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Ausbaupläne

100 neue Windräder – Altentreptower sind entsetzt

Altentreptow / Lesedauer: 4 min

Durchgesickerte Vorschläge für weitere Windkraftflächen in der Seenplatte lösen in Altentreptow Empörung aus. Stadtvertreter fordern Hilfe von der Landtagspräsidentin. 
Veröffentlicht:23.11.2023, 05:55

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Obwohl der Regionale Planungsverband Mecklenburgische Seenplatte erst am kommenden Montag seine Pläne für die „Vorranggebiete für Windenergieanlagen“ öffentlich vorstellen wird, ist vorab durchgesickert, dass im Bereich um Altentreptow zu den bestehenden 120 Windrädern weitere 100 Anlagen hinzukommen könnten. Für die Altentreptower Wählergemeinschaft sind die im Vorentwurf vorgesehenen Erweiterungen ein Schlag ins Gesicht.

Altentreptower fühlen sich übergangen

„Altentreptow wird damit endgültig zum Windkraft-Ghetto von Mecklenburg-Vorpommern. Wir haben schon jetzt die höchste Windrad-Dichte im ganzen Land, als Stadt aber nach wie vor keinen Sitz im Planungsverband und somit auch keine Stimme. Es wird alles über unsere Köpfe hinweg entschieden. Das hat in meinen Augen nichts mehr mit Demokratie zu tun“, monierte Stadtpräsident Gerhard Quast (Wählergemeinschaft) beim jüngsten Bauausschuss.

Noch mehr Windräder bei Altentreptow? Dieser Raumplanungsentwurf löst Protest aus.
Noch mehr Windräder bei Altentreptow? Dieser Raumplanungsentwurf löst Protest aus. (Foto: NK-Grafik)

Gleichzeitig appellierte er an die Verwaltung, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, damit der angedachte Ausbau nicht in dem Umfang erfolgt, wie ihn die Planer vorschlagen. Denn sonst wären nicht nur das geplante Wohngebiet an der Meldorfer Straße, sondern auch alle anderen Vorhaben im Außenbereich der Stadt und im Amtsbereich davon beeinträchtigt, ganz zu schweigen von der Lebensqualität der Bürger, die sich jetzt schon von den Windrädern in ihrem Umfeld bedrängt fühlten. „Es kann nicht sein, dass wir durch zwei neue Anlagen, die im Windpark Altentreptow-West entstehen sollen, am Ende 100 potenzielle Wohnungen verlieren. Wir brauchen neuen Wohnraum, gerade für junge Familien, sonst beschneiden wir uns selbst die Zukunft unserer Stadt“, betonte Quast.

Schwerin soll für gerechtere Verteilung von Windkraftflächen sorgen

Gemeinsam mit dem Fraktionsvorsitzenden der Wählergemeinschaft Mirko Renger hat sich der Stadtpräsident mit einem Schreiben an Landtagspräsidentin Birgit Hesse (SPD) gewandt. Darin fordern sie die Landesregierung dazu auf, sich für eine gerechte Verteilung der Windkraftstandorte einzusetzen. Es sei schon sehr auffällig, dass in einigen Regionen, in denen viele „Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Regierung“ ihren Wohnsitz haben, überhaupt keine Windräder existierten. Aber auch in Altentreptow und Umgebung würden Menschen leben, die einen Anspruch auf eine Gleichbehandlung in Sachen Würde und Menschlichkeit haben. Mit der vom Planungsverband fokussierten Teilausschreibung des Raumentwicklungsprogramms werde eine ganze Region „vergewaltigt und missbraucht“, heißt es in dem Brief, der dem Nordkurier vorliegt. 

