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Förderprogramm

Stadt an der Müritz will ihren Wald mit Geld vom Bund umbauen

Waren / Lesedauer: 4 min

Wenn Waren bestimmte Flächen unter Schutz stellt, fließt jährlich ein sechsstelliger Betrag vom Bund. Doch der hat für die Förderung auch Forderungen. Lohnt sich das?
Veröffentlicht:12.01.2023, 06:19

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Die Stadt Waren an der Müritz möchte die Entwicklung und Bewirtschaftung ihrer Waldflächen im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte noch stärker an den Klimawandel anpassen. Was die beiden Stadtförster dafür tun wollen und warum sich das sogar für die Stadtkasse lohnen könnte, erklärten Christian Albrecht und Arne Strasen jetzt bei der Sitzung des Warener Umweltausschusses.

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Zehn Jahre lang eine jährliche Finanzspritze

Denn es gibt Geld vom Bund, um die Wälder auf veränderte Klimabedingungen einzustellen. Und die Warener Verwaltung hat einen Antrag auf solche Mittel gestellt. „Über diese Förderung werden wir in die Lage versetzt, ohne finanziellen Mehraufwand viele fachlich richtige und notwendige Maßnahmen zur Verbesserung der Resilienz unserer Wälder gegenüber dem Klimawandel durchzuführen oder anzustoßen und nach der festgelegten Bindefrist einer Evaluierung zu unterziehen“, sagte Arne Strasen.

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Grob kalkuliert könne die Stadt über einen Zeitraum von zehn Jahren mit Zuwendungen von jährlich135 000 Euro rechnen. Dies wären Mehreinnahmen zwischen 13,50 Euro und 15 Euro pro Festmeter Holz bei 9000 bis 10 000 Festmetern Jahreseinschlag. Verbunden mit der Förderung sind aber auch einige Forderungen.

Viele Kriterien werden bereits erfüllt

Die festgelegten Kriterien dieser Richtlinie würden deutlich über die Standards der aktuellen Zertifizierung hinausgehen, sich aber in vielen Bereichen mit der aktuellen Bewirtschaftung oder mit den geplanten Bewirtschaftungsänderungen nach dem neuen Waldbewirtschaftungskonzept der Stadt Waren decken.

Hinter vielen Punkten könne also bereits ein Häkchen gesetzt werden – wie Vorausverjüngung, Vorrang von Naturverjüngung, künstliche Verjüngung nach Baumartempfehlung, Zulassen von Sukzessionsstadien, Erhalt und Erweiterung der Baumartendiversität, Verzicht auf Kahlschläge über 0,3 Hektar, Totholzanreicherung, Verzicht auf Düngung und Pflanzenschutzmittel, Maßnahmen zur Wasserrückhaltung.

Besondere Bäume sollen gekennzeichnet werden

Arbeit kommt auf die beiden Förster aber zu, wenn sie der Forderung nachkommen und fünf Habitatbäume pro Hektar kennzeichnen. Habitatbäume sind lebende oder tote Bäume, die aufgrund besonderer Strukturen einen hervorgehobenen Wert als Lebensraum haben. Ausgewiesene Habitatbäume verbleiben dauerhaft im Bestand und werden nicht gefällt. Bei einer Gesamtfläche von 1840 Hektar haben die Stadtförster für die Kennzeichnung etwa 900 Stunden kalkuliert. Dafür würden sie gerne Studierende der Forstwirtschaft beauftragen, was aber geschätzte Kosten von 27 000 Euro erzeugen würde.

Fraktionsmitglied will das Geld sparen

Das Geld könne sich die Stadt sparen, wenn die Förster selbst die Kennzeichnung übernehmen, was durchaus zumutbar wäre, meint FDP/MUG-Mitglied Carsten Schütze und bot an, den Job im Zweifel für weniger als die Hälfte zu erledigen.

Die Kennzeichnung der Habitatbäume ist aber nicht der einzige Kritikpunkt, den Schütze hat. Es gebe noch Redebedarf über einige Details, denn immerhin gehe es um eine Richtungsentscheidung für die nächsten Jahre, mahnte der Fachmann der FDP/MUG-Fraktion.

Diskussion um Abstand zwischen Rückegassen

Besonders bei dem vorgeschriebenen Rückegassenabstand von 40 Metern bei Neuanlagen gehen die Meinungen auseinander. Standardmäßig wurde in den vergangenen 20 Jahren im Stadtwald überwiegend mit einem Rückegassenabstand von 20 Metern gearbeitet. „Dies hat den technologischen Vorteil, dass sowohl der Einschlag als auch die Rückung vollmechanisiert durchgeführt werden können – aufgrund der Kranreichweite der Maschinen. Für den Wald als biologisches System ist ein größerer Gassenabstand aber definitiv vorteilhafter. Besonders unter dem Eindruck der vergangenen Dürrejahre haben wir im Stadtwald begonnen, mit 40 Meter-Abständen zu arbeiten und Erfahrungen zu sammeln. Mittelfristiges Ziel sollte es sein, standardmäßig auf einen Gassenabstand von mindestens 40 Metern zu gehen“, sagte Christian Albrecht.

Größere Abstände, höhere Kosten

Größere Abstände sorgen allerdings für höhere Kosten beim Einschlag und der Rückung, weil die vollmechanisierte Holzernte dann nur eingeschränkt oder in Kombination mit manuellen und teilmechanisierten Arbeitsverfahren möglich ist. In Abhängigkeit der Standorte würden die Kosten um 5 bis 15 Euro pro Festmeter steigen.

Förderung ist noch nicht im Etat 2023 drin

Im Haushaltsplan 2023 konnte die Förderung noch nicht eingestellt werden, da der Antrag erst ab dem 1. Januar gestellt werden konnte. Die Fördermittel seien begrenzt und werden nach dem „Windhundprinzip“ ausgegeben, hieß es. Also wer als Erster kommt, der mahlt sozusagen zuerst. Vielleicht hat Waren Glück.