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Justiz

Brandserie und Dildo-Diebstahl – 32-Jähriger muss ins Gefängnis

Neubrandenburg / Lesedauer: 4 min

2022 verunsicherte eine Brandserie die Einwohner in Neubrandenburgs Oststadt. Mit einer Videoüberwachung wurde ein Verdächtiger gefunden, der nun verurteilt wurde.
Veröffentlicht:05.12.2023, 19:10

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Im Prozess wegen eines Kellerbrandes in einem Mehrfamilienhaus in der Neubrandenburger Oststadt hat das Amtsgericht Neubrandenburg eine Freiheitsstrafe verhängt. Der 32-jährige Angeklagte wurde am Dienstag der Brandstiftung und eines Diebstahles schuldig gesprochen. Die Schöffenkammer von Richterin Tanja Krüske verurteilte den Mann, der in demselben Aufgang ganz oben gewohnt hatte, zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft. Der als Pfleger tätige Mann bleibt aber zunächst auf freiem Fuß: Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Angeklagter hat Schuld abgestritten

Der Verurteilte hatte in dem Prozess bestritten, den Brand am 9. Juli 2022 mit einem Schaden von 146.000 Euro gelegt zu haben. Er sei an jenem Abend zwar in der Kellerregion gewesen, aber für das Feuer will er nicht verantwortlich gewesen sein. „Für uns war entscheidend, dass die Kameraaufnahmen an dem Treppenabgang an jenem Abend eindeutig nur den Angeklagten gezeigt haben“, sagte die Richterin.

Zuletzt hatte es in einem Keller gebrannt. Der nun verurteilte Mann war gefilmt worden, wie er spätabends dort hineinging.
Zuletzt hatte es in einem Keller gebrannt. Der nun verurteilte Mann war gefilmt worden, wie er spätabends dort hineinging. (Foto: Pablo Himmelspach(NK-Archiv)

Ein Zugang von einer anderen Seite des Plattenbaus war damals nicht möglich, weil eine Kellerzwischentür verschlossen war. Dort war erst wenige Tage vorher im Zusammenhang mit einem früheren Brand in der Straße das Schloss ausgetauscht worden. Die dortigen Mieter hatten noch keine neuen Schlüssel für diese Tür.

„Ja ich war an jenem Abend im Keller“, sagte der Angeklagte im Prozess. Das konnte er auch gar nicht abstreiten. Denn das Landeskriminalamt hatte im Treppenhaus eine Kamera installiert, die jeden filmte, der in dem Aufgang in den Keller ging. Die Aufnahmen wurden in der Verhandlung abgespielt. Sie zeigen den Angeklagten im ärmellosen Shirt, wie er an jenem Abend gegen 22.32 Uhr in den Keller geht, nach wenigen Minuten wieder herauskommt und in seine Wohnung in der fünften Etage geht. Wenn jemand anders zur Brandzeit dort gewesen wäre, hätten sich die Männer schlicht begegnen müssen, wie sich bei der Beweisaufnahme herausstellte.  

Das hätte böse enden können

In der fünften Etage lebte der Mann zu der Zeit mit einer Frau und mehreren Kindern. Kurze Zeit, nachdem er aus dem Keller gekommen war, zog Rauch durchs Haus, sodass Anwohner die Feuerwehr riefen. Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie ein Kamerad die Tür um 22.59 Uhr zu den Kellerräumen öffnet, dichter Qualm herausdringt und der Feuerwehrmann die Kellertür gleich wieder schließt. „Zum Glück kamen die Feuerwehrleute so schnell“, sagte Brandgutachter Olaf Lawrenz. Das hätte sonst böse enden können.

Die Flammen breiteten sich aus, erfassten die Deckenverkleidungen in der Kellerbox und zerstörten unter anderem Versorgungsleitungen. Durch die dichten Feuerschutztüren und geschlossenen Fenster konnte sich das Feuer aber nicht allzu weit ausbreiten. So war zwar das Treppenhaus verraucht, aber die Mieter konnten in den Wohnungen bleiben. Auch der Verurteilte blieb mit seiner sehr verängstigten Frau und den drei Kindern oben. Das Feuer wurde gelöscht, verletzt wurde niemand.

Immer dicht am Geschehen, wenn es brannte

Durch die Aufnahmen kamen die Ermittler schnell auf den 32-Jährigen. Hinzu kam, dass er vorher auch in einem anderen Gebäude in der Oststadt gewohnt hatte, in dem es brannte. Zudem war er fast immer da und machte Aufnahmen, wenn die Feuerwehr löschte. Und er teilte mehrfach Bilder von den Feuern in der Oststadt und „sprach“ mit Bekannten in sozialen Internetkanälen auffällig gut informiert darüber, wie ein Polizist als Zeuge erklärte.

Mit dem Urteil folgte Richterin Krüske weitgehend dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft. Diese hatte drei Jahre und acht Monate Haft gefordert. Verteidiger Wolfgang Bartsch hatte dagegen einen Freispruch für den angeklagten Brandfall verlangt. Er hielt einen anderen Bekannten, der in einem anderen Treppenaufgang nahebei wohnte, ebenfalls für verdächtig. Allerdings endete die Oststadt-Brandserie nach der Festnahme des 32-Jährigen im Juli 2022.

Freundin der Familie ist nach Diebstahl keine mehr

Im Prozess wurde der 32-Jährige zudem auch wegen des Diebstahls von Sexspielzeug und Dessous bei einer Bekannten in der Nachbarschaft verurteilt. Dies floss in das Urteil ein. Der Angeklagte hatte gestanden, bei der Bekannten einen Dildo und Reizwäsche gestohlen zu haben.

Er hatte damals den Schlüssel zu der Wohnung der ehemaligen Freundin der Familie, weil diese umziehen wollte. Der Verurteilte sollte damals andere potenzielle Mieter durch die Wohnung führen. Das tat er auch - und ließ Dildo und Dessous dabei mitgehen. Sein Pech: Die Bekannte war danach mal wieder bei der Familie in der fünften Etage zu Besuch und erkannte dabei ihr Sex-Spielzeug wieder, dass dort auf einem Schrank stand. Mit der Freundschaft war es daraufhin vorbei.