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Panne und Nachbarärger – Café-Eröffnung bei Waren sorgt für Konflikte

Neu Schönau / Lesedauer: 4 min

Das Café hat offenbar so viele Müritzer angelockt, dass die Parkplätze knapp wurden, was zum Streit mit Anwohnern führte. Es war nicht das einzige Start-Problem.
Veröffentlicht:28.11.2022, 11:57
Aktualisiert:28.11.2022, 12:03

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„Dafür muss es Lösungen geben. Dafür wird es Lösungen geben”, sagt Sandra Henkel einen Tag nach der Eröffnung des kleinen Land-Cafés “limlaru” in Neu Schönau voller Zuversicht. Die Familie blickt nach vorn, auch wenn es am ersten Advent neben vielen Glückwünschen auch Gegenwind gegeben hat. Denn neugierig auf das Familienprojekt hatten sich ganz viele Müritzer zur Eröffnung auf den Weg gemacht. Diesem Ansturm waren die Gastro-Neulinge nicht gewachsen und dann kam auch noch ein technisches Problem mit großen Folgen dazu.

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„Wenige Minuten vor der Eröffnung ist die Kaffeemaschine ausgefallen und wir mussten den Kaffee mit der Hand filtern. Der Ansturm war so groß, dass wir unsere Gäste nicht so bedienen konnten, wie wir es uns in unserer Vorstellung ausgemalt haben. Dafür möchten wir uns nochmals entschuldigen. Wir werden fieberhaft an unseren Missgeschicken arbeiten, lieb gemeinte Hinweise unserer Gäste aufnehmen und alles dafür tun, dass es am nächsten Sonntag viel besser klappt”, sagt Sandra Henkel.

Gäste sind wieder weggefahren

Von den Gästen habe sie erfahren, dass es aufgrund der Parkplatzsituation zu Auseinandersetzungen mit Nachbarn gekommen sei. Einige Gäste hätten sogar wieder kehrtgemacht. „Dafür möchten wir uns zunächst auf beiden Seiten entschuldigen. Auf der einen Seite möchten wir auf gar keinen Fall, dass sich unsere Nachbarn durch unser Café gestört fühlen, auf der anderen Seite soll niemandem, der uns besuchen möchte, der Weg versperrt werden”, sagt Sandra Henkel.

Das Café ist für die Familie eine Herzensangelegenheit, denn eine der Töchter hat das Down Syndrom. Häufig habe die Familie deshalb Ausgrenzung gespürt, böse Blicke und Abneigung, sodass sie irgendwann den Rückzug angetreten und sich häufig gar nicht mehr getraut haben, in die Öffentlichkeit zu gehen. Selbst das Einkaufen sei oft eine Qual gewesen.

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Genau darum wollten sie mit ihrem Café einen Ort erschaffen, an dem wirklich jeder willkommen ist und jeder sich wohl fühlen darf. „Wir können einfach nur um Verständnis bitten, um ein friedliches Miteinander auf beiden Seiten. Unsere Welt hat gerade große Probleme. Vielleicht können wir sie ein kleines bisschen besser machen, wenn wir miteinander reden. Damit meinen wir auch uns als Familie. Wir machen Fehler, wir haben nicht alles bedacht – das wird auch in Zukunft so sein. Es ist unmöglich, es jedem recht zu machen”, sagt Sandra Henkel.

Nachbarn öffnen Café-Betreibern nicht die Tür

Nachdem sie nach der Eröffnung am frühen Abend ihr Café geschlossen haben, ließen sie den ganzen Abwasch stehen und liegen und machten sich auf den Weg zu den Nachbarn, die sich gestört gefühlt haben. „Leider hat uns niemand die Tür geöffnet”, bedauert Sandra Henkel.

Einige Gäste hätten sich beim Anblick der Caféeinrichtung an den kleinen Laden aus dem Film “Chocolat” erinnert. Auch in dem Film gab es Konflikte und der Nordwind wollte die Besitzerin so manches Mal vertreiben. „Wir verspüren gerade diesen Nordwind. Wer diesen Film kennt, weiß aber auch, wie er ausgeht. Am Ende feiern Nachbarn und Gäste gemeinsam ein Fest und tanzen zusammen”, lautet die Hoffnung von Sandra Henkel und ihrer Familie.

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Das “limlaru” ist zunächst an den Adventssonntagen von 14 bis 18 Uhr und für angemeldete Feiern geöffnet. Bis zu 50 Gäste finden Platz auf den Stühlen und Sofas, die alle einzigartig sind und zusammen ein besonderes Ambiente ergeben. Im Dezember wird die erste Hochzeit im Café stattfinden und auch der Ofen im Garten könnte bald für Pizza-Abende heiß laufen. Ideen gibt es ohne Ende, aber alles soll sich langsam entwickeln und richtig anfühlen.