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Projekt ohne Zukunft?

Schwimmhalle in Waren aus Haushalt gestrichen

Waren / Lesedauer: 3 min

Bei kaum einem anderen Thema schlugen die Wellen in Waren so hoch. Doch um die Schwimmhalle ist es still geworden.
Veröffentlicht:08.02.2024, 06:06

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Bekommt Waren eine Schwimmhalle? Die Chancen dafür sind nun weiter gesunken. Denn wie Warens Bürgermeister Norbert Möller (SPD) dem Nordkurier sagte, sollen die bisher zurückgestellten Gelder für Planungskosten aus dem Haushalt gestrichen werden. Laut Möller handelt es sich um eine Summe von etwa 180.000 Euro. "Das wäre auch nicht begründbar, dass sie im Haushalt stehen, weil es dafür keine Erklärung gibt", sagte Möller. Im Klartext: Die Stadt kann kein Geld für etwas zurücklegen, was sie selbst in absehbarer Zeit auch nicht plant oder baut. 

Sollte sich ein Investor finden, der eine Schwimmhalle vor allem in Verbindung zur Thermalsole bauen möchte, wäre die Verwaltung offen für Gespräche. "Angesichts der Energiekosten ist es allerdings schwierig, einen Investor zu finden", sagte Möller.

Schon lange heiß diskutiert

Eine Schwimmhalle für Waren zusätzlich zur Therme in Röbel ist schon seit vielen Jahren ein heiß diskutiertes Thema, das zuletzt allerdings abkühlte. Vor allem Toralf Schnur (FDP) hatte stets intensiv für das Projekt geworben und auch im Bürgermeisterwahlkampf 2020 erklärt, dass er eine Schwimmhalle bauen will. Im Frühjar 2021 hatten sich die Stadtvertreter mehrheitlich für das Gelände des Kurparks auf dem Nesselberg nahe des Kurzentrums als möglichen Standort für eine Schwimmhalle festgelegt.  Kritik gab es jedoch von den Grünen, die von einem Luftschloss sprachen und sich angesichts der zu erwartenden Kosten für die Betreibung nicht an einer Standortdiskussion beteiligen wollten.

So teuer würde das Projekt werden

Knapp 20 Millionen Euro müsste die Stadt Waren ausgeben, wenn sie sich eine Schwimmhalle gönnt, hieß es vor drei Jahren. Diese Summe ging aus einer Wirtschaftlichkeitsuntersuchung hervor, die die Stadt auf Wunsch der Stadtvertreter bei der Partnerschaft Deutschland GmbH in Auftrag gegeben hatte. Den Stadtpolitikern schwebte ein Gebäude mit sechs Schwimmbahnen mit je 25 Metern, ein Thermalsolebecken, ein Saunabereich und ein Gastronomieangebot vor.  Neben den Baukosten von 20 Millionen würden Nutzungskosten von jährlich etwa 1,18 Millionen Euro hinzukommen. Die Ersteller der Untersuchung hatten empfohlen, das Projekt nicht selbst zu realisieren, sondern eine Projektgesellschaft beziehungsweise  Pächter einzubinden, was einen Wirtschaftlichkeitsvorteil bringen würde.

Hoffnungen auf ein anderes Vorhaben gehegt

Genau diese Strategie hatte die Stadt lange verfolgt und die Hoffnungen auf das 90-Millionen-Euro-Projekt Aqua Regia Park mit einem 35 Meter hohen Tauchturm, Pferdestall, 140-Zimmer-Luxushotel, Veranstaltungszentrum, Therapie- und Wellnessangebote gesetzt.  Wie bekannt ist, passierte nach den ersten Plänen von 2015 nichts. Außer, dass der angebliche Investor Gregor Schmidt immer wieder Zeit rausschlug, die Stadt verklagen wollte und sich zuletzt auch nicht mehr meldete. Außer Gras hat sich nach dem Aqua-Regia-Flop noch nichts entwickelt auf dem 74.000 Quadratmeter großen Filetstück, das damals für knapp zwei Millionen Euro über den Ladentisch gehen sollte.

Und wie sieht es mit dem Gesundheitsquartier aus?

Der letzte Stand der Verwaltung war die Idee, dort ein Gesundheitsquartier zu entwickeln. Im Bereich der Gesundheitswirtschaft und im Pflegebereich, der jetzt schon der größte Wirtschaftszweig in Waren ist, würden weitere Entwicklungschancen bestehen. Seit 2014 habe sich die Zahl der Arbeitsplätze um 4,1 Prozent (+416 Arbeitsplätze) erhöht. Den höchsten absoluten Zugewinn verzeichnete laut Verwaltung der Wirtschaftszweig Gesundheits- und Sozialwesen mit 296 Arbeitsplätzen, gefolgt vom Wirtschaftszweig Gastgewerbe mit 143 Arbeitsplätzen. Die meisten Arbeitsplätze in Waren entfielen im Jahr 2021 mit einem Anteil von 26 Prozent auf den Wirtschaftszweig Gesundheits- und Sozialwesen (2734 Arbeitsplätze).