StartseiteRegionalMüritzÜberleben wird für Zirkusleute zum Drahtseilakt

Weihnachtsvorstellungen abgesagt

Überleben wird für Zirkusleute zum Drahtseilakt

Wredenhagen / Lesedauer: 4 min

Zirkusfamilien sehen dem Weihnachtsfest ohne rechten Frohsinn entgegen. Vorstellungen wurden wegen Corona abgesagt. Einnahmen fehlen, Tiere brauchen trotzdem Futter.
Veröffentlicht:23.12.2021, 14:49

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Angelo Madel vom Zirkus Barlay hatte in den vergangenen Tagen – genau wie seine Familie – viele Gründe, sich zu bedanken. Nachdem die Notlage des Zirkus bekannt geworden war, gingen neben mehreren Geldspenden auch Sachspenden ein. Auf dem Konto ist ein kleinerer dreistelliger Betrag eingegangen, ein Landwirt aus der Region brachte je sechs Ballen Heu und Stroh. Mit dieser Futterreserve können Madels für sechs Tage einen Großteil des Futterbedarfes der 28 Tiere decken.

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Kein Weihnachtszirkus

„Wir brauchen täglich je einen Ballen Heu und Stroh sowie Kraftfutter wie Pferdepellets“, sagte Tierlehrer Angelo Madel, der hofft, dass die Bevölkerung den Zirkus in siebter Generation weiter unterstützt. Eigentlich wollten die Artisten und Tierlehrer über die Festtage und Neujahr für funkelnde Augen im Rahmen des Müritzer Weihnachtszirkus sorgen. Das Festzelt, das prinzipiell etwa 1000 Gästen Platz bietet, hätte Corona bedingt immerhin noch mit 260 Leuten gefüllt werden können. Als sich die Corona-Situation jedoch schließlich immer weiter zuspitzte, untersagte der Kreis den Weihnachtszirkus. Der Verlust pro Show liege zwischen 3000 und 4000 Euro, so die Zirkusleute. Artisten, die aus Frankreich und sogar Australien anreisten, kehrten wieder zurück.

Spenden und Besuche sind weiterhin willkommen

Die Tiere der Madels bleiben aber auf der Wiese, die dem Zirkus zur Verfügung gestellt wurde. Genau dort ist tagsüber immer mindestens einer der Familie zu finden, erzählt Angelo Madel. Er hofft, dass Leute die Möglichkeit nutzen, um noch die ein oder andere Futterspende abzugeben. „Und wer möchte, kann zu den Tieren schauen oder ich erkläre gern, wie ich mit den Tieren arbeite“, so Madel.

Auftritt für Helfer geplant

Der 28-Jährige und seine Frau hatten seit gut zwei Jahren Pandemie bedingt keinen Auftritt mehr. „Wir leben von Hartz IV; Corona-Hilfen bekommen wir nicht“, so Madel. Mit so einem Finanzstatus sei es schwierig, vor allem die Futterkosten für die Tiere zu decken. „Ein Ballen Heu bekommen wir für 25 bis 50 Euro, die Preise schwanken“, so Madel. Die eigene Reserve an Heu und Stroh reiche nur noch für eine Woche.

Für die Hilfe möchte sich der Zirkus im nächsten Frühjahr mit einer kostenlosen Zirkusvorstellung bedanken. Zirkus Barlay hofft, im März 2022 wieder auf Tour gehen zu können. Dann gebührt den Helfern die erste Show.

Egal, wie angespannt die Lage auch ist: Kein Zirkusmitglied von Barlay wird mit dem Klingelbeutel von Tür zu Tür gehen oder mit einer Spendendose vor Einkaufsmärkten stehen. Wer helfen möchte, erreicht Angelo Madel telefonisch unter der 01520 79 30 700 oder findet den Zirkus in der Dorfstraße 124 von Wredenhagen. Geldspenden können auf das Konto von Vater Gunter Madel (IBAN DE40 8105 0555 4080 0194 70) unter dem Stichwort „Spenden“ überwiesen werden.

Zweiter Zirkus sagt Vorstellungen ebenfalls ab

Wegen der Corona-Pandemie kann auch der zweite Warener Weihnachtszirkus nicht stattfinden, hieß es von Jan Bühring, Sprecher des Circus Humberto. Die Zirkusleute hoffen, die Warener Vorstellungen im nächsten Jahr vom 21. Dezember 2022 bis zum Neujahrstag 2023 auf dem Festplatz am Amtsbrink in Waren durchführen zu können.

Förderung für neue Tribüne

„Wir hatten für die diesjährige Produktion 2021 schon die bekannte tschechische Familie Faltiny mit Tempo-Jonglagen und einer rasanten Messerwurfnummer engagiert“, gab Bühring einen Einblick in das geplante und nun abgesagte Programm. Die Mitglieder der Familie Faltiny waren viele Jahre die Stars der abendlichen Unterhaltungsshow im „Circus Circus Casino“ in Las Vegas. Um in Corona-Zeiten besten Schutz zu bieten, hatte Circus Humberto in eine komplett neue Schalensitztribüne investiert. Dort hat jeder Besucher seinen eigenen Sitzplatz. Möglich geworden ist das durch ins Leben gerufene Initiative Neustart Kultur, die den Zirkus mit einer Fördersumme bedacht hat. Familie Ortmann, die hinter dem Circus Humberto steht, ist telefonisch unter der 0152 556 56 461 zu erreichen.