StartseiteRegionalMüritzWaren es Wölfe? Erneut Mutterschafe an der Müritz getötet

Weidetiere angegrifffen

Waren es Wölfe? Erneut Mutterschafe an der Müritz getötet

Grabenitz / Lesedauer: 4 min

Binnen eines Monats wurden in der Müritzregion in zwei Fällen Nutztiere gerissen. In einem Fall ist der Wolf als Verursacher bestätigt. Im zweiten Fall laufen die Überprüfungen.
Veröffentlicht:09.02.2022, 05:37

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Gleich zweimal kamen in den letzten vier Wochen Rissgutachter im Warener Umland zum Einsatz, um Genproben von getöteten Weidetieren zu nehmen. Im Fall des Poppentiner Schafrisses bestätigten die Proben, dass ein Wolf als Verursacher drei tragende Mutterschafe mit fünf Lämmern gerissen hatte. Die Schafe gehörten Martin Wittenburg, Tierhalter im Nebenerwerb. Der Wolf könnte aus dem ansässigen Rudel im Bereich Nossentiner/Schwinzer Heide stammen, so Wittenburg.

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Nur vier Tiere von 23 überlebten

Joachim Geska aus dem rund zwei Kilometer Luftlinie entfernten Grabenitz nahe Klink wartet aktuell auf die Ergebnisse der Genproben. In der Nacht vom 4. auf den 5. Februar wurde in einer seiner Schafherden erheblich geräubert. Von insgesamt 23 Schafen einer Herde blieben dem Müritzer nach einer Attacke durch Raubtiere noch vier Tiere übrig. Heißt: 19 Schafe, mehr als 75 Prozent von Geskas Herde, wurden getötet oder verschwanden gar.

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„Alle Tiere, die tot auf der Weide lagen, hatten einen Kehlbiss; bei Dreien war der Bauchraum aufgerissen“, erinnerte sich der nebenberufliche Tierhalter an den Anblick. Ein Kehlbiss kann auf den Wolf als Räuber hindeuten, schließt andere Verursacher aber auch nicht komplett aus.

Viele Spuren am Zaun

Auf der Weide nahe der Verbindungsstraße zwischen Klink und Grabenitz hielt und hält Joachim Geska seine Tiere. Die Umzäunung entspricht einem Grundschutz: Auf einer Seite ist das Grundstück von einem 1,20 Meter hohen Maschendrahtzaun umzäunt und ansonsten mit einem geförderten 1,08 Meter hohen Elektrozaun. An die versprochene wolfsabweisende Wirkung des Zaunes glaubt der Tierhalter nach dem Vorfall nicht mehr so recht. Nachdem er die toten Tiere entdeckt hatte, ging er um das eingezäunte Gelände und fand viele Spuren. Der oder die Verursacher müssten nach seinen Aussagen mehrfach um das Grundstück herumgeschlichen und schließlich über den Schutzzaun gesprungen sein. So lautet zumindest eine anhand von Fährten gemachte Vermutung des Grabenitzers.

Tierhalter beklagt rund 3000 Euro Verlust

Allein sieben Mutterschafe verlor Geska durch den Vorfall; zwei davon waren zusätzlich tragend. „Wenn ich allein diese Zuchttiere ersetze, muss ich schon rund 200 Euro pro Tier rechnen. Das macht 1400 Euro; da sind die Lämmer noch nicht mit eingerechnet“, empörte sich der Grabenitzer über den finanziellen Ausfall. Obendrein kann er nun auch den Verkauf der Lämmer abschreiben. Den Ausfall beziffert er auf etwa 1600 Euro zusätzlich. Macht zusammen rund 3000 Euro.

Anträge auf Ausgleich

Durch Wolfsübergriff zu Tode gekommene Tiere werden bis zur Höhe des Marktwertes der Tiere kompensiert, hieß es vom Land. Solche Kompensationszahlungen flossen auch 2021. Bisher wurden laut Claus Tantzen, Sprecher des Landwirtschaftsministeriums, 19 000 Euro an Ausgleichszahlungen für Wolfsrisse ausgereicht. In Stein gemeißelt ist die Zahl noch nicht, weil noch Antragsbearbeitungen fehlten, so Tantzen.

Geska und Wittenburg wollen ihre Weidetierhaltung nicht aufgeben. Sie werden mit einem höheren Zaun „aufrüsten“. „Der Abschuss des Wolfes ist keine Lösung, aber wir müssen den Umgang diskutieren“, wünscht sich Wittenburg – dankbar für die Möglichkeit der Risskompensation und Förderung zur Vermeidung von Wolfsübergriffen – ergebnisoffene Gespräche.

Zahlen und Fakten zu Nutztierrissen 2021

Vom Wolfsmanagement des Landes im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums wurden 2021 MV-weit 187 bei einem Riss getötete und weitere 40 verletzte Weidetiere in insgesamt 55 Fällen registriert (Stand: 19. Dezember 2021). In diesen Fällen konnte der Wolf als Verursacher entweder konkret nachgewiesen oder nicht ausgeschlossen werden.

In zwölf der 55 Fälle bestand laut Wolfsmanagement kein Grundschutz; in sieben weiteren Fällen existierte ein „mängelbehafteter Grundschutz“. Ein Grundschutz ist bei einem 90 Zentimeter hohen, komplett geschlossenen Zaun gegeben. E-Zäune müssen mindestens 2000 Volt aufweisen; Maschendrahtzäune mindestens 120 Zentimeter hoch sein.

Fünf von 55 Rissvorfällen des Vorjahres wurden im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte registriert: Dabei kamen acht Tiere zu Tode; eines wurde laut Wolfsmanagement verletzt. Zweimal fehlte es am Grundschutz; dreimal war eine „Zäunung gemäß guter fachlicher Praxis“ vorhanden.