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Archäologie

9000 Jahre alte Klinge in Burg Stargard entdeckt

Burg Stargard / Lesedauer: 4 min

Bei den Ausgrabungen am Markt wurde eine etwa 9000 Jahre alte Silex-Klinge gefunden – womöglich der älteste Fund in Burg Stargard überhaupt. Doch es wurde noch mehr freigelegt.
Veröffentlicht:06.05.2022, 07:52

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Wo künftig Rathaus und Bürgersaal stehen sollen, müssen schon vor 9000 Jahren Menschen vorbeigekommen sein. Bei Ausgrabungen an der Marktecke in Burg Stargard hat das Team um Projektleiterin Cathérine Korluß eine etwa 9000 Jahre alte Silex-Klinge aus dem Mesolithikum (Mittelsteinzeit) gefunden, wie sie dem Nordkurier bei einem Besuch auf der Baustelle zeigte. „Sie ist deutlich von Menschenhand bearbeitet worden und man kann es sich als frühzeitliches Messer vorstellen“, weiß die Mitarbeiterin der ABBU GbR aus Cottbus.

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Damit muss die Geschichte wohl neu geschrieben werden. Derart früh hatten die Historiker in der Stargarder Region bislang noch keine Menschen vermutet, die ältesten Spuren menschlicher Anwesenheit hatten bislang auf das Neolithikum hingedeutet, das etwa vor 8000 Jahren begann und die Zeit beschreibt, in der Menschen erstmals als Hirten und Bauern lebten. „Nun haben wir einen deutlichen Hinweis, dass in Burg Stargard sogar schon die Jäger und Sammler unterwegs waren“, betont Cathérine Korluß. Länger geblieben sind sie in Burg Stargard nicht. Erst im 6. und 7.  Jahrhundert siedelten sich dann Slawen in der heutigen Dewitzer Chaussee im Bereich der Aldi-Filiale und des Verkehrskreisels in Burg Stargard an.

Eigentlich ging’s um einen Keller aus dem 13. Jahrhundert

Dass dieser wohl älteste Fund in der Stargarder Geschichte überhaupt ans Tageslicht kam, ist eher dem Zufall geschuldet. Im Augenmerk der Archäologen lag vor allem „der älteste Keller der Stadt“, wie Cathérine Korluß sagt. Zweieinhalb Meter tief und etwa vier mal fünf Meter groß stammt er wie die Höhenburg aus dem 13.  Jahrhundert. „Das Besondere ist die ungewöhnlich große Fläche“, sagt die Expertin. Diese weise darauf hin, dass es sich nicht um einen normalen Wohnkeller handelt, sondern dieser vor allem der Lagerung von Waren diente. Ein Beleg, dass am heutigen Marktplatz schon vor mehr als 700 Jahren der wirtschaftliche Grundstein für Stargard gelegt wurde. Danach sei auf den Keller einfach nur immer draufgebaut und das Haus umgenutzt worden, wie die verschiedenen gut erkennbaren Boden- und Lehmschichten zeigen. Auf dem Gelände, auf dem künftig ein Bürgerhaus entsteht, müssen damals an die vier Gebäude gestanden haben.

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Cathérine Korluß und das Team waren etwa fünf Wochen mit der Ausgrabung beschäftigt, hatten zwischendurch zwei Bagger zur Hilfe, doch um die Schippe kamen sie nicht herum. Neben dem Keller und der Klinge förderten sie eine ganze Kiste an Funden zutage. Haushaltskeramik, Tiergebisse und -knochen, sogar ein Messer.

Baustart möglicherweise zum Jahresende

Die Ausgrabungen sind beendet, doch Cathérine Korluß muss sich noch etwas weiter mit der Vergangenheit beschäftigen, damit in der Kleinstadt auch an der Zukunft gearbeitet werden kann. Alle Funde werden nun sorgsam dokumentiert und digitalisiert, das wird an das Landesamt für Denkmalpflege geschickt. Die Behörde wiederum macht einen Bericht für die Stadt und die Architekten fertig, damit die das Leistungsverzeichnis finalisieren kann und irgendwann endlich auch die Bauarbeiter kommen dürfen. „Es ist sehr zeitaufwendig“, fasst Stargards Bürgermeister Tilo Lorenz zusammen. „Aber wenn eine Stadt so etwas schon macht, wünsche ich mir zumindest auch Unterstützung, damit wir die Stadtgeschichte offen zeigen können“.

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Eine Ausstellung im neuen Bürgersaal mit den Funden sei etwa möglich. Bis dahin wird es jedoch noch etwas dauern, möglicherweise zum Jahresende können die Bauarbeiten beginnen. Parallel soll auch noch die Sanierung des denkmalgeschützten Hauses nebenan beginnen, das künftig als Rathaus dient. Derzeit sind Kosten von 4,6  Millionen Euro für beide Projekte zusammen im Gespräch, die Hälfte gibt das Land dazu.

Das Projekt soll unter anderem die Innenstadt wieder nachhaltig beleben. Schließlich waren hier schon vor 9000 Jahren Menschen unterwegs.