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Festival in Lärz

So geht die Fusion mit dem Konsum von Drogen um

Lärz / Lesedauer: 4 min

Die Party in Lärz hat Fahrt aufgenommen. Dass dort Drogen konsumiert werden, ist kein Geheimnis. Nun äußerten sich die Veranstalter - auch zum Tod der 13-Jährigen aus Altentreptow.
Veröffentlicht:29.06.2023, 12:06

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Es ist längst kein Geheimnis, dass auch auf der Fusion immer wieder Drogen konsumiert werden. Der Geruch von Marihuana ist im Menschenmeer vielfach wahrnehmbar.

„Wir haben mündige Gäste‟

Dass aber das Festival aufgrund eines Vorfalls in Altentreptow, bei dem jetzt ein 13–jähriges Mädchen augenscheinlich am Konsum einer hoch gefährlichen Pille mit Namen „Blue Punisher“ gestorben ist, mit diesem tragischen Ereignis in Verbindung gebracht und auf das Thema reduziert wird, dagegen verwahren sich nicht nur die Festivalmacher, sondern auch viele Besucher.

So meldete sich der Kulturkosmos-Vereinschef Martin Eulenhaupt mit einem O-Ton auf Nachfrage des Nordkurier zu Wort. Bei aller Tragik und Relevanz, die der Vorfall in Altentreptow berge, wolle er nicht, „dass das Festival in den Medien jetzt darauf fokussiert wird‟, was anscheinend gerade geschehe.

„Wir haben ein erwachsenes Publikum und befürchten nicht, dass es bei uns in dieser Richtung Probleme gibt, dazu existieren auch keine Erkenntnisse‟, so Eulenhaupt weiter. „Wir haben eine sehr gute Struktur zur Vorsorge, Infolage, und wir haben mündige Gäste. Wir gehen also nicht davon aus, überdosierte Jugendliche zu bekommen, die durch das Festival gesundheitliche Schäden davon tragen.‟

Drogenberatung und Drogenhilfe vor Ort

So sehen das auch viele Besucher: „Ich selbst brauche keine Drogen, aber wenn hier welche genommen werden, dann geschieht das in einem sehr geschützten Raum und, ich möcht‘ sagen, auch bei den meisten sehr verantwortungsbewusst“, heißt es — darauf angesprochen — von Miriam (26) und ihren Studienfreunden, die aus Berlin, Dresden, Köln und Leipzig, nach Lärz gereist sind und nicht das erste Mal beim Festival dabei sind. „Und hier gibt es gute Aufklärung und vor allem Leute, die vom Fach sind“, sagt Michael, der selbst schon Ü50 ist und als Vater sich doch so seine Gedanken macht.

Eine Einstellung, die auch beim Eclipse–Zelt ablesbar ist. Am Infostand der „akzeptierenden“ Drogenberatung und Drogenhilfe, die in jedem Jahr bei der Fusion als Anlaufstelle zugegen ist, setzt man vor allem auf Aufklärung. Dabei sind es meist Leute, die sich hier im Verein engagieren, die selbst schon Erfahrungen mit Drogen gemacht haben und anderen damit qualifizierteren Rat und auch Hilfe geben können — manchmal mehr, als es manche staatliche Drogenberatungsstelle leisten kann.

Aber vor allem wird auch vor dem Risiko gewarnt, wie im Dämmerlicht der Nacht am grell beleuchteten „schwarzen Brett“ erkennbar ist. „Jede Einnahme birgt ihr Risiko“, steht da, auch wenn es Unterschiede gäbe. „Informiert Euch gut, möglichst auch aus mehreren Quellen“, ist weiter an der Pinnwand zu lesen.

Auf Liegen in Obhut genommen

In einer Art Schautafel kann jeder, der sich für das Thema interessiert, herausfinden, welche Substanzen es gibt, welche Formen davon irgendwie in Umlauf geraten und vor allem auch, welche davon besonders gefährlich sind — erst recht als Kombination, wenn mehrere Substanzen gleichzeitig eingenommen werden. Alles ist farblich markiert, rot steht für tödliche Gefahren, höchste Warnstufe!

Aber es gibt bei Eclipse auch ganz praktische Hilfe. Wer neben sich steht, kann im Zelt auf vorbereiteten Liegen in Obhut genommen werden, bis er das Gröbste überstanden. „Leute, passt aufeinander auf“, heißt eine Devise.

Mediziner-Team steht für Notfälle bereit

Dass das Drogen–Thema auf dem Fusion–Festival, bei dem aus allen Ballungsräumen Menschen einströmen und auch gewisse Gewohnheiten mitbringen, von Anfang an präsent ist und dementsprechend ernst genommen wird, zeigt sich ebenso an der medizinischen Versorgung vor Ort.

So ist ebenfalls seit Jahren das Team um Dr. Gernot Rücker zugegen, Notarzt der Unimedizin Rostock. Er und seine Crew, bestehend aus jungen oder angehenden Medizinern, sind darauf spezialisiert, schwere Fälle, die es ganz sicher als Begleiterscheinung eines der schönsten Festivals Deutschlands auch gibt, sicher zu umsorgen und in einer eigens eingerichteten Krankenstation, und mit sämtlichen Apparaturen ausgestattet, vor Ort vor Schlimmerem zu bewahren.