StartseiteRegionalNeubrandenburg▶ Bauern demonstrieren in Stadt und Land – und ein Landrat unterstützt sie

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▶ Bauern demonstrieren in Stadt und Land – und ein Landrat unterstützt sie

Neubrandenburg / Lesedauer: 3 min

Am Freitag gab es erneut einen Aktionstag der Landwirte. Sie waren auf dem Ring in Neubrandenburg präsent, ebenso auf A20-Brücken und fanden beim Seenplatte-Landrat Verständnis.
Veröffentlicht:26.01.2024, 17:15

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Landwirte im Osten Mecklenburg Vorpommerns haben am Freitag erneut mit Aktionen gegen die Pläne der Bundesregierung protestiert, ihnen gewährte Subventionen zu streichen. In Neubrandenburg sorgte am Abend ein Traktorenkorso um den Ring für Aufmerksamkeit und Behinderungen.

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In Vorpommern hatte der Bauernverband zu einem „Brückentag“ aufgerufen. Landwirte zeigten mit ihren Traktoren auf mehreren Autobahnbrücken der A20 Flagge.

Auf vielen A20-Brücken zeigten Landwirte mit ihren Traktoren Flagge.
Auf vielen A20-Brücken zeigten Landwirte mit ihren Traktoren Flagge. (Foto: Stefan Hoeft)

Bereits am Morgen hatten Vertreter von fünf Bauernverbänden im Kreis Seenplatte eine Petition mit einem umfassenden Forderungskatalog an den Landrat des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte, Heiko Kärger (CDU) überreicht.

Landrat zeigt Verständnis und schimpft auf Berlin

Kärger sagte bei dem Treffen im Landratsamt in Neubrandenburg seine weitere Unterstützung für die Anliegen der Landwirte zu und übte zugleich scharfe Kritik an der Ampel-Koalition in Berlin, gegen deren Politik sich die seit Wochen laufenden Proteste deutschlandweit richten. Zugleich warnte er Wähler vor einem Abdriften an den rechten Rand, aus einem bestimmten Grund.

„Wenn man zukünftig keine Grünen mehr in der Regierung haben will, darf ich nicht AfD wählen, zum Schluss müssen da 50 Prozent zusammenkommen“, sagte Kärger bei dem Gespräch mit Blick auf die notwendige Mehrheit für eine Regierungsbildung. Eine Beteiligung der rechten AfD daran hält der Landrat derzeit für ausgeschlossen. „Solange sich die AfD nicht von den Nazis trennt, regiert mit denen kein Mensch der Welt.“

„Schwachköpfe mit Umsturzfantasien“ nicht erwünscht

Trotz weiterer geplanter Demonstrationen signalisierten die Landwirte aus dem Kreis weiterhin Gesprächsbereitschaft: „Protest ist ein legitimes Mittel, jedoch möchten wir als Bauernverbände auch weiterhin im Dialog mit der Politik an Lösungsansätzen arbeiten“, sagte der Vorsitzende des Bauernverbandes Malchin, Claus-Dieter Tobaben. Der Deutsche Bauernverband hatte sich vor seiner deutschlandweiten Aktionswoche aufs Schärfste distanziert von „Schwachköpfen mit Umsturzfantasien, Radikalen sowie anderen extremen Randgruppen und Spinnern“.

Vertreter von fünf Bauernverbänden aus der Region übergaben am Freitag in Neubrandenburg eine Petition an Landrat Heiko Kärger (3.v.r.), der Unterstützung für ihr Anliegen versprach und markige Worte fand.
Vertreter von fünf Bauernverbänden aus der Region übergaben am Freitag in Neubrandenburg eine Petition an Landrat Heiko Kärger (3.v.r.), der Unterstützung für ihr Anliegen versprach und markige Worte fand. (Foto: Mirko Hertrich)

In der an Heiko Kärger übergebenen Petition unterstrichen die regionalen Bauernvertreter, dass der Frust unter den Landwirten „weiterhin gewaltig“ sei. Die vielen Demonstrationen in Landkreis, im gesamten Bundesland und deutschlandweit verdeutlichten die Existenzängste der Landwirte. Während andere Branchen für Gehaltserhöhungen und kürzere Arbeitszeiten streikten, hätten die Landwirte gegen Steuererhöhungen zu kämpfen.

Landwirte zeigen sich Änderungen gegenüber offen

Die Bauernverbände Altentreptow, Demmin, Malchin, Mecklenburg-Strelitz und Müritz baten den Landrat, „weiter für sie zu kämpfen“. Sie forderten ihn unter anderem dazu auf, sich für Nachverhandlungen des Energiesteuergesetzes "im Sinne der Landwirte" einzusetzen.

Fast schon kitschig schön, wenn es nicht so ernst wäre: Als die Landwirte am Freitag auf dieser A20-Brücke bei Gützkow standen, zeigte sich ein Regenbogen.
Fast schon kitschig schön, wenn es nicht so ernst wäre: Als die Landwirte am Freitag auf dieser A20-Brücke bei Gützkow standen, zeigte sich ein Regenbogen. (Foto: Stefan Hoeft)

Weitere zentrale Forderungen sind Investitionsprogramme für den nachhaltigen Umbau der regionalen Tierhaltung und für die Entwicklung alternativer Antriebe für Traktoren sowie der Abbau bürokratischer Hürden.

Bei Heiko Kärger stießen die Forderungen auf offene Ohren: „Veränderungen können nur gelingen, wenn man diejenigen mitnimmt, die sie betreffen“, griff er die Kritik der regionalen Bauernvertreter an der Kommunikation der Ampel-Koalition auf.

Die Frage lässt sich leicht beantworten – schlechter.
Die Frage lässt sich leicht beantworten – schlechter. (Foto: Felix Gadewolz)

Landrat nennt zusätzliche Belastungen „vernichtend“

Der gelernte Agrarökonom an der Verwaltungsspitze von Deutschlands größtem Landkreis verwies darauf, dass mit rund 3200 Quadratkilometern fast 60 Prozent des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte landwirtschaftliche Flächen seien. „Die gesellschaftlichen und sozialen Folgen von zusätzlichen Belastungen dieser Branche in einer schon jetzt strukturschwachen Region wie unserer wären schlichtweg vernichtend.“

Der Landrat kündigte an, den Forderungen der regionalen Bauernverbände über den Deutschen Landkreistag (DLT) auch auf Bundesebene Gehör zu verschaffen. „Man kann da nur Druck machen.“