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Förderung

MV will Gelder für Jugendfreizeiten massiv kürzen

Waren / Lesedauer: 3 min

Ferienfreizeiten sind prägende Räume für Kinder und Jugendliche. Künftig soll es dafür weniger Geld vom Land geben. Viele Familien werden sich das dann nicht mehr leisten können.
Veröffentlicht:21.11.2023, 06:42

Von:
  • Michael Grote
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Der Landesjugendring und die Jugendherbergen schlagen Alarm: Sie fürchten, dass sich in Zukunft weniger Familien eine Ferienfreizeit für ihren Nachwuchs mit dem Sportverein oder einer Jugendgruppe werden leisten können. Der Grund: Nach aktuellem Planungsstand im Schweriner Sozialministerium wird die Förderung von Ferienfreizeiten ab Januar 2024 auf 2,50 Euro beziehungsweise 10 Euro (für junge Menschen, die in ihren Chancen und Möglichkeiten zur sozialen Teilhabe eingeschränkt sind) pro Tag und Teilnehmende festgelegt.

Damit sinkt die Förderung, die im Rahmen des „Aufholen-nach-Corona-Pakets“ temporär auf 15 Euro bzw. 25 Euro pro Tag und Teilnehmende angehoben wurde, auf die vor der Pandemie gültigen Sätze.

27,50 Euro weniger als in Brandenburg

„Durch diese zusätzliche Förderung konnten die Jugendverbände auskömmliche Freizeiten mit abwechslungsreichen Programmen durchführen und dabei moderate Beiträge erheben“, teilt Johannes Beykirch, Vorstandssprecher des Landesjugendrings M-V. mit. „Der tiefe Fall der Ferienfreizeiten auf den alten Fördersatz von 2,50 Euro pro Tag und Teilnehmenden stellt die Jugendverbandsarbeit vor Herausforderungen, von denen wir nicht wissen, wie wir sie lösen können.“ 

Für Beykirch seien Ferienfreizeiten ein zentraler Bestandteil jugendverbandlicher Arbeit. Diese niedrige Fördersumme hätte zur Folge, dass die Beiträge für Ferienfreizeiten eine Höhe erreichen, die sich viele Familien in Mecklenburg-Vorpommern nicht mehr leisten könnten. „Unsere Freizeiten sind nicht auf finanziellen Gewinn ausgerichtet, sondern darauf, den jungen Teilnehmenden unvergessliche Erfahrungen zu ermöglichen. Und das wollen wir allen ermöglichen, ganz egal, wie viel Geld die jeweilige Familie hat“, so Beykirch.

Im Ländervergleich bildet Mecklenburg-Vorpommern damit bei der Förderung von Ferienfreizeiten und außerschulischen Bildungsmaßnahmen das Schlusslicht. So werden beispielsweise in Brandenburg für Bildungsmaßnahmen im Freizeitbereich 30 Euro pro Tag und Teilnehmer gefördert, unabhängig vom sozialökonomischen Hintergrund der Familien. Das bedeutet, dass in Mecklenburg-Vorpommern 27,50 Euro weniger Förderung für jeden Tag pro Teilnehmenden zur Verfügung stehen.

Immer mehr Elternhäuser brauchen Unterstützung

Der Landesjugendring Mecklenburg-Vorpommern sowie der DJH-Landesverband M-V werben bei der Landesregierung dafür, die Fördersätze des „Aufholen-nach-Corona-Paketes“ beizubehalten. Sie seien notwendig, um bei den aktuellen Preisentwicklungen die Elternhäuser nicht zu überlasten. Eine ausreichende Finanzierung für einzelne Teilnehmer ist ohnehin nicht gegeben. Mehrbedarf kommt aber zum Tragen, weil die auf Teilhabefinanzierung angewiesenen Elternhäuser immer mehr werden.

„Der Bedarf für Gruppenfahrten und die Entschlossenheit der Träger, diese durchzuführen, ist ungebrochen“, ist Kai-Michael Stybel sicher. Der Vorstand des DJH-Landesverbands Mecklenburg-Vorpommern fordert daher „eine bedarfsgerechte Förderung für Kinder und Jugendliche und für Jugendhilfeträger, die für ihre Jugendarbeit unsere Häuser nutzen. Die Verantwortung liegt in staatlicher Für- und Vorsorge, denn schließlich wollen wir alle eine für die Zukunft gestärkte Jugend. Weniger Fahrten schwächen die Trägerstrukturen und werden dazu führen, dass Angebote trotz steigenden Bedarfs für immer aufgegeben werden. Ein Teufelskreis mit schweren Folgen für die Zukunft.“ 

Verhalten optimistisch zeigt sich hingegen Cornelia Eckhardt, Leiterin der freien Jugendherberge in Malchow. Sie geht davon aus, dass ihr Haus dank einer auf Gruppen mit geringerem Etat ausgerichteten Preisgestaltung in der kommenden Saison keine deutlichen Einbußen erleiden wird. „Das wird andere Einrichtungen, bei denen für einen Tag mit Vollpension pro Kind im Rahmen einer Gruppen- oder Klassenreise bis zu 50 Euro berechnet wird, gewiss härter treffen“, glaubt sie.