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Balkonkraftwerke

„Die Energiewende kriegen wir so nicht hin”

Neubrandenburg / Lesedauer: 3 min

Mit der Energiekrise steigt die Nachfrage nach Solartechnik und Wärmepumpen. Doch Firmen haben Lieferprobleme – und trotz Förderung rechnet sich ein Umstieg für viele gar nicht.
Veröffentlicht:13.09.2022, 06:06

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Vor den kommenden Energierechnungen zittern Mieter in ganz Deutschland. Der russische Angriffskrieg in der Ukraine hat in der Bundesrepublik eine Energiekrise ausgelöst – „Frieren für den Frieden“ könnte im Winter Realität werden. Verständlich, dass sich auch die Bürger Neubrandenburgs nach alternativen Heizmethoden umschauen. „Wir bekommen zehn bis 15 Anfragen für Solaranlagen am Tag. Aber momentan können wir gar keine bauen“, sagt Mirko Brügmann, Geschäftsführer der Elektroservice Brügmann GmbH.

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Denn auch wenn das Unternehmen über Solarplatten und Untergestelle verfüge, fehle die Technik um sie anzuschließen. Solarkabel seien frühestens ab März kommenden Jahres wieder zu „normalen“ Preisen erhältlich. „Wenn es welche gibt, dann sind sie enorm teuer. Die Energiewende kriegen wir so nicht hin“, meint Brügmann.

Solaranlage lohnt sich nicht, wenn tagsüber niemand zu Hause ist

Dennoch hat die Landesregierung kürzlich ein Förderprogramm für sogenannte „Balkonkraftwerke“ beschlossen. Mit zehn Millionen Euro sollen Mieter und Hausbesitzer dazu animiert werden, einen Teil ihres Energiebedarfs mit Sonnenstrahlen zu decken. Die Anschaffung einer Photovoltaik-Anlage könne mit bis zu 500 Euro pro Haushalt gefördert werden.

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Ob damit ein kurzfristiger Spar-Effekt erreicht werden könne, bezweifelt Brügmann jedoch. „Für eine Familie, deren Mitglieder arbeiten und erst abends nach Hause kommen, lohnt sich das nicht. Denn die meiste Energie wird tagsüber produziert – und sie zu speichern, ist sehr teuer.“

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Er sieht darüber hinaus noch ein weiteres Problem. Wird der Strom vieler kleiner Kraftwerke in das Stromnetz eingespeist, dürfe von den großen Kraftwerken weniger Strom fließen, um die Netzstabilität aufrechtzuerhalten. Das sei jedoch schwer zu regeln, da kleine Photovoltaik-Anlagen nicht anmeldepflichtig sind. „Niemand weiß, wie viele Anlagen ans Netz gehen. Daher befürchte ich, dass wir über kurz oder lang mit Stromausfällen rechnen müssen“, sagt der Unternehmer.

Wärmepumpe allein ist auch keine Lösung

Doch Photovoltaik-Anlagen sind nicht die einzigen Heilsbringer, auf die Mieter und Hausbesitzer dieser Tage setzen. Hoch im Kurs stehen auch Wärmepumpen, die der Erde, der Luft oder dem Grundwasser die Wärme entziehen, um sie dann ins Haus zu leiten. „Die Nachfrage ist gerade sehr hoch“, sagt Jürgen Kieper.

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Seit 2008 installiert er mit seiner Neubrandenburger Firma Kälte- und Klimatechnik sowie Wärmepumpen. Viele seiner Kunden erhofften sich, durch die neue Technik Geld zu sparen – eine Rechnung, die Kieper zufolge jedoch nicht aufgeht. Denn eine Wärmepumpe benötigt Strom. Und der ist – genauso wie Gas – gerade sehr teuer. Kieper empfiehlt daher die Kombination mit einer anderen Technik. „Eine Wärmepumpe bringt nur mit einer Photovoltaik-Anlage etwas“, sagt er.

Unkalkulierbare Preise erschweren die Beratung

Den schwierigen Lieferbedingungen ist aber auch er sich bewusst – Kieper bekommt sie selbst zu spüren. „Auch unsere Lieferanten können bis März nichts liefern. Deshalb können wir bei unseren Kunden keine Wärmepumpen einbauen“, sagt Kieper.

Von der unklaren Situation auf dem Energiemarkt zeigt sich der Unternehmer belastet. „Man kann eben nicht vorhersehen, wie sich die Preise entwickeln. Daher weiß ich manchmal gar nicht, was ich meinen Kunden am besten raten soll.“