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Justiz

Besoffen auf dem E–Roller — das bleibt nicht ungestraft

Neubrandenburg / Lesedauer: 3 min

Ein junger Mann stand vor Gericht, weil er mit zu viel Alkohol unterwegs war. Doch seine Mutter warf sich für ihn in die Bresche und ein Staatsanwalt zeigte viel Herz.
Veröffentlicht:06.03.2023, 18:10

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Eine Fahrerlaubnis benötigt niemand, um einen Elektroroller zu fahren. Jeder und jede ab 14 Jahren darf mit den flotten Flitzern unterwegs sein. Aber seine Fahrerlaubnis loswerden kann jeder, der mit so einem sogenannten E–Scooter durch die Gegend düst.

Auf dem Rad ist die Grenze höher

Denn — auf diesen Trendfahrzeugen gelten haargenau dieselben Alkoholgrenzen wie auf allen anderen Kraftfahrzeugen. Fahren darf man nur bis zu einer Promillezahl von höchstens 0,5 und wer mit mehr als 1,1 Promille unterwegs ist, begeht eine Straftat und wird zum Fall für den Staatsanwalt.

Anders als auf dem Fahrrad. Dort wird es erst ab 1,6 Promille kriminell. Das Gesetz begründet den Unterschied damit, dass auf dem Rad noch Muskelkraft zur Bewegung nötig ist, auf dem E–Roller aber nicht.

In der Nacht nach Himmelfahrt erwischt

Ausgerechnet in der Nacht nach Himmelfahrt im vergangenen Jahr — in diesen Stunden sind Polizisten nach vielen bitteren Erfahrungen immer besonders sensibilisiert –, erwischten die Ordnungshüter einen damals 20–jährigen jungen Mann, der sich zuvor erst mit seiner Freundin gestritten, dann mit Freunden etliche Biere getrunken und sich später auf einen Elektroroller geschwungen hatte, um nach Hause zu fahren.

Als er das Unheil kommen sah, ließ er den Roller fallen und wollte türmen. Die Uniformierten waren schneller, schnappten ihn und zeigten sich neugierig auf den Alkoholkonsum des zu langsamen jungen Mannes. 1,15 Promille, was für ein Pech.

Mutter steht ihrem Jungen bei

Staatsanwalt Toralf Günther wirft dem 21–Jährigen in seiner Anklageschrift vor dem Neubrandenburger Amtsgericht die Trunkenheitsfahrt vor. Beistand erhält der Delinquent aber von der Jugendgerichtshilfe. Deren Vertreterin schlägt Amtsrichter Manfred Thiemontz vor, das Verfahren einzustellen, gegen die Zahlung von 250 Euro Geldstrafe.

Zuvor hatte sich die Mutter des Angeklagten schon für ihren Jungen starkgemacht. Der habe seitdem viel gelernt, besitze seit vier Monaten einen festen guten Job und sei als Techniker mit einem Dienstfahrzeug unterwegs. Werde der Sohn jetzt verurteilt und müsse die Fahrerlaubnis abgeben, sei der auch seinen Job los.

Ganz unbescholten ist der Delinquent nicht

Der Staatsanwalt muss zustimmen, damit Richter Thiemontz das Verfahren „beerdigt“. Ankläger Günther hat aber etwas dagegen. Immerhin, zitiert der Staatsanwalt aus dem Verkehrszentralregister, sei der angeklagte junge Autofahrer schon drei Mal wegen erheblicher Geschwindigkeitsüberschreitungen zu Geldstrafen und Fahrverboten verknackt worden. Schon sechs Punkte zieren seine Liste, bemerkenswert für einen so jungen Mann. Wer die Zahl acht erreicht, ist die Fahrerlaubnis automatisch für wenigstens sechs Monate los.

Aber das sei doch alles lange her, barmt die Mutter. Staatsanwalt Günther lässt sich erweichen — und doch nicht. Zwar zeigt er sich angesichts der Umstände damit einverstanden, das Verfahren einzustellen. Aber nur gegen die Zahlung einer 2000 Euro teuren, happigen Geldstrafe und nur, wenn der Angeklagte schnell eine Verkehrsschulung besucht. Richter Thiemontz gibt dem jungen Mann noch auf den Weg, er möge sich von nun an „erheblich am Riemen reißen“.