StartseiteRegionalMüritzVerdacht bestätigt – Wolf tötete fast die ganze Herde

Wolf-Angriff

Verdacht bestätigt – Wolf tötete fast die ganze Herde

Grabenitz / Lesedauer: 3 min

Die Schafherde eines Müritzers erfüllte den Grundschutz. Den Wolf hat das nicht abgehalten, 19 von 23 Weidetiere anzugreifen und zu töten. Offene Fragen bleiben.
Veröffentlicht:18.02.2022, 14:03

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Mehr als 75 Prozent der Schafherde von Joachim Geska wurden vom 4. auf den 5. Februar gerissen. Eine Rissgutachterin nahm sieben Genproben. Die belegen nun tatsächlich den Anfangsverdacht des Grabenitzer Hobbyviehhalters: Prüfer konnten den Wolf als Verursacher in Grabenitz eindeutig festlegen, sagte Geska dem Nordkurier.

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Nun sollen weitere Fragen geklärt werden: etwa, ob die Genprobe einem Rudel zugeordnet werden kann und ob es sich bei dem Übergriff um einen Wolf oder um mehrere Wölfe als Verursacher handelte.

Anfang Februar wurden durch die Raubtierattacke 19 von 23 Schafen einer seiner beiden Herden gerissen; darunter sieben Muttertiere und zwölf Lämmer. Sein letztes, vier Monate altes Lamm lebte zwar nach dem Übergriff noch, musste allerdings von seinem Leid erlöst werden, so Geska.

Bei näherer Betrachtung des Kadavers wurde auch bei diesem Tier ein Kehlbiss festgestellt. Diese Fleischwunde sei vorher aufgrund der Wolle nicht aufgefallen, erklärte der Weidetierhalter. „Alle Tiere, die tot auf der Weide lagen, hatten einen Kehlbiss; bei Dreien war der Bauchraum aufgerissen“, erinnerte sich der nebenberufliche Tierhalter an den Anblick.

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Ein Kehlbiss kann auf den Wolf als Räuber hindeuten – wie in diesem Fall. Dabei bestand für die Herde der sogenannte Grundschutz in Form eines 1,08 Meter hohen Elektrozaunes und eines 1,20 Meter hohen Maschendrahtzaunes. Das sichert ihm Entschädigungszahlungen, die ohne Grundschutz nicht gezahlt werden.

Für Geska war es der erste Schafsrissvorfall durch den Wolf. Den Schaden beziffert er auf etwa 3000 Euro. Statt die Weidetierhaltung aufzugeben, möchte er die Sicherheit für seine Tiere erhöhen. Kurz nach dem Schaden war ihm die Rissgutachterin eine große Hilfe. „Wir haben im strömenden Regen den erhöhten Herdenschutz für meine zweite Herde aufgebaut. Das Material hat sie mir geliehen”, bedankte sich der Viehhalter für die prompte Unterstützung.

Erhöhter Herdenschutz – das beinhaltet nun einen 1,25 Meter hohen Elektrozaun. Insgesamt 17 Schafe, darunter drei Lämmer, weiden auf der zweiten Fläche nahe des Kölpinsees. Der Grabenitzer holt sich zeitnah Angebote für den erhöhten Herdenschutz ein. Allein auf 660 Metern benötigt er einen Untergrabschutz.

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Im Januar wilderte der Wolf nachweislich auch in einer Schafherde nahe Poppentin – nur rund zwei Kilometer Luftlinie von Grabenitz entfernt. Drei tragende Mutterschafe mit fünf Lämmern wurden gerissen. Die Schafe gehörten Marten Wittenburg, Tierhalter im Nebenerwerb. Der Wolf könnte aus dem ansässigen Rudel im Bereich Nossentiner/Schwinzer Heide stammen, sagte Wittenburg, der wie Geska an einer Klärung interessiert ist, aber den Wolfsabschuss für keine Lösung hält.

Claus Tantzen, Sprecher des Landwirtschaftsministeriums, sagte, dass das Rudel in der nahegelegenen Nossentiner Heide und das im Müritz-Nationalpark (Ostufer) schon länger bekannt sei. „Das Nossentiner hatte 2020 drei Welpen; für 2021 gibt es bis jetzt noch keinen Reproduktionsnachweis. Die Müritzwölfe hatten 2020 und 2021 Welpen”, so Tantzen. Wer in Grabenitz und Poppentin auf Beutezug war, lässt sich mit diesen Angaben jedoch noch nicht klären. Die Genetik soll in diesem Fall Licht ins Dunkle bringen.