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Justiz

Brutale Messerattacke – Angeklagter mit lückenhaftem Geständnis

Neubrandenburg/Neustrelitz / Lesedauer: 3 min

Wie kam es zu dem Mordversuch Ende Juni? Ein zweiter Angeklagte hat seine Version des Geschehens erzählt. Aber anstatt aufzuklären, steigert er die allgemeine Verwirrung.
Veröffentlicht:09.11.2023, 14:52

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Im Prozess um einen versuchten Mord im Bahnhofstunnel von Neustrelitz hat der zweite Angeklagte ein Geständnis abgelegt. „Ich wollte den 18-Jährigen eigentlich zurückhalten, aber das ging nicht“, sagte der junge Ukrainer am Donnerstag vor dem Landgericht Neubrandenburg am zweiten Prozesstag.

Richterin lässt Zweifel erkennen

Bei konkreten Nachfragen von Richterin Daniela Lieschke blieb der junge Mann aber zu dem Geschehen am 23. Juni 2023 eher vage. So will er damals nur einen Faustschlag des mitangeklagten 18-Jährigen Neustrelitzer gesehen haben. Daraufhin sei der Geschädigte – ein 17-jähriger Freund aus Neubrandenburg – zu Boden gegangen und habe sich dann am Tunnelboden ein paar Meter weiter geschleppt.

„Danach habe ich mich umgedreht“, sagte der junge Ukrainer. Von den weiteren Messerstichen will er nichts mitbekommen haben. Schließlich sei man weggegangen. „Das macht man aber nicht, wenn man eigentlich verhindern will, dass einem Freund so etwas passiert“, entgegnete die Richterin, die sichtliche Zweifel an der Aussage des hochgewachsenen Ukrainers durchblicken ließ.

Angriff im Vorfeld schon angekündigt

Das lebensgefährlich verletzte Opfer hatte fünf Stiche erlitten, konnte sich aber noch eine Treppe auf einen Bahnsteig hinaufschleppen, wo mehrere Frauen auf Züge warteten und sehr schnell Hilfe holten. Der 17-Jährige überlebte nur dank schneller Notoperationen. 

Alle Beteiligten hatten sich damals – an einem Freitag – anfangs zum „Abchillen“ und gemeinsamen Alkoholtrinken am Glambecker See in Neustrelitz getroffen. Das spätere Opfer soll  – stark angetrunken – dort angeblich Mädchen belästigt haben. Deshalb soll der 18-jährige Angeklagte mehrfach geäußert haben, dass er dem Bekannten „eine auf die Fresse hauen will“, sagte der 17-jährige Mitangeklagte.

Das habe anfangs keiner wirklich ernst genommen. Doch am späteren Abend folgten die beiden Angeklagten und ein dritter Bekannter dem Geschädigten, der vom Bahnhof Neustrelitz wieder nach Neubrandenburg fahren wollte. Dort kam es im Bahnhofstunnel zu dem gefährlichen Messerangriff.  

Blutspur fast über den ganzen Bahnsteig

Eine lange Blutspur, die vom Tunnel über fast den ganzen Bahnsteig reichte, zeugte damals von der Tat. Einer der drei Verfolger soll dem Opfer auch noch das Handy gestohlen und dieses später zerstört haben. Dieser junge Mann, gegen den bisher in einem Extra-Verfahren ermittelt wird, soll am nächsten Prozesstag nochmal angehört werden. An einem weiteren Prozesstag soll auch der Geschädigte zu Wort kommen. Er sagte schon im Vorfeld, dass er sich gut an die Bluttat erinnern kann.

Das Trio wurde später von der Kriminalpolizei ermittelt. Einer der Angeklagten soll sich nach der Tat gegenüber anderen Bekannten am See sogar noch mit der Messerattacke gebrüstet haben. Beide sitzen seither in Untersuchungshaft.

Der Prozess wird am 16. November fortgesetzt, dann sollen auch ein Rechtsmediziner und zwei psychologische Gutachter zu Wort kommen. Sie sollen Alkoholisierung und Schuldfähigkeit der Angeklagten bewerten. Ein Urteil wird Ende November erwartet.