„Ich habe den Eindruck, dass die Windbranche die neuen politischen Rahmenbedingungen skrupellos für ihre eigenen Zwecke ausnutzt“, machte Mirko Renger seinem Ärger gegenüber dem Nordkurier Luft. „Es geht den Investoren doch nicht mehr darum, die Energiewende voranzutreiben, sondern darum, den höchstmöglichen Profit daraus zu schlagen. Und das auch noch zulasten der Bürger, die mit den negativen Auswirkungen leben müssen.“

Beim Verbandstreffen ein Zeichen setzen

Die fehlende Beteiligung bemängelt die Wählergemeinschaft auch in ihrem Brief an Birgit Hesse. So hätten es sich gut bezahlte Anwaltskanzleien im Auftrag der Windlobby ihren Ausführungen nach zur Aufgabe gemacht, die Gemeinden und Bürger vor Ort mit „Almosen abzuspeisen“. „Unter dem Motto 'Friss oder stirb!' werden Rechtsanwaltskanzleien, die eng mit der Windbranche verbunden sind, nun 'Berater' für die öffentliche Hand. Wer glaubt hier noch an eine faire Beteiligung?“, fragt sich die Fraktion. 

Wie Renger versicherte, wird eine Delegation der Wählergemeinschaft am 27. November nach Neubrandenburg fahren, um an der 58. Verbandsversammlung des Regionalen Planungsverbandes, die um 15.30 Uhr im Haus der Kultur und Bildung stattfindet, teilzunehmen. Weitere Mitstreiter sind als Unterstützung gerne gesehen. „Wir werden die Pläne mit unserer Anwesenheit sicher nicht komplett abwenden können. Es geht uns vielmehr darum, gemeinsam ein Zeichen zu setzen und den Entscheidungsträgern zu zeigen, dass es in Altentreptow engagierte Menschen gibt, denen der forcierte Windkraftausbau eben nicht egal ist“, so der Fraktionsvorsitzende. 

Regionaler Planungsverband Mecklenburgische Seenplatte (MSE)
Hintergrund

Regionaler Planungsverband Mecklenburgische Seenplatte (MSE)

Der Vorstand des Planungsverbandes setzt sich unter anderem aus dem MSE-Landrat, dem Oberbürgermeister der Stadt Neubrandenburg und den Bürgermeistern der Mittelzentren zusammen. Oberstes beschlussfassendes Organ des Planungsverbandes ist die Verbandsversammlung.

Vorstandsmitglieder
Heiko Kärger, Landrat des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte, CDU
Silvio Witt, Oberbürgermeister der Stadt Neubrandenburg, parteilos
Andreas Grund, Bürgermeister der Stadt Neustrelitz, parteilos
Norbert Möller, Bürgermeister der Stadt Waren (Müritz), SPD
Thomas Witkowski, Bürgermeister der Hansestadt Demmin, CDU
Sven Flechner, Bürgermeister der Stadt Penzlin, SPD
Frank Nieswandt, Bürgermeister der Stadt Friedland, Die Linke
Axel Zimmermann, Leiter des Amtes für Stadtplanung und Grundstücksentwicklung der Stadt Neustrelitz, parteilos

Der Regionale Planungsverband MSE besteht aus 25 Mitgliedern:

Für den Landkreis (10 Mitglieder):
Heiko Kärger, CDU
Jaqueline Antony, CDU
Hans-Ullrich Hoffmann, CDU
Elke-Annette Schmidt, Die Linke
Frank Nieswandt, Die Linke
Peter Fink, AfD
Enrico Schult, AfD, (sachverständiger Einwohner)
Helmut Geißler, B90/Die Grünen, (sachverständiger Einwohner)
Sven Flechner, SPD-Fraktion
Norbert Schumacher, FDP/FH

Stadt Neubrandenburg (7 Mitglieder):
Silvio Witt, parteilos
Toni Jaschinski, Die Linke
Bernd Lange, SPD
Knut Jondral, B90/Die Grünen
Kurt Kadow, Bürger für Neubrandenburg

Neustrelitz (3 Mitglieder):
Andreas Grund, parteilos
Karsten Rohde, parteilos
Axel Zimmermann, parteilos

Waren (3 Mitglieder):
Norbert Möller, SPD
Peter Bauer, CDU
Florian Winter, FDP/MUG

Demmin (2 Mitglieder):
Thomas Witkowski, CDU
Dietmar Schmidt, parteilos