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Investition Seenplatte

Muss eine Straßenmeisterei mehr als 5 Millionen Euro kosten?

Altentreptow / Lesedauer: 2 min

Das Kreis-Bauamt will in kaputte Kreisstraßen investieren und ein marodes Gebäude neu bauen. Doch bei der Vorstellung des Projekts gab es auch Kritik.
Veröffentlicht:28.02.2022, 10:14

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Das Bauamt der Mecklenburgische Seenplatte will künftig kräftig in die drei Standorte ihrer Kreisstraßenmeistereien investieren, etwa um Pflegearbeiten weiter selbst vornehmen zu können und nicht zu stark von teuren Dienstleistungen abhängig zu sein. Bauamtsleiterin Annette Böck-Friese präsentierte dem Ausschuss für Kreisentwicklung nun bereits das erste große Projekt: Am Standort Altentreptow soll noch in diesem Jahr mit dem Bau einer neuen Straßenmeisterei begonnen werden.

„Der Neubau ist deutlich günstiger als eine Sanierung“, erklärte Böck-Friese. Die Anlage sei völlig marode. Zum Teil müssten andere Räume angemietet werden, um Aufgaben erfüllen zu können. „Die Substanz ist komplett am Ende.“ Schon im September 2022 soll mit dem Bau begonnen werden. Im Sommer 2025 könnte die neue Straßenmeisterei nach Ansinnen des Bauamtes fertig sein. Insgesamt soll das Projekt 5,4 Millionen Euro kosten.

Garagen, Salzhallen und Leitstelle geplant

Das stieß bei der Vorstellung nicht überall auf Gegenliebe. „Für mich ist diese Investition überzogen“, sagte Kreistagsmitglied Maik Michalek (Die Linke). Für die 15 Personalstellen vor Ort hätten kostengünstigere Maßnahmen ausgereicht. Annette Böck-Friese hielt wiederum dagegen, dass ein umfangreicher Komplex benötigt werde. So seien etwa Garagen für die Fahrzeuge, Salzhallen, ein Sozialgebäude und eine Leitstelle geplant.

Auch der zuständige Dezernent Torsten Fritz (CDU) versicherte, dass dort kein Schloss, sondern nur das Nötigste entstehe. Der Ausschussvorsitzende Wolf-Dieter Ringguth (CDU) verwies überdies auf die aktuellen Baupreise. Entsprechende Kosten sind aus seiner Erfahrung nicht ungewöhnlich. Der sachkundige Einwohner Martin Kaiser (Bündnis 90/Die Grünen) stellte klar, dass solche Investitionen nicht vermieden werden können, wenn man Straßen in einem guten Zustand halten möchte.

Investitionsstau von 200 Millionen Euro

Das Bauamt will darüber hinaus auch wieder Geld zur Sanierung der Kreisstraßen in die Hand nehmen. Fast 18 Millionen Euro sollen laut aktuellem Haushaltsplan für Straßenbaumaßnahmen investiert werden. Schließlich muss die Verwaltung mächtig aufholen.

Der Investitionsstau beträgt schätzungsweise 200 Millionen Euro – und darin sind zahlreiche Schäden, etwa an Brücken, gar nicht einberechnet. Einen Zustand mit nur heilen Straßen im Landkreis wird es wohl nie geben. Schließlich werde der Investitionsstau nach Böck-Frieses Einschätzung nicht innerhalb der durchschnittlichen Lebensdauer einer Straße von rund 30 Jahren aufgeholt. Immerhin investiere das Bauamt mehr als in den Vorjahren – und genug, um Rückstände abzubauen.