pilss (1902‐1979) galt über Jahrzehnte als verschollen. Lutz Schumacher, Nordkurier-Geschäftsführer, Klassik-Fan und Moderator des Abends, hatte es als junger Mann vor 40 Jahren im Radio gehört und war sofort begeistert, suchte aber vergeblich nach einer Aufnahme, wie er dem Publikum berichtete.

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Als er es vor einigen Jahren zum zweiten Mal eher zufällig hörte, begann er, nach der Partitur zu forschen. Er fand das handschriftliche Original in einem österreichischen Archiv. Allerdings waren auch die Verwertungsrechte mit den Nachfahren von Karl Pilss zu klären, was sich noch einmal über Monate hinzog. Ein bereits hochbetagter Neffe des Komponisten gab schließlich per Mail sein Okay, so dass in Waren nun quasi eine Wieder-Uraufführung gefeiert werden konnte.

Solist zeigte sich sehr bescheiden

Nach der gelungenen Vorführung des herausfordernden Stückes zeigte sich Schumacher erlöst und zufrieden. Er sei extra vorab in keine Probe gegangen. „Das Trompetenkonzert live ist nicht zu toppen. Irre!“, schwärmte er. Mindestens genauso glücklich war Ido Moran, auch wenn er sich danach äußerst bescheiden zeigte. Die Stimmung sei sehr gut gewesen. „Ich bin auch zufrieden mit mir, es kann aber immer besser sein.“ Der Applaus des Publikums und viele anerkennende Worte zeigten, dass die Besucher hin und weg waren von der unbekannten Musik. Gerne hätte Ido Moran, der seit zwei Jahren in Berlin lebt und studiert, seine Eltern als Besucher begrüßt. Doch aufgrund der Spannungen im Nahen Osten sei kein Flug möglich gewesen. Sie müssten sich leider mit einem Video zufriedengeben.

Musiker aus knapp 20 Ländern

Klaus Wellmann (83) holte sich in der Pause ein Autogramm von Ido Moran ins Programmheft. „Super, hoffentlich wird das Werk noch oft aufgeführt“, sagte der Warener. Klaus Wellmann hat als Jugendlicher selbst Trompete in einem Posaunenchor gespielt. Seit drei Jahren lebt er mit seiner Frau in Waren. „Wir sind guter Dinge, Stammgast bei den Konzerten der Neuen Philharmonie MV hier im Bürgersaal zu werden.“

Nicht nur mit dem Trompetenkonzert auch mit den anderen im aktuellen Programm gespielten Werken überzeugten die jungen Musiker aus knapp 20 verschiedenen Ländern unter der Leitung von Andreas Schulz erneut ihr Publikum. Klassik-Liebhaber, die die Neue Philharmonie MV über Jahre begleiten, können die positive Entwicklung nachvollziehen, dank derer das Orchester auch herausfordernde Stücke wie Smetanas „Moldau“, Mussorgskys „Eine Nacht auf dem kahlen Berge“, Wagners Ouvertüre zur Oper „Tannhäuser“ oder die Ungarische Rhapsodie von Franz Liszt in sehr guter Qualität spielerisch bewältigte.

Publikum erklatscht sich eine Zugabe

Zugleich hat sich das Orchester trotz wechselnder Besetzungen seine sympathische jugendliche Frische und Lockerheit bewahrt, die beim Publikum ankommt. Schließlich können die Besucher bei Andreas Schulz und seiner Neuen Philharmonie immer auch auf eine Zugabe hoffen. Das Stück „Alla Marcia“ von Jean Sibelius beschloss einen mit zweieinhalb Stunden ungewöhnlich langen aber nie langweiligen Konzertabend.

Die Neue Philharmonie MV ist mit dem aktuellen Programm einschließlich des Trompetenkonzerts, gespielt von Ido Moran, am Freitag, dem 10. November, im Historischen U in Pasewalk sowie am Montag, dem 13. November, in der Neubrandenburger Konzertkirche zu erleben. Beginn jeweils um 19 Uhr. Karten für Pasewalk in der Stadtinformation und an der Abendkasse, für Neubrandenburg unter anderem im Neubrandenburger Medienhaus des Nordkurier (Engels-Ring 29) und telefonisch 0395 35116133